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Bonner LandgerichtHohe Haftstrafen nach brutalen Überfällen in Niederkassel und Neuss

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Das Eingangsportal des Landgerichts.

Drei junge Männer aus Neuss wurden für brutale Raubüberfälle auf Senioren in Niederkassel und Neuss vom Bonner Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. (Symbolbild)

Sie suchten sich gezielt ältere Menschen als Opfer: Drei Räuber (20, 25 und 28) wurden vom Bonner Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

„Mit Raubüberfällen auf alte Menschen wollten sie ihren Lebensunterhalt finanzieren“, hieß es im Urteil einer Bonner Jugendkammer. Mit entsprechend hohen Freiheitsstrafen für drei Angeklagten ahndeten die Richter zwei brutale Überfälle auf ältere Leute in ihren Häusern in Niederkassel und Neuss. Ein 20-Jähriger wurde zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt und wegen seiner Drogensucht für mindestens zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Ein 28-Jähriger erhielt acht Jahre und neun Monate und ein 25-Jähriger siebeneinhalb Jahre Haft – alle wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung.

Die drei Angeklagten kämen aus „schwierigen Familienverhältnissen“, so die Kammervorsitzende Anja Johansson im Urteil. Lediglich der Jüngste hat einen Schulabschluss, arbeitet aber nicht, sondern lebt in der Wohnung seines Vaters in den Tag hinein. Alle sind vorbestraft, der Älteste aus dem Trio saß wegen schwerer Brandstiftung, die er als 16-Jähriger begangen hatte, fünf Jahre in einem Jugendgefängnis. Da er für die Folgen des Feuers haftbar gemacht worden ist, hat er hohe Schulden.

95 Jahre altes Opfer brach sich einen Lendenwirbel

Geldsorgen war denn auch das Motiv der drei Freunde aus Neuss. Erstes Opfer war am 25. Oktober 2025 eine 95-jährige aus der Nachbarschaft des Jüngsten; die Rentnerin habe einen Tresor, bei der sei „was zu holen“, hieß es. Die beiden Älteren, bewaffnet mit einer Schreckschusspistole und Pfefferspray, verschafften sich über den Garten Zugang zu dem Reihenhaus, während die Eigentümerin gerade auf der Terrasse nach der Igeltränke sah. Die Räuber brüllten „Rein!“, der 28-Jährige schubste die Frau so heftig, dass sie stürzte und sich den vierten Lendenwirbel brach. Sie leidet noch heute unter der Verletzung und konnte deshalb nicht im Verfahren als Zeugin erscheinen.

Die Eindringlinge öffneten den Safe, entnahmen dem Schrank 1500 Euro, 500 Euro aus einer Handtasche sowie Schmuck im Wert von 2000 Euro. Der Älteste durchsuchte anschließend das Haus, entdeckte dabei die Pflegerin der 95-Jährigen und dirigierte sie ins Wohnzimmer. Bevor sie gingen, drohten sie den Frauen, sie kämen wieder, wenn sie die Polizei riefen, verschlossen das Haus und fuhren zur Wohnung des Jüngsten, der bei dem Überfall nicht direkt dabei war, „aber wusste, was abging“, so das Gericht. Die Beute wurde aufgeteilt, reichte aber nicht lange.

Niederkasseler Rentner wurde mit Panzertape gefesselt

Der 28-Jährige kam deshalb auf die Idee, in einem Kleinanzeigenportal nach Anbietern zu schauen, die wertvolle Sachen verkaufen wollten. Bei der Suche im Netz stießen sie auf einen 85-Jährigen aus Niederkassel, der seine 50.000 Euro teure Münzsammlung anbot. Diesmal machte der 20-Jährige von Anfang an mit; deshalb wird dieser Fall strafschärfend als bandenmäßiges Handeln bewertet. Am 2. Dezember 2025 fuhren zwei von ihnen nach Niederkassel, gaben sich als Kaufinteressenten aus und machten mit dem Verkäufer für den 9. Dezember einen Übergabetermin aus.

Auf der Anreise im Auto wurde der Tatplan noch einmal besprochen, dann klingelten sie an dem Haus des Sammlers, nickten sich zu, als er öffnete, und warfen ihn sofort zu Boden. Sie traten und schlugen ihn, brachen ihm dabei eine Rippe und fesselten ihn mit Panzertape. Die 73-jährige Ehefrau, die sich in einem anderen Zimmer aufhielt, wurde unter Drohungen mit der Pistole dazugeholt.

Während seine Komplizen die Münzen in einen Wäschekorb packten, durchsuchte der 28-Jährige das Haus, fand drei Ringe im Wert von 2000 Euro, die er in seine eigene Tasche steckte. Die Beute verhökerten sie noch am gleichen Tag in Düsseldorf und Neuss. Der Frau gelang es, durch ein Fenster nach draußen zu klettern und die Polizei zu holen. Das Paar verlässt seitdem aus Angst kaum das Haus. Kurz vor Weihnachten gingen die Räuber der Kripo ins Netz, sie hatte unter anderem Funkzellen an den Tatorten ausgewertet. Alle drei belasteten sich in den Vernehmungen gegenseitig.

Das Gericht attestierte ihnen, „aggressiv, rücksichtslos, mit erheblicher Gewaltbereitschaft und krimineller Energie“ gehandelt zu haben. Die Urteilsverkündung fand unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Ein Dutzend Justizwachtmeister war im Saal, um jeden Kontakt der Angeklagten mit ihren zahlreich anwesenden Verwandten zu unterbinden. Alle Zuschauer mussten ihre Handys ausschalten.