Mehrere Kabel wurden auf einer Länge bis zu 30 Metern entfernt. Der Schaden geht in die Millionen.
Schaden in MillionenhöheKabeldiebe legen Stadtbahnlinie 66 in Rhein-Sieg bin Ende Juni lahm

Durchgeschnitten und geklaut: Auf der Strecke der Linie 66 zwischen Sankt Augustin und Siegburg gibt es große Beschädigungen durch Kabeldiebstahl.
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Sie kommen nicht heimlich im Schutze der Dunkelheit. Die dreisten Kabeldiebe sind sogar nachmittags aktiv. Diese Kriminellen haben in den letzten Wochen große Schäden an den Gleisanlagen die Linie 66 zwischen Siegburg und Sankt Augustin angerichtet. Jetzt kann die Stadtbahn nicht, wie geplant, ab Freitag, 12. Juni, wieder auf diesem Teilstück fahren. „Wir müssen dort bis Ende Juni weiter Busse einsetzen“, so Stefanie Zießnitz, Sprecherin der Stadtwerke Bonn (SWB).
Seit Mitte April fährt die Stadtbahn nicht mehr zwischen Bonn und Siegburg, wegen Gleisarbeiten der Deutsche Bahn im Bereich Vilich. Die Trasse liegt brach. Hintergrund ist die Generalsanierung der rechtsrheinischen Bahntrasse zwischen Troisdorf und Wiesbaden sowie der Ausbau der S13. 2020 war eine Behelfsbrücke errichtet worden, um die Stadtbahnen der Linie 66 an der Baustelle vorbeizuführen. Nun wird das Provisorium zurückgebaut und die Bahnen werden auf ihre ursprüngliche Trasse zurückgeführt. Deswegen musste die Linie 66 während dieser Zeit durch Busse - Bahnersatzverkehr genannt - ersetzt werden.
In einigen Abschnitten der Linie 66 sind Kabel auf einer Länge von 20 oder 30 Metern gestohlen worden
Auf der zurzeit unbefahren Strecke sind in einigen Abschnitten mehrere Stammkabel auf einer Länge von 20 oder auch 30 Metern entfernt und beschädigt worden. Darüber hinaus war das Stellwerk in Mülldorf von Sachbeschädigung betroffen, das die Stromversorgung für den Bahnbetrieb und die technischen Anlagen sicherstellt. „Mit Unterstützung von Bonn-Netz und Westnetz konnte dieser Schaden bereits behoben werden“, berichtet Friedrich-Jörn Zauner, Betriebsleiter bei den SWB.

An der Haltestelle Mülldorf befindet sich ein hochmodernes Stellwerk der Stadtwerke Bonn. Die von dem grauen Gebäude ausgehenden Kabel wurden auf der Strecke durchtrennt.
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Entlang der Gleise befinden sich zahlreiche mehradrige Kabel, die zur Steuerung notwendig sind. Die Strecke führt zum Teil durch Abschnitte, an denen dichte Büsche wachsen. Der natürliche Sichtschutz wurde von den Dieben tagsüber als Deckung genutzt. „Wir haben das Grün deutlich zurückschneiden lassen“, berichtet Daniel Stecher, SWB-Bereichsleiter.
Ein Wachdienst achtet jetzt rund um die Uhr auf die Schienen. Potentielle Diebe wurden schon erkannt.
Zusätzlich steht ein Wachdienst rund um die Uhr bereit. Durch die freie Sicht, können die Männer schnell Menschen erkennen, die sich an die Gleise heranschleichen. „Es wurden schon potentielle Täter gesichtet“, so Stecher. Die konnten jedoch fliehen, als sie von den Wachleuten entdeckt und von Weitem angesprochen wurden. Seitdem ist Ruhe auf dem Abschnitt. Trotzdem muss der Wachdienst weiter patrouillieren und auch die Abschnittsposten sind besetzt.

Der Bereich neben den Gleisen wurde freigeschnitten. Jetzt haben die Wachleute freie Sicht auf die Schienen.
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Auch ein sogenanntes Bauwatch-System ist installiert worden, um weitere Sachbeschädigungen zu verhindern. Zudem wird der Einsatz von Drohnen geprüft, um den Streckenabschnitt, in dem der Bahnverkehr noch nicht fortgeführt werden kann, vor weiteren kriminellen Aktivitäten zu sichern, so Zißnitz.
„Ich bin jetzt seit 20 Jahren bei den Stadtwerken, so etwas habe ich noch nie erlebt“, ist Zauner entsetzt über die kriminellen Aktivitäten an den Schienen. Der Schaden, den die Täter angerichtet haben, geht inzwischen in die Millionen. Nicht nur das Material muss ersetzt werden. Auch der Wachdienst, auch die beauftragten Handwerksbestriebe müssen bezahlt werden.
Nach der Reparatur muss jedes einzelne Kabel im Strang auf seine Funktionsfähigkeit geprüft werden
Dass sich Metalldiebe für Kupferkabel interessieren, ist nichts Neues. Inzwischen werden nur noch Kabel aus Aluminium verwendet, das nicht so einen hohen Verkaufswert beim Schrotthändler hat. Das führt aber dazu, dass die Diebe mehradrige Kabel durchschneiden, um ihren Inhalt zu prüfen. Die Folge: Der Stromkreis ist unterbrochen, der Schaden muss repariert werden. „Wir können nicht einfach die dicken Kabel flicken“, so Zauner. Wenn sie wieder verbunden sind, muss jede einzelne Ader im Strang auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden. „Das kostet deutlich mehr Zeit, als die eigentliche Reparatur.“

SWB-Betriebsleiter Friedrich-Jörn Zauner demonstriert, wie viel Stränge durch ein mehradriges Kabel laufen.
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Eigentlich sollten die Kabel komplett ersetzt werden. Das ist zurzeit aber wegen Lieferengpässen nicht möglich. „Wir müssen inzwischen bis zu neun Monate auf die Spezialkabel warten“, so Zauner. Wegen der Massierung der Schäden müssen die SWB jetzt auf externe Firmen zurückgreifen, die sie unterstützen.
Die Polizei appeliert an alle Bürgerinnen und Bürger: Melden Sie verdächtige Wahrnehmungen – insbesondere Personen oder Fahrzeuge, die sich zu ungewöhnlichen Zeiten oder auf verdächtige Weise im Bereich der Gleisanlagen und Versorgungseinrichtungen aufhalten – umgehend über den Notruf 110. Auch Beobachtungen, die im ersten Moment unbedeutend erscheinen, können für die Ermittler ein entscheidendes Puzzleteil sein.

