Der Sozialdemokrat möchte die französischen Staatsbürger im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn besser vernetzen.
In zwei Ländern politisch aktivMarc Knülle aus Sankt Augustin in den französischen Konsularrat gewählt

Marc Knülle aus Sankt Augustin ist jetzt im französischen Konsularrat.
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Marc Knülle kennen viele Menschen aus der Kommunalpolitik in Sankt Augustin. Auch als internationaler Hockey-Schiedsrichter hat er sich einen Namen gemacht. Die wenigsten wissen aber, dass der Sozialdemokrat zwei Staatsbürgerschaften hat: die deutsche und die französische. Als Hockeyschiedsrichter ist er deswegen in beiden Nationalverbänden aktiv. So pfiff er bereits ein Spiel der Championnat de France Élite Hockey sur Gazon in Paris und wurde kurz darauf für die Hockeybundesliga in Berlin eingesetzt.
Jetzt hat Knülle eine neue politische Aufgabe übernommen. Der 53-Jährige Sozialdemokrat, der auch Mitglieder der Parti Socialiste in Frankreich ist, wurde bei den Wahlen der Vertreterinnen und Vertreter der Französinnen und Franzosen im Ausland in den Konsularrat gewählt. Für ihn ist es das erste öffentliche Amt innerhalb der französischen Institutionen.
Marc Knülle aus Sankt Augustin kandidierte bei „Citoyennes, Citoyens Engagés, Écologistes et Solidaires“
Die Liste „Citoyennes, Citoyens Engagés, Écologistes et Solidaires“ erreichte in der zweiten deutschen Wahlregion, die die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen umfasst, mit 30,1 Prozent der abgegebenen Stimmen den ersten Platz. Durch das Wahlergebnis erhält die Liste zwei Sitze im Konsularrat sowie ein Mandat als Konsulardelegierte. Gewählt wurden die bisherige Konsularrätin Saliha Ouammar, Marc Knülle als neues Mitglied des Gremiums sowie Julie Cazier als Konsulardelegierte.

Marc Knülle (2.v.l.) leitete als Schiedsrichter 2024 das U-21-Hockey-Länderspiel der EM in Portugal.
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Knülle vertritt damit für die Amtszeit von sechs Jahren einen Teil der 75.000 Menschen in Deutschland, die entweder die doppelte oder ausschließlich die französische Nationalität besitzen. Und er plant einiges, um diese Bürger untereinander besser zu vernetzen.
Zu Knülles offiziellen Aufgaben gehört die Förderung des französischen Sprachunterrichts. Da sieht er Verbesserungsbedarf. So gebe es die Möglichkeit, diese in Kursen außerhalb der Schulzeit zu vertiefen. Ein neues Gesetz sehe vor, dass der deutsche Staat ein solches Angebot auf Wunsch organisieren müsse. „Menschen aus anderen Ländern nutzen das schon, um ihre Sprache weiter zu pflegen“, berichtet er.
„Es gibt hier Kinder, die haben zwar die französische Staatsangehörigkeit, sprechen die Sprache jedoch nicht. Oft fehlt nicht nur der Kontakt zu französischsprachigen Spielkameraden, sondern generell der Zugang zur französischen Sprache, etwa durch fehlende französische Schulen, regelmäßige Sprachangebote oder französischsprachige soziale Kontakte.“
Im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn leben 4000 Französinnen und Franzosen
Schritt für Schritt plant er, eine Kommune nach der anderen im Rhein-Sieg-Kreis und der Region ins Netzwerk zu integrieren. 4000 Französinnen und Franzosen leben dort, rund 300 sind es in Sankt Augustin, Troisdorf und Hennef.. Eine kleine französische Gemeinschaft könnte so entstehen. Und es sei nicht auszuschließen, dass vielleicht das ein oder andere Fest ausgerichtet werde. „Das ist allerdings noch nicht aktuell.“
Ihm gehe es erst einmal darum, die Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. „Ziel ist es, hier vor Ort und perspektivisch auch in anderen Regionen Begegnungsräume für die französische Gemeinschaft zu schaffen. Dadurch können Familien leichter miteinander in Kontakt kommen, sich austauschen und gemeinsame Aktivitäten entwickeln. Die Kinder finden französischsprachige Kontakte, und auch die Erwachsenen können ihre Sprache und Kultur im Alltag pflegen“, erklärt Knülle. So kommen die Kinder an Spielkameraden, mit denen sie französisch sprechen können, „converser en francais“ – ebenso wie ihre Eltern.
Knülles Mutter kommt aus Saint-Jal, eine französische Gemeinde mit rund 600 Einwohnern im Département Corrèze in der Region Nouvelle-Aquitaine. Dort fährt er regelmäßig zu Besuchen hin. „Im vorigen Jahr haben wir uns zu einer großen Familienfeier getroffen“, berichtet er. Sein Vater ist in Warstein im Sauerland aufgewachsen. „Ich liebe die französische und deutsche Kultur“, betont Knülle. In seinem neuen Amt möchte er sie noch stärker verbinden. „Man bereichert sich dadurch gegenseitig.“
Auch die Unterstützung sozialer, kultureller und ökologischer Initiativen sowie für Hilfeleistungen für Menschen in schwierigen Lebenssituationen gehören zu seinen neuen Aufgaben. Mit dem Abschluss des Wahlkampfs beginne die eigentliche Arbeit: „Wir stehen im Dienst aller Französinnen und Franzosen unserer Wahlregion und werden uns mit voller Kraft für ihre Anliegen einsetzen.“
