Die Besitzerin des Hofs in Niederpleis musste sich den Weg zu ihren Tieren durch umgefallene Bäume bahnen. Auch der Friedhof war betroffen.
Stahlteile sollen durch die Luft geflogen seinSturm verwüstete Ponyhof in Sankt Augustin

Aufräumarbeiten am Sonntag: Der Sturm hat im Ponyhaufen Niederpleis gewütet Andrea Kannegießer zeigt auf ein zerstörtes Dach, Stefanie Pinnen (r.) bringt das Heu ins Trockene.
Copyright: Stefan Villinger
„Ich habe nur noch gedacht, dass ich so schnell wie möglich zu meinen Ponys muss. Ich hatte große Sorgen. Sie waren alleine auf der Weide.“ Andrea Kannegießer ist am Sonntagmorgen noch immer völlig aufgewühlt. Der heftige Sturm, der am Freitagabend wütete, hat große Teile ihres Ponyhofes in Niederpleis zerstört. Der Wind suchte sich seinen Weg unter das Dach der Unterstände und hob sie hoch in die Luft. Kannegießer fand Teile davon im Pool auf dem Nebengrundstück.
„Eine Nachbarin hatte mich am Freitag alarmiert, weil rund um den Ponyhof zahlreiche mächtige Bäume wie Streichhölzer abgeknickt waren“, berichtet Kannegießer. Mit dem Auto sei sie sofort losgefahren. Doch es sei auf dem üblichen Weg kein Durchkommen gewesen. Quer über der Straße lagen überall umgestürzte Bäume. „Ich bin auf dem Feld um sie herum gefahren.“ Am Ponyhof angekommen war ihr erster Weg zu den acht Tieren.
Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.
Sie entdeckte die Ponys auf der Weide. Zum Glück waren sie unversehrt, hatten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Doch die Schäden auf der Anlage waren immens. Umgestürzte Bäume hatten Zäune beschädigt, zwei Unterstände waren komplett abgedeckt. Überall lagen Holzteile herum. Sogar Stahlteile seien durch die Luft geflogen. „Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.“

Der Sturm wirbelte die Dächer der Unterstände des Ponyhofes in den Pool des Nachbargrundstückes.
Copyright: Andrea Kannegießer
Stefanie und Michael Pinnen sind die Nachbarn der Tierfreundin. Noch am Freitag machten auch sie sich auf den Weg zum Ponyhof. „Uns war klar, dass schnelle Hilfe nötig war“, so Stefanie Pinnen. Gemeinsam räumten sie auf dem Gelände zusammen, was möglich war. „Um uns nicht zu verletzen, mussten wir dabei auf die zum Teil scharfen Stahlteile aufpassen“, so Stefanie Pinnen. Am Samstag und Sonntag waren sie auch auf dem Ponyhof. Hilfe ist an vielen Stellen notwendig.
Unterstützer helfen bei den Aufräumarbeiten auf dem Ponyhof
Michael Pinnen hat seine Motorsäge mitgebracht. Am Samstag hat er ungestürzte Bäume zerkleinert, um den Ponyhof frei zu machen. Am Sonntag hat er sich die Auslauffläche vorgenommen. Am Rande des Paddock ist das Holz gestapelt, dass er mit seinem Auto in einem Hänger abfährt. Nachdem die gröbsten Arbeiten erledigt sind, kann er sich jetzt um Schäden in der zweiten Reihe kümmern. Die Sonne brennt heiß vom Himmel. Ein schweißtreibende Arbeit bei der Hitze nach dem Sturm.

Michael Pinnen bearbeitet einen umgefallen Baum mit einer Kettensäge.
Copyright: Stefan Villinger
Dazu gehört auch ein umgefallener kleiner Baum am Rande, den er mit seiner Kettensäge bearbeitet. Er schätzt, dass der Schaden auf dem Ponyhof deutlich über 10.000 Euro liegt. Kannegießer hat schon Kontakt mit ihrer Versicherung aufgenommen. „Es ist aber nicht sicher, ob bezahlt wird.“ Durch eine Spendenkampagne bei „Gofundme“ hofft sie auf Unterstützung. Bei Redaktionsschluss waren schon fast 5000 Euro eingezahlt.
Viele Freunde des Ponyhofes, der als „Ponyhaufen Niederpleis“ bekannt ist, sind gekommen, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Zwei Pferdefreundinnen fahren mit der Schubkarre Stroh und Heu ins Trockene, andere helfen beim Striegeln der Ponys. Überall ist etwas zu tun. „Bis hier wieder alles in Ordnung ist, kann es Wochen dauern“, so Kannegießer. Auch eine Kutsche, die für Ausfahrten genutzt wird, sei beschädigt worden.
Ich habe sofort gemerkt, dass dies nicht ein normales Wetterereignis ist.
Ortsvorsteher René Puffe saß am Freitagabend im Wohnzimmer als der Sturm kurz nach 19 Uhr über Niederpleis brauste. „Ich habe sofort gemerkt, dass dies nicht ein normales Wetterereignis ist“, so das Mitglied des Stadtrates. Gegen 21 Uhr sei er dann auf die Straße gegangen, um nach den Schäden zu schauen. „Es war ein Bild der Verwüstung“, so Puffe. Bäume hätten herumgelegen. Nachbarn haben Stämme und Äste zersägt, um die Fahrbahn wieder frei zu machen.

Auf dem Friedhof in Niederpleis wütete der Sturm ebenfalls.
Copyright: René Puffe
„Die Langstraße war am schlimmsten betroffen“, so Puffe. Eine alte und mächtige Eiche dort hätte dem Sturm nicht standhalten können und sei krachend umgestürzt. Der Unternehmer von Tiefbau Müller hätte mit einem Fahrzeug bei den Aufräumarbeiten geholfen. „Die Feuerwehr hat mir ausdrücklich bestätigt, dass diese Unterstützung gerade an diesem Tag sehr wertvoll war und Zeit gespart hat“, so Puffe.
Auch der Friedhof an der Kirche St. Martinus ist betroffen. Einige Bäume liegen in einer Reihe nebeneinander umgeknickt, andere sind auf die Gräber gefallen. „Da ist noch Einigs zu tun“, so Puffe, der auch dort die Schäden besichtigt hat. Der Ortsvorsteher freut sich aber, „dass die Menschen in der Sturmnacht so gut zusammengehalten haben. Jeder hat jedem völlig unkompliziert geholfen.“ Das zeige, dass unsere Gesellschaft in Notsituationen schnell zusammenrücken und gemeinsam Probleme lösen könne.
