Zuletzt kam es zu mehreren Unfällen im Kölner Süden, bei denen Radfahrer und Fußgänger verletzt wurden. Ursache waren zu volle kombinierte Rad- und Fußwege.
Kölner SüdenViel Verkehr auf Rad- und Fußwegen sorgt für heikle Situationen

Auf dem kombinierten Rad- und Fußweg am Sürther Rheinufer kommt es häufig zu Engpässen und Konflikten.
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Im Forstbotanischen Garten wurde kürzlich ein Fußgänger bei einem Zusammenstoß mit einem Radfahrer schwer verletzt. Der Unfallverursacher flüchtete. Nur wenige Tage zuvor war in Zollstock eine Radfahrerin von einem E-Scooter-Fahrer angefahren und verletzt worden – auch hier mit Fahrerflucht. In beiden Fällen ermittelt die Polizei. Denn Fahrerflucht ist in Deutschland kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat nach § 142 StGB – und zwar nicht nur auf Straßen, sondern auch auf Geh- und Radwegen.
Besonders stark frequentiert ist der Radweg zwischen Rodenkirchener Brücke und dem Godorfer Hafen
Die beiden Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf ein Problem, das sich zunehmend zuspitzt: überlastete kombinierte Geh- und Radwege, mangelnde Rücksicht – und eine Infrastruktur, die mit der Verkehrswende längst nicht mehr Schritt hält. Besonders kritisch ist die Lage zwischen der Rodenkirchener Autobahnbrücke und dem Godorfer Hafen. Der Abschnitt gehört zum stark frequentierten Rheinradweg Köln-Bonn-Koblenz und verläuft direkt am Rheinufer. Tausende sind dort an sonnigen Wochenenden unterwegs.
„Die meisten sind hier viel zu schnell unterwegs. Die Rennradfahrer treten auf dem Stück zwischen Panzerrampe und Godorfer Hafen richtig in die Pedale. Aber auch viele E-Bike-Fahrer schalten hier auf Turbo, da muss man als Fußgänger schon mal zur Seite springen “, sagt die Sürtherin Ute Schmidt, die hier regelmäßig mit ihren zwei Hunden spazieren geht.
Riskante Überholmanöver auf dem Radweg am Rheinufer in Sürth
Der Weg ist auf weiten Teilen weniger als zwei Meter breit. Gleichzeitig teilen sich Spaziergänger, Jogger, Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer, Hundebesitzer und Radfahrer denselben schmalen Streifen – darunter immer häufiger breite Lastenräder oder Radler-Gruppen. Die Folge sind riskante Überholmanöver, Ausweichbewegungen und immer wieder Konflikte. „Das ist wahnsinnig chaotisch – wenig Rücksicht und viel Aggression“, sagt Schmidt. „Bis zu 25 km/h auf einem so engen gemeinsamen Weg ist ein absolutes No-Go. Es braucht dringend getrennte Bereiche für Fuß- und Radverkehr.“
Sürth ist dabei kein Einzelfall. Auch in Rodenkirchen, etwa zwischen dem Partyschiff „Roxy“ und dem Brauhaus „Quetsch“, wird es am Rheinufer regelmäßig eng. Fußgänger und Radfahrer kommen dort teilweise kaum aneinander vorbei. Besonders problematisch die zunehmende Zahl überbreiter Lastenräder und E-Scooter.
„Straßentattoos“ könnten für mehr Klarheit auf den Wegen sorgen
„Seit 2021 wurden 15 Verkehrsunfälle mit Verletzten auf dem Rheinradweg zwischen der Rodenkirchener Autobahnbrücke und dem Godorfer Hafen registriert. An diesen Unfällen waren insgesamt drei Fußgänger und 23 Fahrradfahrer beteiligt“, teilt die Kölner Polizei mit. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, da viele Zusammenstöße oder Beinahe-Unfälle gar nicht gemeldet werden.
Die Politik hat den Handlungsdruck inzwischen erkannt. Seit 2024 gibt es im Kölner Süden einen runden Tisch zum Thema Radverkehr. Als mögliche Sofortmaßnahme bringt die neue Bezirksbürgermeisterin Sabine Müller (Grüne) sogenannte „Straßentattoos“ ins Gespräch – Bodenmarkierungen, die für mehr Orientierung und gegenseitige Rücksicht sorgen sollen.
Kampagne der Stadt Köln wirbt für mehr gegenseitige Rücksicht
Auch die Stadt Köln setzt derzeit auf Sensibilisierung. Unter dem Motto „Rücksicht schenkt Dir ein Lächeln“ wirbt seit Ende April eine Kampagne für mehr gegenseitige Achtsamkeit im Straßenverkehr. Viele Anwohner halten solche Maßnahmen eher für Symbolpolitik. „Das ist ein Feigenblatt. Das eigentliche Problem bleibe bestehen: zu viele Nutzer auf zu wenig Raum“, findet der Rodenkirchener Peter Ott.
Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht gemeinsame Geh- und Radwege kritisch. Der Verband fordert eine klare Trennung von Fuß- und Radverkehr – idealerweise durch Grünstreifen oder separate Wege. Genau diese Trennung gab es am Sürther Rheinufer früher bereits. Vor der Umgestaltung existierten dort zwei parallele Wege – einer für Fußgänger, einer für Radfahrer. Im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen wurde jedoch einer der Wege zurückgebaut. Was ökologisch sinnvoll gewesen sein mag, führt heute zu einem infrastrukturellen Engpass – mit spürbaren Folgen für die Sicherheit.
Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Weißer Rheinbogen. Dort entstand – trotz Protesten von Umweltverbänden – ein breiter asphaltierter Weg. Heute gilt der Abschnitt vielen als Beispiel dafür, wie funktionierende Infrastruktur aussehen kann, wenn steigender Radverkehr von Anfang an mitgedacht wird. Die Verkehrswende zeigt sich am Rheinufer längst nicht mehr als abstraktes Zukunftsprojekt – sondern als konkreter Verteilungskampf um wenige Meter Asphalt.
