Die Entnahme eines Organs ist nicht sofort möglich. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Wartezeiten.
Kinder als OrganspenderSchwere Entscheidungen an der Kinderklinik Sankt Augustin

In der Intensivstation der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin: Die Transplantationsbeauftragte Beatrix Wiebe mit den beiden Oberärzten Valentin Oellers (l.) und Florian Otte (r.).
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„So kann ich anderen Menschen helfen.“ Dr. Beatrix Wiebe entschied während des Medizinstudiums, dass sie ihre Organe nach dem Tode spenden will. Für sie war das eine Gewissensfrage. Als die Ärztin 1993 zur heutigen Asklepios-Kinderklinik nach Sankt Augustin kam, wollte sie dieses wichtige Thema weiterverfolgen. So wurde sie Transplantationsbeauftragte. Schon seit Jahren leitet Wiebe die Intensivstation. Dort liegen auch Kinder und Jugendliche, die nach schweren Verkehrsunfällen medizinische Versorgung brauchen.
„Für mich als Ärztin ist es ganz klar, dass wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln um jedes Leben kämpfen“, betont sie. Und das gelinge mit Hilfe der modernen Medizin oft sehr gut. Selten komme es jedoch zu der Situation, in der klar wird, dass die Hoffnung endet.
Die Eltern müssen die Zusage zur Organspende geben
Als Vorsitzende des klinischen Ethikkomitees der Kinderklinik hilft ihr auch die Ausbildung zum Transplantbeauftragten, in diesen Situationen den richtigen Weg zu finden. „Ein erwachsener Mensch kann einen Organspendeausweis unterschreiben, dann ist alles geregelt“, berichtet sie. „Hat er dies nicht getan, gibt es Angehörige, die vielleicht schon einmal seine Meinung dazu gehört haben und seinen Willen einschätzen können.“
Bei Kindern sei dies jedoch ganz anders, da sie ja in der Regel noch nicht einwilligungsfähig sind. „Die Eltern müssen die Zusage zur Organspende geben.“ Das Thema werde meist nicht vorher besprochen. So stünden die Eltern dann vor einer äußerst schwierigen Entscheidung in der ohnehin belastenden Situation - einer Situation, die fast immer völlig unerwartet und in der Dimension niemals zu erfassen ist.

Das Symbolbild zeit, wie Mediziner eine Nierentransplantation vornehmen.
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Irreversibler Hirnfunktionsausfall nennen Mediziner die Situation, die früher als „hirntot“ bezeichnet wurde. Vor allem Angehörige der betroffenen Patienten hatten mit dieser Formulierung Probleme, da der Körper durch Apparate noch am Leben erhalten wird, das Herz noch schlägt. Viele Menschen definieren den Tod damit, dass der Körper kalt und reglos ist - also ohne Leben. Deshalb wird heute von einem irreversiblen Hirnfunktionsausfall gesprochen. Was bedeutet, dass der Körper ohne den Einsatz von Gerätemedizin seine Funktion nicht mehr weiterführen kann.
In der Asklepios-Kinderklinik gab es im Jahr 2024 zwei junge Menschen, die mit ihrer Spende helfen konnten
Ist dies der Fall, kann es zu einer Organspende kommen. Die Frage wird nicht einfach so im Voraus gestellt. Erst wenn der irreversible Hirnausfall nicht mehr abzuwenden ist, wird der Kontakt mit den Eltern gesucht. „Es ist keine Einzelentscheidung“, berichtet Wiebe. Wir besprechen die Sache in unserem Team, wenn die Faktenlage klar ist. Das passiert nicht oft. So wurde im vorigen Jahr kein Organ aus der Kinderklinik zur Spende angeboten. In ganz NRW waren es 2025 nur sechs Spender aus dem Bereich Kind und Jugend. In der Asklepios-Kinderklinik gab es im Jahr 2024 zwei junge Menschen, die mit ihrer Spende anderen Patienten helfen konnten.
Christian Brandtner ist als Geschäftsführender Arzt der Region NRW auch der zuständige Arzt für den Rhein-Sieg-Kreis bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Er wird mit seinem Team aktiv, wenn eine Klinik ihm eine Bereitschaft zur Organspende meldet. Die DSO unterstützt dann nach Kräften. Ist ein passender Empfänger gefunden worden, veranlasst sie beispielsweise sofort, dass ein Chirurgenteam kommt, das die Entnahme mit Unterstützung der Ärzte vor Ort ausführt. Die Unikliniken Bonn, Köln und Aachen stellen im wöchentlichen Wechsel die Mediziner dafür. „Die entnommenen Organe wie Leber, Niere oder Bauchspeicheldrüse gehen dann zu Eurotransplant, das einen Empfänger ausgesucht hat“, berichtet er.

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen zum Eingang eines OP-Saales getragen.
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Sonderfälle seien die Transplantationen von Herz oder Lunge. Wegen des engen Zeitfensters entnimmt ein Herzchirurgenteam diese Organe und setzt sie später selber wieder ein. Die Ärzte kommen mit Flugzeug oder Hubschrauber und nehmen das Spenderorgan in einer Kühlbox direkt mit. „Der Empfänger wird schon während des Rücktransportes auf die Operation vorbereitet“, so Brandtner.
Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Vorschriften. „Stellen Ärzte den irreversiblen Hirnfunktionsausfall bei Kindern im Alter bis zu 28 Tagen fest, eine zweite Kontrolluntersuchung nach 72 Stunden Pflicht“, sagt Brandtner. Bis zum Alter von zwei Jahren müsse diese Untersuchung nach 24 Stunden wiederholt werden, um auch sicher zu sein.
Der Körper des Kindes muss funktionsfähig gehalten werden, damit die Organe entnommen werden können
Wiebe berichtet, dass diese Zeit des Wartens sowohl für das Klinikpersonal als auch für die Eltern nicht einfach ist. „Der Körper des Kindes muss funktionsfähig gehalten werden, damit die Organe entnommen werden können“, erklärt sie. Nach dem Eingriff würden die kreislauferhaltenen Maßnahmen beendet. Die endgültige Feststellung des Todes über einen Zeitraum bis zu drei Tagen sei „eine maximale emotionale Belastung“ für alle Beteiligten. „Wir versuchen immer, der gesamten Familie die Möglichkeit zu geben, Abschied zu nehmen.“

Die Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin.
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Nach der Entnahme werden die Eltern und auch das Klinikteam vor Ort von der DSO auf Wunsch psychologisch unterstützt. Hier sieht Wiebe „Verbesserungsbedarf für das Klinikpersonal.“ Nicht jeder könnte im Nachhinein schnell verarbeiten, dass er einen Körper mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall wie einen lebendigen Menschen betreut habe.
Wer Organspender werden möchte, bekommt auf der Seite www.orgtanspende.info weitere Informationen. Brandtner von DOS empfiehlt gerade Eltern das Thema Organspende durch Kinder in aller Ruhe einfach mal zu besprechen. Dann sei alles geklärt, wenn der Zeitpunkt eintrete. Eine Hilfe zur Entscheidung für ihn: „Was wäre, wenn unser Kind krank wird und auf ein Spenderorgan angewiesen ist?“
