Die Wasserwacht klärt über Gefahren in Seen und im Rhein auf. Es gibt immer weniger Schwimmkurse. Ein Tag für Prävention und Aufklärung.
„Darf kein Privileg sein“Warum Schwimmen essenziell ist – Zum Welttag gegen Ertrinken in Rhein-Sieg

Simone Wirtz (l.) beim Schwimmtraining mit Schwimmtrainer Nico Garziella.
Copyright: Margret Klose
„Viele Seen können richtig tückisch sein“, erklärt Bernd Schreiber von der Wasserwacht des DRK Rhein-Sieg über offene Badeorte im Kreis. Oberflächig sei Seewasser im Sommer ja richtig warm, doch oft sei es nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche wesentlich kälter. „Wer unbedacht in solche Gewässer springt, der kann durchaus Probleme mit dem Kreislauf bekommen“, warnt Schreiber.
Um Aufklärung für unerfahrene Schwimmende zu leisten oder auch überhaupt dafür zu sorgen, dass Menschen richtig schwimmen lernen können, gibt es unter anderem den Welttag zur Verhütung des Ertrinkens (World Drowning Prevention Day), der seit 2021 am 25. Juli begangen wird. Eingeführt haben ihn die Vereinten Nationen in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Wasserwacht in Rhein-Sieg ist für flächendeckendes Badeverbot im Rhein
Schreibers Kollegen der Wasserwacht und der DLRG reden sich inzwischen schon die Münder fusselig, um vor den Gefahren beim Baden in den Seen und besonders vor dem Baden im Rhein zu warnen. „Jeder Badeunfall ist einer zu viel“, sagt Schreiber.
Er könne nicht nachvollziehen, warum ihre so eindringlichen Appelle so oft einfach nicht gehört und beherzigt würden – wieso sich immer wieder Menschen der Gefahr aussetzten. Richtig wütend machte ihn zuletzt die Aktion eines Schwimmers in Köln, der munter mitten in der Schifffahrtsrinne im Rhein schwamm und nicht gerettet werden wollte. „Ich persönlich wäre für ein flächendeckendes Badeverbot im Rhein“, merkt Schreiber an.

Lebensretter im Einsatz – hier in Bornheim-Walberberg am Berggeistsee im Sommer 2025.
Copyright: Margret Klose
„Der Präventionstag ist eine gute Sache“, findet Schreiber. Er biete Anlass, um auch einmal zu reflektieren, was vielleicht noch besser gemacht werden kann. „Es hilft nämlich nichts, wenn aufgrund von Kosten Schwimmbäder geschlossen werden und in den Schulen der Schwimmunterricht einfach gestrichen wird.“
Schwimmbäder dürfen auf gar keinen Fall den Haushaltsplänen der Städte oder Kommunen zum Opfer fallen.
„Zusätzliche Angebote sind auch abhängig von den Kapazitäten der vorhandenen Bäder und des Personals“, gibt Jan-Erik Vegelahn, Leiter Verbandskommunikation der DLRG Rhein-Sieg, zu bedenken. In Sankt Augustin biete die DLRG-Ortsgruppe zum Beispiel überdurchschnittlich viele Kurse und Schwimmmöglichkeiten während der Schulzeit an. Während der Ferien sei es hingegen schwierig, eine entsprechende Anzahl an Ausbildern zu stellen. Im Freizeitbad Aggua in Troisdorf können Kinder am Welttag kostenlos die Seepferdchen-Prüfung ablegen. Möglich ist das zwischen 10 und 14 Uhr. Als Belohnung gibt es eine Freikarte für das Freibad.
„Schwimmbäder dürfen auf gar keinen Fall den Haushaltsplänen der Städte oder Kommunen zum Opfer fallen“, betont Schwimmtrainerin Simone Wirtz aus Bornheim-Merten. Schwimmbäder müssten sich ihrer Meinung nach auch finanziell nicht rechnen. „Wir als Gesellschaft müssen sie uns einfach leisten – für unsere Kinder“, sagt sie. Sie finde es traurig, dass es einen solchen Tag gegen das Ertrinken geben müsse. Und Wirtz weiß genau, wovon sie spricht.
Viele Schwimmtrainings-Angebote in Bornheim
Selbst Mutter, suchte sie vor elf Jahren vergeblich nach einer Schwimmschule für ihre Tochter Delia. „Damals habe ich hier in Merten zunächst unter dem Dach des Sportvereins erste Schwimmkurse aufgebaut“, erklärt sie. Seitdem ist für sie jeder Tag ein Tag gegen das Ertrinken. Ihre Tochter Delia ist längst selbst Rettungsschwimmerin und eine der 14 Schwimmlehrerinnen und -lehrer sowie Assistenten, die ihrer unter der Leitung im Aquasportverein Bornheim (ehemals die Schwimmabteilung im SSV Merten) den Kindern im Schwimmbad in Bornheim-Merten das Schwimmen beibringt. Trainer Nico Garziella hat für die regelmäßigen Kursteilnehmer sogar ein tägliches Trainingsprogramm für die Ferien ausgearbeitet.
„Im September startet unser Aquasportverein Bornheim erstmals mit weiterführenden Kursen im HallenFreizeitBad in Bornheim, um die Kinder auch nach dem Seepferdchen zu aufbauenden Sportabzeichen zu führen – zu Bronze, Silber und Gold“, kündigt Wirtz an.
„Das Angebot in Bornheim ist klasse“, schwärmt etwa Thomas Maintz (72). Seine drei Enkelkinder haben alle in den Schwimmkursen in Merten schwimmen gelernt – zuletzt die Jüngste die Dank Nico Garziella vor ein paar Tagen ihr Seepferdchen sogar früher als geplant geschafft hat. Maintz ist sehr froh, dass seine Enkel jetzt alle schwimmen können.
Wartezeiten für Schwimmkurse werden immer länger und viele Kurse werden gestrichen
Aus erster Hand weiß er, wie es sich anfühlt, unterzugehen. „Ich war sieben Jahre alt, als ich aus Übermut und Leichtsinn ins Schwimmerbecken sprang, ohne schwimmen zu können“, berichtet er. Bis heute sind ihm die Szenen im Kopf präsent, als er so verzweifelt versuchte sich über Wasser zu halten, es jedoch einfach nicht verhindern konnte, dass sein Kopf immer wieder unter die Wasseroberfläche sank. „Meine Klassenkameraden haben mich dann im letzten Moment aus dem Wasser gezogen“, erinnert er sich.
Immer länger werdende Wartezeiten und ersatzlos gestrichene Schwimmkurse motivierten auch die Rettungsschwimmer in Hennef dazu, 2020 die Schwimmschule Nessy aus der Taufe zu heben. Seitdem ist die Wassersicherheit von Kindern nicht nur Hauptberuf und Lebensinhalt, sondern auch tägliche Mission.
Schwimmschule Nessy will auch finanziell Schwächeren Kurse ermöglichen
Schwimmen lernen sei schließlich kein Hobby wie jedes andere. „Es ist lebensrettende Grundbildung“, erklärt Valentin Kaymer von der Nessy-Geschäftsleitung. Zudem findet er: „Schwimmen darf kein Privileg sein.“ Die Schwimmschule Nessy arbeitet deswegen eng mit dem Kinderschutzbund zusammen, um auch finanziell schwächeren Familien Schwimmkurse zu ermöglichen. Kostenlose bieten sie zudem auch Kurse für Kinder aus Kinderheimen an.
Doch auch die Fähigkeit, bereits schwimmen zu können, bietet mitunter keinen vollständigen Schutz. „Kinder sollten trotz Seepferdchen im Schwimmbad, vor allen Dingen aber an den Seen nicht aus den Augen gelassen werden“, rät Schreiber. Am Rheinufer sei die Lage sogar extrem gefährlich. Dort reiche der Sog eines Frachters aus, um die Kinder – selbst dort, wo ihnen das Wasser nur bis an die Fußknöchel reicht – ins und unter Wasser zu ziehen.
Strömung im Rhein wird oft unterschätzt
„Die Strömung in Füssen wie dem Rhein wird viel zu oft unterschätzt“, betont auch Jan-Erik Vegelahn. Doch auch die falsche Einschätzung der Uferbeschaffenheit führe mitunter zu Badeunfällen. „Man meint, sicher im Wasser stehen zu können, und in einem unachtsamen Moment tritt man überrascht ins Leere“, beschreibt der DLRG-Rettungsschwimmer die Lage.

Schwimmen im Rhein ist und bleibt gefährlich - das Foto der beiden Erwachsenen, die sich hier im Rhein in Wesseling abkühlen, entstand im August 2025.
Copyright: Margret Klose
Fatal sei die Selbstüberschätzung der eigenen Schwimmfähigkeiten oft in Verbindung mit Gruppenzwang. „Gerade junge Menschen – vor allen Dingen aber männliche Erwachsene unterschiedlichen Alters – begeben sich hier in Gefahr“, weiß Vegelahn. Erst vor wenigen Tagen gab die DLRG NRW auch bekannt, dass allein bei der Hitzewelle im Juni 2026 in Nordrhein-Westfalen 22 Menschen bei Badeunfällen in den Seen und Flüssen des Landes ertrunken sind – mehr als in jedem anderen Juni seit vielen Jahren.
Die nächste Hitzewelle steht unmittelbar bevor. Schon in den nächsten Tagen soll der Sommer zurückkehren. „An den heißen Tagen gibt es bei uns fast täglich Alarm“, sagt Schreiber. „Passen Sie auf sich auf.“ Ertrinken sei leise:. „In der Regel gehen die Menschen einfach unter und sind dann weg.“

