Von mittelalterlichen Kräutern bis zu romantischen Parks: 37 Gärten im Welterbe Mittelrheintal laden zu einer Reise ein.
Ausflugsziel für Kölner37 Welterbe-Gärten locken ins nahe gelegene Mittelrheintal

Gartenreich: In Oberwesel können gleich fünf grüne Oasen besucht werden.
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„Wir unternehmen eine Zeitreise ins Mittelalter. Sind sie bereit dazu?“ Mit diesen Worten motiviert Gärtnermeister Kai Wernecke die Besucher auf der Marksburg, die sich über Braubach erhebt. In den Beeten der Festung gedeihen „Hexen- und Zauberpflanzen“ wie Schlafmohn, Wurmfarn, Alraune und Tollkirsche. Im angrenzenden Kräutergarten an der Südseite der Anlage wachsen Zitronenmelisse, Rosmarin und Lavendel. Der nahegelegene Nutzgarten wiederum bietet Möhren, Lauch und Dinkel. Insgesamt beherbergt die Gartenanlage der Burg 150 unterschiedliche Pflanzenarten.
Der mittelalterliche Schaugarten der Marksburg gehört zu einem Verbund von 37 Anlagen, die als Welterbe-Gärten in Rheinland-Pfalz und Hessen ausgewiesen sind. Dazu zählen auch private Anlagen wie der spirituell gestaltete Arenberger Bibelgarten in Koblenz oder der Hildegard-von-Bingen-Heilkräutergarten. Diese grünen Refugien sind in die Kulturlandschaft des Oberen Mittelrheintals eingebettet, das im Juni 2002 von der Unesco zum Welterbe erklärt wurde. Das Netzwerk der Gärten erstreckt sich zwischen den Flusskilometern 526 und 593 und besteht seit fast 15 Jahren. „Nach der Koblenzer Bundesgartenschau 2011 hat eine Fachjury die Parks und Gärten ausgewählt“, berichtet Nicole Schuh, Projektleiterin beim Zweckverband Oberes Mittelrheintal.
Einzigartiges Netzwerk mit privater Blütenpracht
Die Intention der Verantwortlichen war es, eine erlebbare Mischung aus historischem Grün und neueren Parks zu schaffen. Projektleiterin Schuh ist überzeugt: „Der Zusammenschluss der Welterbegärten ist in Deutschland einzigartig.“

In ihrem 700 Quadratmeter großen Privatgarten oberhalb des Rheintales: Waltraud Feuerpfeil, die das Grün mit ihrem Mann Ernst betreut.
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Von Beginn an Teil des Netzwerks ist der über 700 Quadratmeter große Privatgarten von Waltraud und Ernst Feuerpfeil in Lorch-Ransel. Besucher ihres Anwesens werden von einer opulenten Blumenfülle empfangen. Gewundene Pfade leiten vorbei an einer Vielzahl von Stauden und Sträuchern, wobei sich hinter jeder Biegung neue Gartenansichten auftun. Im Hochsommer zeigen Ehrenpreis, Taglilien und Katzenminze ihre farbenfrohe Blüten. „Nahezu das ganze Jahr wird durchgeblüht“, erklärt Hobbygärtnerin Feuerpfeil. Für das Pensionärspaar ist der Garten ein Wohlfühlort, den sie am Welterbetag, dem ersten Sonntag im Juni, auch für Gäste öffnen.
Rheinromantik mit mediterranem Gartenflair
Auf der gegenüberliegenden Rheinseite erhebt sich die Burg Rheinstein circa 100 Meter über dem Fluss. Obwohl sie wie eine mittelalterliche Festung anmutet, ist das aktuelle Gebäude erst rund 200 Jahre alt. Ab 1825 ließ Preußen-Prinz Friedrich Wilhelm Ludwig die Anlage im Stil der Rheinromantik mit Türmen und zinnenbewehrten Mauern neu errichten.

Sieht so aus, doch aus dem Mittelalter ist das Bauwerk nicht: Burg Rheinstein, wo Rebstöcke gedeihen.
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„Auch der Garten wurde romantisch angelegt, mit mediterranem Touch. Das zeigt der in Archiven dokumentierte Schriftwechsel des Adligen mit seinen Architekten und den Bauleuten“, erzählt Burgherr Marco Hecher. Sein Großvater erwarb die stark verfallene Anlage 1975 und ließ sie aufwendig restaurieren. Als Juwel gilt der Burgundergarten, der seinen Namen drei knorrigen, über 70 Jahre alten Rebstöcken verdankt. Während die meisten Gäste wegen der Ritterburg-Atmosphäre kommen, hat Hecher beobachtet: „Einige wollen allerdings nur den Garten sehen.“
Verborgene Juwelen und ein berühmter Kräutergarten
Einige Kilometer flussabwärts in Oberwesel können fünf grüne Refugien erkundet werden, darunter der Pfarrgarten von St. Martin und die Anlagen am früheren Minoritenkloster. „Es sind unsere Kleinode inmitten des eng bebauten Stadtzentrums“, sagt Gästeführerin Ilona Haberkamp.

Kleinode im Stadtzentrum: sind die Gärten am ehemaligen Minoritenkloster in Oberwesel.
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Eine besondere Stille verströmt der Garten bei der Klosterruine, dessen Geschichte von einem Nutzgarten bis zur heutigen Oase mit seltenen Bäumen wie Ginkgo und Trompetenbaum reicht. „Die Oberweseler Gärten sind noch unentdeckt, viele Reisende fahren an unserer Stadt vorbei“, bedauert Haberkamp. Manche Besucher haben jedoch ein spezifisches Ziel: den Hildegard-von-Bingen-Heilkräutergarten am Rochusberg in Bingen. Gartenliebhaber aus aller Welt, darunter aus Japan, Australien und den USA, reisen an, um die Pflanzen der bedeutenden mittelalterlichen Gelehrten zu sehen.
„Der Garten wurde nach alten Plänen mit Heilpflanzen und Obstbäumen angelegt. Deren Heilwirkung hat die Naturforscherin in ihrem Buch Physica beschrieben“, erläutert Kräuterexpertin Andrea Senn vor Ort.

Welterbe-Gärten in Rheinland-Pfalz und Hessen: Auch der Hildegard von Bingen-Heilkräutergarten in Bingen zählt zu dem Verbund.
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Den spirituellen Rahmen der Gartenreise bilden der Hildegard-Garten und der Bibelgarten in Koblenz-Arenberg. Letzterer wurde ab 1845 von dem Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné gestaltet. Dort veranschaulichen 60 Bildstöcke, Kapellen und Grotten den Lebensweg Jesu Christi. Die Anlage stellt einen Ort der Besinnung in der heutigen Zeit dar.
Die Region ist von Köln aus mit dem Auto in circa eindreiviertel Stunden erreichbar. Zudem bestehen gute Zugverbindungen auf beiden Rheinseiten. Als beste Reisezeit für einen Besuch der Gärten gelten die Monate von April bis Ende Oktober. Es ist zu beachten, dass Fähren zwischen Mainz und Koblenz oft die einzige Möglichkeit zur Rheinüberquerung sind und nachts nicht verkehren. (dpa/red)
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