Jedes Jahr lockt die Kirmes am Rhein in Niederkassel zahlreiche Gäste an. Martin Krämer vom TuS Mondorf ist Mitorganisator und regelt den Aufbau.
Rollläden noch geschlossenDer Aufbau für das Mondorfer Strandfest am Wochenende läuft auf Hochtouren

Das Riesenrad und der Musikexpress stehen schon.
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Der Rhein schiebt sich am Mondorfer Fähranleger vorbei, wo Fahrgeschäfte bereits in den Himmel ragen – stumm, reglos, schlafende Riesen aus Stahl. Die Gondeln hängen bewegungslos über dem Asphalt, Arbeiter verlegen Kabel, die Nervenbahnen der Kirmes. Die Buden wirken mit ihren heruntergelassen Rollläden wie Häuser in einer verlassenen Filmkulisse. Im Moment gehört das Mondorfer Strandfest noch den Monteuren und Schaustellerinnen – doch am Freitagnachmittag wird die Kirmes am Rhein zum Leben erwachen.
An einem der fünf Schankwagen trifft man Martin Krämer. Er hat kurz Zeit, zumindest, bis schon wieder jemand etwas von ihm will, braucht, wissen möchte. Er gehört dem TuS Mondorf an, der das Strandfest zusammen mit dem Förderverein des TuS und dem Männergesangsverein organisiert.

Martin Krämer vom TuS Mondorf organisiert das Strandfest.
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Krämer ist Ansprechpartner für die Stadtverwaltung, das Ordnungsamt, die Polizei – und die Presse. In seinem rechten Ohr steckt ein Kopfhörer, aber nicht für Dauerberieselung, sondern um beim Telefonieren trotzdem beide Hände frei zu haben. „Nein, ich kann erst morgen ab 12 abschleppen lassen“, sagt er in die leere Kirmesgasse hinein.
Einschränkungen für Anwohner sollen möglichst gering gehalten werden
Ein Schausteller, der seinen WC-Anhänger schon früher aufstellen wolle, gibt er zu verstehen: „Wir sperren aber so spät wie möglich, damit die Einschränkungen für die Anwohner gering bleiben“, sagt er. Wie viele Anrufe er heute erhalten habe? „Sechzig?“, antwortet er erschöpft. „Die Hälfte der Zeit besteht aus Telefonieren.“ Immerhin, die Schaustellerinnen und Schausteller wüssten, wo sie aufbauen dürften.
„Sie bewerben sich bei unserem Platzmeister und teilen auch Angebot, Größe und Fläche mit. Der Platzmeister entscheidet dann, wer wohin kann.“ Der Rest ist Routine. „Der Musikexpress zum Beispiel kam schon vor zwei Tagen hier an, er wusste aber genau, wie er sich hinstellen muss, damit das Riesenrad noch daneben passt“, sagt Krämer.
Planung wird sechs Wochen vor der Kirmes besonders intensiv
Das steht mittlerweile fertig aufgebaut neben dem Fähranleger, nicht mal einen Tag hat der Aufbau gedauert. Die Wurfbuden und Essensstände bilden mit ihren heruntergelassenen Rollläden eine Gasse, durch die sich Männer in Arbeitskleidung schieben. Die Sitze der Fahrgeschäfte und Dächer der Wurfbuden erhalten nochmal eine Endreinigung; die Vorfreude, sie drückt sich in routinierter Gelassenheit aus. „Die Schausteller bauen tagsüber auf, wir Vereinsmitglieder nach unserer Arbeit. Die Planung beginnt aber Ende August, und in den sechs Wochen vorher wird sie richtig intensiv.“

Vor der Eröffnung gibt's noch eine Endreinigung für die Wurfbuden.
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Eine ehrenamtlich organisierte Kirmes, die in diesem Jahr zum 90. Mal stattfindet. „Wir sind nicht gewerblich, wir machen es für das Dorf und die Allgemeinheit. Wenn es gewerblich wäre, wäre der Dorfcharakter weg, und wir hätten andere Preise“, unterstreicht Krämer. „Für eine Vier-Tage-Kirmes ist das Mondorfer Strandfest ziemlich groß und hat ein tolles Angebot – und mit der Lage am Rhein einen besonderen Charme.“
Fähre transportiert jedes Jahr die Gäste zum Strandfest
Wie viele Besucherinnen und Besucher das bunte Treiben alljährlich anlocke, könne Krämer, obwohl seit 2017 im Planungsteam, nicht sagen: „Da konnte noch niemand verlässliche Zahlen nennen, weil das Strandfest so verwinkelt ist und verschiedene Zugänge hat.“ Zumindest die Fähre sei „rappelvoll“, das könne er jedes Jahr beobachten. „Die transportiert von Freitag bis Montag nur Fußgänger und Fahrräder und fährt bis Mitternacht, die Leute nutzen das aber gerne, weil sie wissen, dass sie nach dem Feuerwerk am Samstag noch nach Hause kommen.“
Einige Meter weiter sortiert Angelique Nock-Krämer gerade Kuscheltiere in Tüten. „Jede Tüte ist ein Gewinn, und manchmal ist sogar ein Los für die freie Auswahl drin“, sagt sie. Man kann sich die 48-Jährige gut mit Headset und typischer Kirmes-Ansage vorstellen. Gewinne, Gewinne, Gewinne.
„Wir kommen seit 20 Jahren nach Mondorf, unsere Stammkunden finden uns immer am selben Standort. Meine Schwiegermutter war vorher mit einer Verlosung hier, wir machen das Tüten-Angeln“, sagt die 48-Jährige. „Das Strandfest ist eine gemütliche Veranstaltung, die Kunden sind immer nett, das Spiel ist was für die ganze Familie, denn man muss nur angeln können.“ Von ihrem Wagen hat Nock-Krämer freien Blick auf den Rhein. „Das ist ein bisschen wie Urlaub.“
Zuletzt stand sie mit der Ballwurf-Bude, die ihre Familie ebenfalls besitzt, auf dem Maimarkt in Simmern, der Wagen mit dem Tüten-Angeln war in Euskirchen. „Nach Niederkassel geht es auf die Fronleichnamskirmes in Oberhausen.“ Zwischendurch muss Nock-Krämer immer wieder die Auslage ihres Wagens leerräumen. „Sonst fliegen die während des Transports umher.“ Sie erwartet gutes Wetter – und nicht eine Lage wie vor zwei Jahren, als das Strandfest wegen Hochwassers vorzeitig abgebaut werden musste. „Wenn es soweit kommt, packen wir alle mit an, wir helfen uns untereinander.“
Das Mondorfer Strandfest beginnt am Freitag um 18 Uhr mit dem traditionellen Fassanstich durch Bürgermeister Matthias Großgarten. Ab 19 Uhr legt ein DJ auf und eröffnet das Festwochenende. Am Samstag startet der Kirmesbetrieb ab 11 Uhr, die Festwiese öffnet ab 12 Uhr. Am Abend legt erneut ein DJ auf. Höhepunkt des Tages ist das Feuerwerk gegen 22 Uhr.
Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einer Messe an der Bühne. Anschließend öffnet ab 11 Uhr die Festwiese. Um 16 Uhr tritt die Coverband „Wildbach“ auf, bevor gegen 19.30 Uhr die Band „Queen May Rock“ die Bühne übernimmt. Danach klingt der Abend mit Musik vom DJ aus. Auch am Montag, 25. Mai, läuft der Kirmesbetrieb ab 11 Uhr, die Festwiese öffnet gegen 12 Uhr. Ab 18 Uhr spielt die Band „NonPlusX“ zum Abschluss des Festes. (mfu)