Die Kundenzufriedenheit nimmt nach Angaben von Evelyn Palla zu, die Pünktlichkeit bleibt wegen vieler Baustellen das größte Problem.
Bahnchefin sieht AufwärtstrendSaubere Züge, neue Kaffeemaschinen – aber weiter unpünktlich

Eine „Unterwegsreinigerin“ nimmt den Abfall von Passagieren in einem ICE mit. Rund 400 ICE sind täglich bundesweit auf den Schienen unterwegs. Rechnerisch befördert die Bahn im Fernverkehr mehr als 370.000 Reisende täglich. Damit dabei die Züge sauber bleiben, hat die Bahn ein Sofortprogramm für mehr Komfort im Fernverkehr aufgelegt.
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Nach einem Verlust von zwei Milliarden Euro im vergangenen Jahr will die Deutsche Bahn das Jahr 2026 mit einer schwarzen Null abschließen. „Wir bewegen uns Schritt für Schritt auf dieses Ziel zu“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla in Berlin. „Es zahlt sich aus, dass wir die Bahn wieder konsequent auf Leistung und Effizienz ausrichten.“
Trotz der „weiterhin nicht zufriedenstellenden Pünktlichkeit“ habe sich die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr verbessert. „Erstmals seit langem haben wir den Indexwert von 70 Prozent überschritten. Und wir sehen einen klaren Aufwärtstrend.“
Wir tun das alles, damit sich unsere Fahrgäste willkommen und wohl fühlen
Die Sofortprogramme zeigten Wirkung. Der Frühjahrsputz an 1400 Bahnhöfen sei fast abgeschlossen, sagte Palla. Bei der „größten Reinigungsaktion“ in der Geschichte der Deutschen Bahn habe man bisher eine Bodenfläche von 200 Fußballfelder „gründlich gereinigt“ und Graffiti auf 17.000 Quadratmetern entfernt. Die Zahl der Sicherheitskräfte an den Bahnhöfen und in den Zügen sei um 500 auf rund 5000 erhöht worden. „Wir tun das alles, damit sich unsere Fahrgäste willkommen und wohl fühlen.“
Hunderte „Unterwegsreiniger“ im Einsatz
In den Fernverkehrszügen seien täglich 200 sogenannte Unterwegsreiniger im Einsatz. Das sind Mitarbeitende, die sich bemühen, die Züge während der Fahrt sauber zu halten. „Das sind mehr als doppelt so viele wie bisher. Und sie reinigen im Schnitt in jeder Woche etwa 52.000 Toiletten.“ Weil störanfällige Bauteile in den WC-Anlagen seit diesem Jahr vorsorglich ausgetauscht werden, bevor sie ausfallen, habe sich die Zahl der Störungen um ein Viertel verringert. Wenn unterwegs trotzdem etwas kaputtgeht, stünden mobile Instandhaltungsteam bereit, die an den großen Bahnhöfen direkt eingreifen können.
Wie einfach es sein kann, die Zufriedenheitsquote zu erhöhen, zeigt sich auch in den Speisewagen. „In jedem vierten Zug kommt der Kaffee tatsächlich aus einer neuen Maschine“, sagte die Bahnchefin. Das sei auch ein Grund, warum die Bordgastronomie Spitzenwerte erziele. Für mehr Komfort in den Fernverkehrszügen habe man zusätzlich 20 Millionen Euro in diesem Jahr eingeplant.
Mitte Juni wird die Bahn das dritte Sofortprogramm starten. Mit Unterstützung von KI sollen die Reisenden-Informationen vor allem schneller und zuverlässiger werden. „Wir wollen keine großen Ankündigungen oder Heilsversprechen machen“, so Palla. „Nüchterne Analyse sind gefragt. Und vor allem konkrete Maßnahmen und klare Ergebnisse. Schritt für Schritt.“
Dazu zählt die Bahnchefin die einjährige Preisgarantie für alle Tickets im Fernverkehr, das Last-Minute-Ticket für 6,99 Euro und eine Urlaubs-Flatrate für Familien, die während der Sommerferien für 99,99 Euro mit zwei Erwachsenen und drei Kindern einschließlich Reservierung hin und zurück an ihren Ferienort reisen können. „Damit leisten wir unseren Beitrag für die Mobilität in Deutschland auch in herausfordernden Zeiten“, so Palla.
10.000 Baustellen laufen, insgesamt werden es in diesem Jahr 28.000 sein
Die Kernaufgabe noch für mehrere Jahre aber sei, in Deutschland wieder ein leistungsfähiges Schienennetz aufzubauen. Es ist „die Mutter aller Dinge bei der Eisenbahn“, sagte die Bahnchefin. „Wir werden in diesem Jahr mehr als 23 Milliarden Euro in das Schienennetz investieren. 10.000 der insgesamt 28.000 Baustellen in diesem Jahren laufen bereits. Das ist anstrengend für unsere Mitarbeitenden, das ist anstrengend für unsere Kundinnen und Kunden. Aber wenn wir überhaupt weiterfahren wollen auf diesem Netz, müssen wir jetzt massiv investieren. Den einen großen Befreiungsschlag wird es nicht geben.“
Das Programm der Generalsanierungen bis in Jahr 2036 steht, derzeit läuft noch bis Juni das Bauprojekt auf der Strecke Köln-Wuppertal-Hagen, ab Juli folgt die rechtsrheinische Strecke Troisdorf-Wiesbaden. Das Rheinland ist dann wieder in den Jahren 2028 mit Köln-Mainz und 2029 mit Köln-Aachen an der Reihe.
Am Grundprinzip der Bauarbeiten unter Vollsperrung werde nicht gerüttelt, so die Bahnchefin. Bei der Detailplanung werde man aber die Erfahrungen aus abgeschlossenen Projekten einbeziehen. Beim Projekt Hagen-Köln hat die Bahn aus technischen Gründen auf eine durchgehende Vollsperrung verzichtet und die Modernisierung der S-Bahntrasse im Großraum Wuppertal herausgenommen. Sie folgt im nächsten Jahr.
Bahnchefin warnt vor ungesteuertem Wettbewerb
In der Diskussion um mehr Wettbewerb auf der Schiene stärkt die Bahnchefin dem Vorstand der DB InfraGo den Rücken. Die Politik sei aufgerufen, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Sonst droht ein ungesteuerter Wettbewerb, dessen Folgen sich am Ende womöglich für die Mehrheit negativ auswirken“, sagte Palla.
Hintergrund ist die Ankündigung des italienischen Unternehmens Italo, ab 2028 in Deutschland Fernverkehrsfahrten anbieten zu wollen. Das Unternehmen will dafür umfangreich in Züge investieren - aber auch eine gewisse Sicherheit haben, dass es lukrative Trassen bedienen darf. Diese Trassen, also Streckenabschnitte zu einer bestimmten Zeit, vergibt die Bahn-Tochter InfraGo unter Aufsicht der Bundesnetzagentur.
Italo will zunächst die Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund im Stundentakt und München-Berlin-Hamburg alle zwei Stunden fahren. Das Unternehmen hätte gerne langfristige Verträge, solche sogenannten Rahmenverträge gibt es in Deutschland aber seit 2017 nicht mehr. Trassen werden derzeit bei der jährlichen Fahrplanerstellung immer neu vergeben.
Darüber hinaus wollen die Italiener eine Gewährleistung, dass ein festgelegter Mindestanteil an Kapazitäten für neue Marktteilnehmer reserviert wird. Mit beiden Anliegen hat sich Italo an die Bundesnetzagentur gewandt, eine Entscheidung steht noch aus.