Rassismus im KlassenzimmerNeues Projekt soll Lehrenden im Umgang helfen

Konkrete Hilfestellung für den Unterricht sollen Lehrkräfte bei dem Projekt „Systemberatung Extremismusprävention und Demokratieförderung“ bekommen. (Symbolbild)
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Rhein-Sieg-Kreis – Was tun bei Rassismus im Klassenzimmer? Wenn davon die Rede ist, dass Wählen keinen Sinn habe, da die „Welt ohnehin von einigen jüdischen Familien beherrscht wird“? Bei der Suche nach Antworten auf diese und andere Fragen von Lehrkräften, Eltern und Schülern wie Schülerinnen hilft seit November das Projekt „Systex“ des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn.
In der „Systemberatung Extremismusprävention und Demokratieförderung“ arbeiten derzeit zwei Lehrerinnen, die dafür an die schulpsychologischen Dienste des Kreises und der Bundesstadt abgeordnet sind. Das Büro der beiden ist in Tannenbusch.
Hilfestellung für Unterricht
Dass extremistische Strömungen zunehmen, sei „leider eine Tatsache“, sagte Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner bei der Vorstellung. Zuletzt habe der Bericht von Innenminister Horst Seehofer gezeigt, dass sich die Bedrohungslage verschärft habe. Die Pandemie habe mit Verschwörungserzählungen „wie ein Brandbeschleuniger“ dazu beigetragen.
Man könne nicht früh genug anfangen, lobten Dörner und Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster das Projekt, das sich bei Interesse auch an Kinder in Grundschulen wendet. Demokratie müsse man lernen. Erste Erfahrungen haben Katrin Klingmann und Marina von Heesen in Workshops für Lehrkräfte und Referendare bereits gesammelt, denen sie konkrete Hilfestellung für den Unterricht mitgeben wollen.
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„Den Fragen und Interessen der Schüler Raum geben“, ist ein Ratschlag der beiden Fachfrauen; Themen wie Fake News und Vorurteile mutig anzusprechen, ein anderer. „Viele Kolleginnen und Kollegen sind verunsichert, wie sie auf rassistische Beleidigungen reagieren sollen“, berichtete Marina von Heesen. Und sie weiß: „Repression ist nicht der beste Weg.“ Mögliche Anlässe, sich an die Beratungsstelle zu wenden, könnten aber auch radikalische politische oder religiöse Aussagen junger Menschen sein, etwa ein Hakenkreuz-Symbol im Klassen-Chat.
Die Teilnahme am Projekt ist stets freiwillig. „Wer nicht reden will, wird nicht gezwungen“, betonte Johannes Bendszus, der Leiter der Bonner Schulpsychologie. Und was gesprochen wird, unterliegt der Schweigepflicht. An die Lehrkräfte geht die Botschaft von Katrin Klingmann: „Wir wollen ihnen nicht zusätzliche Aufgaben aufbürden“, sondern die tägliche Arbeit erleichtern.




