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FeldversuchChinaschilf soll bei Starkregen Wasser auf den Feldern im Rhein-Sieg-Kreis halten

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Im Anbau auf den Versuchsflächen ist sogar mehrjähriger Weizen - allerdings scheitert der Anbau in der Landwirtschaft einfach noch an den Erträgen.

Im Anbau auf den Versuchsflächen ist sogar mehrjähriger Weizen - allerdings scheitert der Anbau in der Landwirtschaft einfach noch an den Erträgen.

Ein Feldversuch in Klein-Altendorf zeigt, wie Miscanthus Wasser aufnehmen und zurückhalten kann – und damit zum Hochwasserschutz beitragen könnte.

Der „Starkregen“ kam beim Feldversuch am Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn aus einem Wasserschlauch – angeschlossen an einen Wassertank. Um zu zeigen, wie landwirtschaftlich genutzte Flächen künftig vielleicht sogar mithelfen können, überflutete Keller und Straßen in den Ortschaften zu verhindern, hatten der gemeinnützige Verein Heimatwurzeln mit dem Bio Innovation Park Rheinland und dem Campus zu einem besonderen Feldversuch eingeladen. Dabei durften die Gäste den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen.

Eingeladen waren etwa 40 Vertreter aus der Kommunalpolitik, Landwirtschaft und Wissenschaft. Ihnen zeigte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Bonn Friedericke tho Seeth zum Beispiel, wie sie ermittelt, wie viel und wie schnell Wasser in großen Mengen punktuell auf verschiedenen bearbeiteten Flächen im Erdreich versickert beziehungsweise, wie schnell der Boden das Wasser aufnehmen kann. „Und es gibt Unterschiede“, verriet sie. Im Winter ging’s schneller auf herkömmlich gepflügten Flächen, im Sommer und besonders in trockenen Monaten versickere das Wasser deutlich schneller im Miscanthus-Feld.

Wasser sammelt sich an Pflanzen

Im Mittelpunkt stand jedoch die Starkregen-Simulation, um zu zeigen, dass Miscanthus – also Chinaschilf – sogar mit sehr großen Wassermengen problemlos fertig wird. Tatsächlich strömte der simulierte Starkregen mitnichten auf der Feldoberfläche zu Tal. Deutlich war vielmehr zu erkennen, dass sich das Wasser zunächst um die Pflanzen sammelte und dann dort langsam im Erdreich verschwand. „Wir gehen davon aus, dass auf den mit Miscanthus angebauten Fläche noch einmal etwa 25 Prozent mehr Wasser zurückgehalten werden kann als auf den herkömmlich landwirtschaftlich genutzten Anbauflächen“, erklärte Professor Dr. Ralf Pude. Er ist wissenschaftlicher Leiter des Campus und beschäftigt sich bereits seit mehr als 30 Jahren mit dem Anbau dieses besonderen nachwachsenden Rohstoffs Miscanthus.

Wie schnell kann das Wasser im Boden versickern - beziehungsweise braucht der Boden um das Wasser aufzunehmen. Auch das wurde demonstriert.

Wie schnell kann das Wasser im Boden versickern? Auch das wurde demonstriert.

„Im Ernstfall könnten diese Pflanzen vielleicht den Unterschied machen“, merkte er an. „Das Wasser, das auf den landwirtschaftlichen Flächen zurückgehalten wird, fließt nicht mehr in die Täler um Keller und Straßen unter Wasser zu setzen“, ergänzte Tobias Esch vom Verein Heimatwurzeln. Denn auch Esch ist sich sicher: „Der nächste Starkregen kommt garantiert – auch wenn man sich das aktuell und in Anbetracht der Trockenheit kaum vorstellen kann.“

In diesem Zusammenhang erinnerte er an die verheerende Flutkatastrophe vom 2021. Doch auch bei Starkregenereignissen könnten in kürzester Zeit Menschen in Gefahr geraten und Häuser und Infrastruktur zu Schaden kommen. Die Vorsorge sieht er nicht nur in technischen Großprojekten und gewaltigen Rückhaltebecken. Vielmehr wünsche er sich eine Vielzahl von kleineren Maßnahmen in der Mitte der Gesellschaft.

Starkregen aus dem Wasserschlauch - ein Versuch um zu zeigen, wie Chinaschilf mit großen Mengen von Wasser fertig wird.

Starkregen aus dem Wasserschlauch - ein Versuch um zu zeigen, wie Chinaschilf mit großen Mengen von Wasser fertig wird.

Die landwirtschaftlich genutzten Flächen für den Hochwasserschutz seien dabei eine der ergänzenden Möglichkeiten, mit denen auch Kommunen Vorsorge treffen könnten. Und Miscanthus könnte ein „natürlicher Puffer“ sein, um bei Starkregen das Wasser zurückzuhalten. So bliebe das Wasser nicht nur im Feld, sondern auch aus der Kanalisation. Miscanthus sei die Zukunft, stellten dann auch einige der Gäste fest.

Landwirt Bernd Wolff baut das mehrjährige Schilf, das jährlich geerntet wird, bereits seit neun Jahren an. „Wir verkaufen es als Streu für Pferdeställe und als Mulch, um Böden abzudecken und so die Feuchtigkeit im Boden zu halten.“ In kleinen Mengen habe er es auch schon für die Herstellung von Bio-Kohle vermarkten können. Allerdings sei insbesondere die Vermarktung das Kernproblem.

Die Wissenschaftler am Campus setzen aber längst nicht nur ausschließlich auf Miscanthus. Auf dem Versuchsgelände bei Klein-Altendorf wird auf mehreren Parzellen untersucht, wie verschiedene Kulturen einjährige und mehrjährige Kulturen, bei unterschiedlicher Feldbearbeitung wie Pflugsaat oder Mulchsaat den Wasserrückhalt beziehungsweise die Wasseraufnahme im Boden beeinflussen. Untersucht werden Winterweizen, Sommerweizen, Hafer, Mais, Erbsen aber auch Zuckerrüben und Wildacker.


Heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn und setzt sich für bürgerlichen Klimaschutz ein. Gemeinsam mit Partnerorganisationen aus dem bürgerlichen Spektrum will der Verein die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen in der Mitte der Gesellschaft fördern.