Von Köln-Mülheim bis zum Schwarzen Meer im Ruderboot. Das plant Sebastian Cordes mit zwei Ruderkameraden und wechselnden Besatzungen auf Etappen.
3200 Kilometer mit MuskelkraftDrei Kölner rudern von Mülheim bis zum Schwarzen Meer

Sebastian Cordes (l.) plant, von Köln-Mülheim bis zum Schwarzen Meer zu rudern.
Copyright: Rika Kulschewski
3200 Kilometer mit reiner Muskelkraft hinter sich legen, von Köln-Mülheim bis zum Schwarzen Meer in 100 Tagen, das hat sich der Kölner Sebastian Cordes in den Kopf gesetzt. „Mich hat schon lange, bevor ich Ruderer geworden bin, fasziniert, dass alles, was heute mit Technik betrieben wird, früher mit Muskelkraft betrieben wurde, und ich habe mich gefragt: Was geht alles noch mit Muskelkraft?“, erzählt Cordes.
Vor ein, zwei Jahren habe er sich dann ein Herz genommen und in seinem Verein, dem Mülheimer Wassersport e. V., vorgeschlagen, eine solch große Ruderwanderfahrt anzugehen. „Und irgendwie haben sich ganz schön viele gefunden, die mitmachen“, berichtet der 64-Jährige begeistert und noch immer überrascht. Die Wurzeln des Vereins liegen laut Vorsitzendem Michael Kirchdorf im Wanderrudern. Regelmäßig würden mehrtägige bis mehrwöchige Ruderwanderfahrten im Verein gemacht.
Köln-Mülheim: Drei Ruderer wollen bis zum Schwarzen Meer
„Eine solche Tour hat es aber noch nie gegeben, ich wüsste auch keinen anderen Verein, der so etwas schon mal gemacht hat“, sagt Kirchdorf, „und Wanderrudern geht deutlich zurück, deshalb freue ich mich, dass es bei uns so gefeiert wird.“ Insgesamt 30 Mitglieder des Mülheimer Wassersport e. V. werden Sebastian Cordes auf seiner Reise begleiten, die meisten auf Teilabschnitten. Roland Petrick und Michael Sünner rudern die gesamten 3200 Kilometer mit.

Sebastian Cordes (6. v. l.) startet unter anderem mit Matthias Decker (links neben Cordes) und Roland Petrick (rechts neben Cordes) am Mülheimer Wassersport e. V. – 27 weitere Mitglieder des Vereins machen Teilabschnitte mit.
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Am Samstag, 23. Mai, geht es von dem Bootshaus in Mülheim aus los. Zu fünft legen sie dann mit dem „Rheinpfeil“ ab und rudern den Rhein hoch bis nach Mainz, wo sie auf dem Main weiter bis nach Bamberg rudern. Dort kommt dann ein zweites Ruderboot mit drei weiteren Plätzen dazu.
„Wir fahren Rhein und Main gegen die Strömung, was recht ungewöhnlich ist und anstrengend sein wird“, erklärt Cordes. Ab dem Main-Donau-Kanal, der zur Donau führt, wird die Crew also aus acht Personen bestehen. Die Bootsbesatzungen wechseln dabei immer wieder. Ab Ingolstadt schließt sich die Gruppe dann der Tour International Danubien (TID) an, welche die längste organisierte Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt ist.
Von Köln-Mülheim bis zum Schwarzen Meer mit dem Ruderboot
„Die Strecke bis nach Ingolstadt zu planen, war sehr aufwendig, deshalb sind wir froh, dass wir ab dort die Strukturen der TID nutzen können“, sagt Cordes. Die gesamte Tour werden die Kölner mit 10 bis 15 Kilogramm Gepäck absolvieren. Schlafen werden sie in Vereinsheimen oder Zelten, immer auf Isomatte mit Schlafsack. Die Verpflegung organisieren sie unterwegs.
In den 100 Tagen sind auch Pausentage eingeplant, in denen die Ruderinnen und Ruderer auch die Länder kennenlernen wollen, so weit es geht. Aber allgemein werden Cordes, Pretrick und Sünner im Schnitt gut 30 Kilometer täglich hinter sich legen. „Wir werden mehr als drei Monate unsere Komfortzone in jeglicher Hinsicht verlassen“, betont Roland Petrick, „diese Tour wird für alle vollkommen entbehrungsreich sein, ich habe da vollen Respekt vor.“
Mülheimer Wassersport e. V. freut sich auf die große Wanderruderfahrt
Neben dem Verzicht und der Anstrengung habe die Gruppe auch immer im Hinterkopf, wo sie langfährt. Zehn Länder liegen auf und an der Strecke, die meisten davon in Südosteuropa. Serbien zum Beispiel ist weder Teil der EU noch des Schengenraums, weshalb sie sich dort anmelden und die deutsche und serbische Flagge hissen werden müssen. Und wegen des Ukrainekriegs endet die Tour voraussichtlich vor dem Schwarzen Meer in Braila. „Wir wollen gerne bis zum Schwarzen Meer, aber wir müssen schauen, wie dort die Lage in drei Monaten ist“, sagt Sebastian Cordes.
Manchmal geht mir total die Muffe und ich frage mich, was wir uns da vorgenommen haben und manchmal denke ich einfach nur, dass das die Erfahrung meines Lebens wird. Wir werden es in drei Monaten wissen
Die Tour wird eine große Herausforderung, darin sind sich alle einig – aber genau darum geht es. „Das ist eine einmalige Chance“, sagt Matthias Decker, der zur Startmannschaft gehört, die im Schnitt 70 Jahre alt ist. „Wenn nicht jetzt, wann dann – das wird mir nicht noch einmal jemand vorschlagen.“ Die wechselnde Bootsbesatzung ist bunt gemischt, die Motive sind unterschiedlich. „Ich habe einfach die Zeit“, sagt Roland Petrick. Der ganze Verein fiebert mit: „Das ist eine Jahrzehnte-Tour“, betont Vorsitzender Kirchdorf.
Initiator Sebastian Cordes sieht dem Start mit Vorfreude und gemischten Gefühlen entgegen: „Manchmal geht mir total die Muffe und ich frage mich, was wir uns da vorgenommen haben, und manchmal denke ich einfach nur, dass das die Erfahrung meines Lebens wird. Wir werden es in drei Monaten wissen.“
