Vorbild „Alfredissimo“Doktorand der FH Rhein-Sieg punktet mit eigener Kochshow

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Dem Studio merkt man seine kleine Fläche nicht an. Argang Ghadiri (Mitte) und sein Team machen das Beste daraus.

Dem Studio merkt man seine kleine Fläche nicht an. Argang Ghadiri (Mitte) und sein Team machen das Beste daraus.

  • Seit zwei Jahren kocht Doktorand Argang Ghadiri in seiner eigenen Internet-Kochshow.
  • Das Konzept: Renommierte Wissenschaftler werden eingeladen, mit ihnen plaudert der 33-Jährige über ihre Gebiete.
  • Wie es dazu kam und was Ghadiri noch so plant, lesen Sie in diesem Artikel.

Sankt Augustin – Argang Ghadiri kann erklären, was das norddeutsche Traditionsgericht Labskaus mit komplexen chemischen Prozessen und eine Asia-Hähnchensuppe mit den Regeln für erfolgreiches Business-Networking gemeinsam haben. Seit zwei Jahren bittet der 33-jährige Doktorand an der Fachhochschule Rhein-Sieg in seiner Internet-Kochshow „Wissen schmeckt“ renommierte Wissenschaftler an den Herd und plaudert mit ihnen dabei über ihre Spezialgebiete.

Entstanden sei das Projekt aus gemeinsamen Kochabenden mit Kommilitonen, bei denen auch über die jeweiligen Forschungsprojekte gesprochen worden sei, erzählt Ghadiri: „Ich wollte die Präsentation von wissenschaftlichen Inhalten so gestalten, dass auch andere dazu einen Zugang finden. Und dieser Zugang ist eben das Lifestyle-Thema Kochen, das mein größtes Hobby ist.“

Pate gestanden hatte die Kochshow „Alfredissimo“ mit Alfred Biolek, die Ghadiri schon als Kind mit seiner Mutter gesehen hatte. Freunde vermittelten den Kontakt zu der Kölner Fernsehproduktion Av22medien, die inzwischen die etwa viertelstündigen Sendungen Ghadiris aufzeichnet. Produziert wird in Ghadiris Haus in Dormagen, wo er auf 30 Quadratmetern ein TV-Kochstudio eingerichtet hat: „Die Küche habe ich gebraucht im Internet gekauft und an einem Wochenende mit meinem Vater und meinem Onkel aufgebaut.“ Die Platzverhältnisse sind eng, die Strom- und Wasseranschlüsse abenteuerlich: „Wir wollen keine Gerichte auf Sterne-Niveau, wir wollen Lust aufs Kochen machen. Da kann man schon mit einfacher Ausstattung viel bewirken.“

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Der erste größere Erfolg stellte sich ein, als der renommierte Wissenschaftsverlag Springer auf das Format aufmerksam wurde, bei dem Ghadiri ansonsten seine Forschungsergebnisse publiziert. Dort erschien nicht nur das Buch zur Sendung, auch viele wissenschaftliche Bestseller-Autoren des Verlages stehen jetzt mit Ghadiri vor der Kamera: „Ursprünglich hatten wir für die zweite Staffel nur zehn Folgen geplant, aber dann viel mehr Zusagen erhalten.“ Schließlich wurden innerhalb weniger Tage 18 neue Ausgaben von „Wissen schmeckt“ aufgezeichnet. Regelmäßig werden bis zum Jahresende neue Folgen ins Internet gestellt. Eine dritte Staffel ist bereits vereinbart.

Authentisch und neugierig

Obwohl Ghadiri nie ein Kameratraining absolviert hat, wirkt er am Kochtopf ehrlich neugierig, begeistert und authentisch. Auch deshalb fühlen sich die meist wenig kameraerfahrenen Studiogäste bei ihm wohl. Sie erhalten kein Honorar und reisen auf eigene Kosten aus ganz Deutschland an.

Die Inhalte der Sendungen fänden sich praktisch von selbst, sagt der Gastgeber: „Man kann zu nahezu jedem wissenschaftlichen Thema einen kulinarischen Bezug herstellen. Das funktioniert selbst, wenn die Gäste eigentlich gar nicht kochen können.“

Feste Rubriken lockern die Sendung auf. Eine davon kommt vom Hamburger Star-Sommelier Hendrik Thoma, der pro Sendung eine Weinempfehlung als fertig produziertes Video schickt: „Thoma war Weinexperte bei der Vox-Sendung ,Kochduell’. Ihn hat mein Konzept begeistert.“ Geld verdienen Ghadiri und die anderen Mitwirkenden mit der Sendung nicht: „Als Wirtschaftswissenschaftler weiß ich natürlich, wie das Geschäftliche laufen könnte. Aber die Sendung soll uns weiter Spaß machen und Hobby bleiben.“

Inzwischen werden die „Wissen schmeckt“-Sendungen von anderen Internetplattformen übernommen, Aufmerksamkeit und die Reichweite steigen. Auch den Ritterschlag des WDR-Wissenschaftsjournalisten Jean Pütz hat Argang Ghadiri inzwischen erhalten: „Er sagte mir, wir kämpfen beide darum, dass Wissenschaft in die Gesellschaft kommt. Du machst das mit zeitgemäßen Formaten.“

Die bisherigen Ausgaben der Sendung sind im Internet zu finden, das Buch heißt „Wissen schmeckt: Die Magie der Wissenschaften beim Kochen erklärt – mit 16 Rezepten“ und ist im Springer-Verlag erschienen.

www.wissenschmeckt.de

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