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Task Force eingerichtetKrankenhäuser in Rhein-Sieg wollen Personal und Patienten besser vor Hitze schützen

4 min
St. Franziskus Krankenhaus Eitorf, Menschen bei der Arbeit, Unternehmensfotografie, Unternehmensreportage

St. Franziskus Krankenhaus Eitorf, Menschen bei der Arbeit, Unternehmensfotografie, Unternehmensreportage

Die Kliniken im Kreisgebiet versuchen Mittel und Wege zu finden, besser auf Hitzewellen mit über 40 Grad vorbereitet zu sein.

Die zunehmenden und immer längeren Hitzewellen stellen auch die Kliniken im Rhein-Sieg-Kreis vor neue Herausforderungen.

GFO-Kliniken Troisdorf

Angesichts der erwarteten Rekordhitze hatten die GFO-Kliniken Troisdorf ihren für den 27. Juni geplanten Tag der offenen Tür am Standort St. Josef abgesagt. Eine Option, die es für den Regelbetrieb in den Krankenhäusern der Franziskanerinnen zu Olpe nicht gibt. Daher habe der Klinikträger schon 2024 einen Hitzeschutzplan etabliert, berichtete GFO-Sprecher Michael Emmrich auf Anfrage. Der Plan habe die Bedürfnisse der Erkrankten ebenso im Blick wie die der Beschäftigen.

Zu den zentralen Maßnahmen gehört demnach,  Temperaturen und Luftfeuchtigkeit zu messen und zu dokumentieren. Regelmäßig werden die Beschäftigten geschult. Medikamente müssen in geeigneten, gekühlten Räumen gelagert und zudem auf mögliche hitzebedingte Nebenwirkungen geprüft werden.

Kühlwesten und kühlende Handtücher kommen gegen steigende Körpertemperaturen zum Einsatz, außerdem Ventilatoren „unter Beachtung der Hygienevorschriften“.

Strukturelle Anpassungen wie Siesta-Zeiten in Krankenhäusern nicht möglich

Der Tatsache, dass bei 40 Grad wohl niemand Lust auf Eintopf hat, trägt ein angepasster Speiseplan Rechnung. In Zusammenarbeit mit dem Küchenpersonal werde auf wasserreiche, leichte und über den Tag verteilte Mahlzeiten geachtet. An Mitarbeitende wird an Hitzetagen Eis verteilt, Mineralwasser steht jederzeit zur Verfügung.

„In einem Krankenhaus lassen sich heute wie auch künftig keine langfristigen strukturellen Anpassungen wie etwa feste Siesta-Zeiten realisieren“, sagt Michael Emmrich. So weit möglich nehme man aber auch in den GFO-Kliniken Rücksicht auf die schwankenden Tagestemperaturen: Gelüftet wird in den kühleren Morgen- und Nachstunden, eine leichtere Bettwäsche wird aufgezogen. Auch die Termine für Mobilisierung und Physiotherapie werden laut Emmrich in den GFO-Häusern an die Witterung angepasst.

GFO hat Task Force zur Hitze-Anpassung eingerichtet

Angesichts neuer Temperaturentwicklungen haben die GFO eine „Task Force“ eingerichtet. Hygieneabteilung, Servicekräfte und die Bauabteilung arbeiteten hier zusammen, um auf die Anforderung zu reagieren. Dazu, so Michael Emmrich, gehört die Suche nach und Ausweisung von geeigneten Bereichen als zusätzliche Erholungs- und Rückzugsorte während besonders heißer Tage.

Langfristig angelegt seien Bauvorhaben wie die Installation von Klimaanlagen, mechanischer Verschattung oder Grünanlage. Bei Modernisierungs- oder Sanierungsprojekten, bei Anbau, Um- oder Neubauten berücksichtigten das die Kliniken, sagte der Sprecher – „soweit dies möglich und finanzierbar ist“. Operationssäle und Intensivstationen sind hier und da schon klimatisiert. 

Kinderklinik in Sankt Augustin mit umfangreichem Lüfttungskonzept

„Die Asklepios-Kinderklinik Sankt Augustin hat einen Hitzeschutzplan erarbeitet, der derzeit abschließend abgestimmt wird“, teilt Klinikmanager Timo Peters mit. Dieser sehe verschiedene Stufen vor, die abhängig von Intensität und Dauer einer Hitzeperiode aktiviert würden. Dabei würden unterschiedliche organisatorische und technische Maßnahmen umgesetzt, „um den Schutz von Patientinnen und Patienten, Begleitpersonen sowie und unseren Mitarbeitenden bestmöglich sicherzustellen“.

Das Klinikgebäude wurde 1971 errichtet. Wie in vielen Krankenhäusern dieser Generation sind insbesondere die Operationssäle, die Intensivstation sowie weitere Funktionszonen klimatisiert, da dies dort aus medizinischen und hygienischen Gründen erforderlich ist. Eine flächendeckende Klimatisierung der Patientenzimmer sei hingegen nicht vorhanden und aktuell auch nicht nachrüstbar, sagt Peters. Im Jahr 2021 wurden sämtliche Fenster und Verschattungsanlagen im Hauptgebäude mit Mitteln des Landes auf den neuesten Stand gebracht. „Durch die vorgelagerten Balkone können wir einen umfangreiches Lüftungskonzept umsetzen.“

Die Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin wurde 1971 gebaut.

Die Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin wurde 1971 gebaut.

Bereits heute würden Verschattungsmöglichkeiten konsequent genutzt. Ergänzend bringe die Klinik Hitzeschutzfolien an Fensterflächen in Zimmern an, in denen keine baulichen Verschattungsmöglichkeiten bestehe. Der Hitzeschutzplan umfasse darüber hinaus – abhängig von der jeweiligen Stufe – verschiedene organisatorische Maßnahmen, beispielsweise zur Anpassung von Abläufen, Bereitstellung von gekühlten Getränken und Tüchern sowie weiteren Schutz von Patientinnen und Patienten, Begleitpersonen und Mitarbeitenden.

„Unabhängig von den kurzfristigen und vor allem aufgrund der baulichen Struktur begrenzten Handlungsoptionen hat die Asklepios-Kinderklinik Sankt Augustin im Rahmen der Krankenhausplanung Nordrhein-Westfalen bereits mehrere Förderanträge, zuletzt im Jahr 2025 für die dringende bauliche Modernisierung der Kinderklinik eingereicht“, berichtet Stefanie Wied vom Asklepioskonzern. In diesem Zuge seien umfangreiche Klimaanpassungen berücksichtigt worden, die dann auch den notwendigen und nachhaltigen Hitzeschutz im Fokus hätten.

Eitorfer Krankenhaus will langfristig mehr Klimaanlagen installieren

In Deutschland gilt die duale Krankenhausfinanzierung, bei dem sich Bundesländer und Krankenkassen die Kosten der Kliniken teilen. Die Bundesländer sind für die Investitionskosten zuständig, während die Krankenkassen den Betrieb finanzieren. Nach der aktuellen Berechnung würden aktuell lediglich vier der tatsächlich benötigten acht Milliarden Euro durch die Länder finanziert, sagt Wied.

„Wir sind froh, dass wir bei der Renovierung unsere grünen Klappläden vor den Fenstern behalten haben“, berichtet Petra Nöhring, Geschäftsführerin des St. Franziskus Krankenhauses in Eitorf. Die Patientenzimmer werden morgens gelüftet, danach sorgen die Fensterläden für Schutz vor der heißen Sonne. Die Türen zum Flur werden, wenn die Patientinnen und Patienten nichts dagegen haben, ebenfalls geöffnet, was die Luft zirkulieren lässt. Wie auch in vielen anderen Krankenhäusern sind die Operationssäle und Funktionszonen, wie zum Beispiel die Endoskopie, ebenfalls klimatisiert. Es sei auch geplant, langfristig weitere Abteilungen mit Klimaanlagen auszustatten.