Der Verein „Sankt Augustin and friends hilft“ hat ein neues Projekt aufgelegt
Ehrenamtliche UnterstützungTarnnetze made in Sankt Augustin für die Ukraine

Der Verein „Sankt Augustin and friends hilft“ fertigt Tarnnetze für den Fronteinsatz in der Ukraine
Copyright: Andreas Helfer
Wenn eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages die Ukraine wieder frei von Besatzern, der russische Angriff erfolgreich abgewehrt sein sollte, dann werden sich das auch ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer aus der Region auf die Fahnen schreiben können: In Gewerberäumen nahmen Mitglieder des Vereins Sankt Augustin and friends hilft ein neues Projekt in Angriff, legten Fischernetze über große Holzgestelle und flochten oliv- und sandfarbene Bänder zwischen die Maschen.
Tarnnetze, so wussten die Aktiven, sind an der Front begehrt, bieten Soldaten Schutz in Stellungen und verhüllen kriegswichtige Ausrüstung. „Für Panzer oder Haubitzen sind sie allerdings zu klein“, schränkt der Vorsitzende Gunther Maassen ein. Das Standardmaß der Netze ist viermal sechs Meter, geknüpft werden sie mit Bedacht: „Ein zu regelmäßiges Muster könnte auffallen“, erläutert Maassen und zeigt auf eine Fertigungsskizze an der Wand.
Enger Kontakt zu Kräften vor Ort
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten: Für waldreiche Gebiete eignen sich Tarnnetze besser, in denen Grüntöne überwiegen, für eine sandige Umgebung eher Beigetöne. Maassen steht in engem Kontakt mit Kräften vor Ort, um abzustimmen, was konkret gebraucht wird.
Er ergriff gleich zu Beginn des Krieges die Initiative und organisierte den Transport von Hilfsmitteln. Anfangs sei er noch skeptisch gewesen, was den Erfolg angehe, erinnert er sich: „In den ersten Wochen dachte ich, ich fahre ein bis zweimal dahin, dann drücken die Russen die Ukrainer n die Wand.“ Die aber hätten auf beeindruckende Art und Weise Widerstand geleistet.

Der Verein „Sankt Augustin and friends hilft“ fertigt Tarnnetze für den Fronteinsatz in der Ukraine, rechts: Vereinsvorsitzender Gunther Maassen
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Krankenhausbetten, Busse, Rettungswagen, Kleidung, Hygieneartikel und vieles mehr haben die Unterstützer und Unterstützerinnen auf den Weg an die Front gebracht. Ein Kulturbus ermöglichte kleine Konzert und andere Veranstaltungen, auch Geschenkboxen gingen schon von Sankt Augustin in die Ukraine. „Wir haben zwei Feuerwehren ausgerüstet“, berichtet Maassen. In Charkiw wird eine Notküche betrieben, in der Freiwillige Mahlzeiten zubereiten. Maassen ist es wichtig, nachzuhalten, was aus den Hilfsgütern geworden ist, etwa ob Fahrzeuge nach wie vor im Einsatz sind. Wenn ein gestifteter PKW allerdings bei russischen Angriffen immer wieder getroffen und einfach nicht mehr zu reparieren sei, könne man halt nichts machen.
Lebensmittel per Drohne
Lebensmittel werden per Drohne zu von der Versorgung abgeschnittenen Truppenteilen gebracht. Bewährt hat sich der Kosakenbrei: eine Mischung aus Fleisch, Gemüse und Hartweizen, Gerste oder Hafer, die zum Transport in Tüten eingeschweißt wird und zur Not auch kalt gegessen werden kann.
„Wir machen keinen Kriegstourismus“, betont Massen. Aber: Wer mitfahre, bekomme auch einen Job. Gute Nerven schadeten bei den Fahrten nicht: „Wenn einen eine Drohne anfliegt, dann atmet man schon zwei-, dreimal durch.“ Bewährt habe es sich, die Fahrzeuge anschließend vor Ort zu lassen und mit dem Zug zurückzufahren. 250 Mitglieder habe der Verein, derzeit seien 20 aktiv. „Es gibt einem einfach ein gutes Gefühl, etwas tun zu können“, sagt eine der Helferinnen. Auch Maassen ist ein persönlicher Aspekt wichtig: „Ich habe viele Freunde in der Ukraine gewonnen.“
Neben der Hilfe für die Ukraine ist auch die Unterstützung von Menschen im Rhein-Sieg-Kreis Vereinsziel. So ist ein ausrangierter Rettungswagen im Einsatz, um Grundschul- und Kitakinder mit medizinischer Hilfe vertraut zu machen.
