Zwei Heiligenfiguren einer historischen Kreuzigungsgruppe sollen wieder an der Kirche St. Antonius aufgestellt werden.
RestaurierungJohannes, Maria und ein leeres Kreuz in Siegburg-Seligenthal

Die Steinfiguren von Johannes und Maria der Seligenthaler Kreuzigungsgruppe wurden restauriert, von links: Dietmar Krauthäuser, Michael Streuff und Andrea Korte-Böger
Copyright: Andreas Helfer
Noch liegen der Apostel Johannes und die Gottesmutter in der Horizontalen, gelagert an der Orgel in der Kirche St. Antonius in Seligenthal. Doch wenn es nach Andrea Korte-Böger geht, der Hauspatronin der Kirche und Vorsitzenden der Freunde und Förderer des Michaelsbergs, soll sich das so schnell wie möglich ändern: Die beiden Figuren gehören zu einer historischen Kreuzigungsgruppe, die über viele Jahrzehnte ihren Platz an der kleinen Mauer hatte. Diese führt von der Seligenthaler Straße zum Portal der Klosterkirche.
Die Figuren wurden jetzt aufwendig restauriert, Risse und Abplatzungen in der freien Restaurierungswerkstatt Kartäuserhof in Köln repariert. Restaurator Dietmar Krauthäuser und Steinmetzmeister Michael Streuff lieferten das Paar an, nachdem sie es im September 2024 behutsam demontiert und abtransportiert hatten.
Das Gesicht von Johannes ist schön geworden.
„Das Gesicht von Johannes ist schön geworden“, sagte Korte-Böger erfreut, als sie die etwas überlebensgroße Steinfigur das erste Mal wiedersah. „Das sieht nach einer neuen Nasenspitze aus.“ Offensichtlich wurde großer Wert auf die richtige Mischung und den Farbton des Mörtelmaterials gelegt. „Jetzt hat es wieder eine schöne Tuffsteinfarbe“, stellte Streuff fest.

Auch Maria wurde einst aus Tuffstein gehauen und jetzt aufwändig restauriert.
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Vor zwei Jahren stand bereits fest, dass das Zentrum der Gruppe, der gekreuzigte Christus, so schnell nicht ersetzt werden kann. Die erhaltenen Überreste lagern in einem Nebenraum der Kirche: der Torso mit dem Kopf sowie die Unterschenkel mit den Füßen. Das Gesicht ist abgeplatzt, die Figur weist Frostschäden und Restaurierungen aus der Vergangenheit auf, die mehr Schaden als Nutzen anrichteten.
Sponsor für Christusfigur gesucht
Korte-Böger erläuterte, dass Maria und Johannes neben einem leeren Kreuz wieder aufgestellt werden und eine Texttafel den Hintergrund erläutern wird. Die Details einer soliden Stützkonstruktion für das Kreuz wurden vor Ort mit dem Lohmarer Metallbauer Willi Trompetter besprochen. Korte Böger hofft zudem, dass sich für eine Christusfigur noch ein Sponsor finden wird – bei Kosten, die sicherlich in fünfstelliger Höhe liegen würden.

In der Kirche St. Antonius werden die beiden Figruen zwischengelagert.
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Trotz intensiver Recherche bleibt die Geschichte der Gruppe für Korte-Böger, die viele Jahre auch Stadtarchivarin in Siegburg war, im Unklaren. Erst 1905 fand sie einen ersten Hinweis auf die Figuren in einem Plan, 1909 wurden sie als „verwitterte Barockgruppe“ beschrieben. Das wiederum sei für ein Minoritenkloster ungewöhnlich.
Das Franziskanerkloster in Seligenthal wurde 1231 gegründet, das spätere Minoritenkloster während der Säkularisation 1803 aufgelöst. Möglicherweise könnte die Kreuzigungsgruppe ursprünglich ganz woanders gestanden haben, von einem privaten Eigentümer schließlich gestiftet worden sein. Die mittelalterliche Formensprache könne ein Hinweis auf die Neugotik sein. Der weiche Tuffstein, so stellte Korte-Böger bereits vor zwei Jahren fest, sei jedenfalls für eine langfristige Außenaufstellung nicht gut geeignet.

Die Jesusfigur ist für eine Restaurierung zu stark beschädigt, so die Hauspatin der Kirche Andrea Korte-Böger.
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Eher positiv überraschte der Sockel, auf dem die Gruppe stand und der restauriert werden muss, bevor die beiden Figuren wieder an ihren Platz kommen. Er wurde irgendwann mit Ziegelsteinen eingefasst und verputzt, wobei ebenfalls der Zahn der Zeit am Material nagte. Darunter aber fanden sich massive Bruchsteine, sodass die historische Konstruktion künftig nach einer Sanierung wieder genutzt werden kann.
Schädliches Acrylharz und Frostschäden
Gelitten hätten die Figuren vor allem durch eine Restaurierung in den 1960er Jahren, als Acrylharz zum Einsatz kam, das bei Temperaturschwankungen zu Rissen im Gestein führte. 2013 wurde die Gruppe verhüllt.
Die Restaurierung wird durch Mittel aus einer Stiftung für die Klosteranlage Seligenthal in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ermöglicht. Zur Finanzierung trug ein Festival bei, das dreimal ausverkauft war und bei dem bis zu sieben Konzerte im Frühsommer stattfanden. Sponsor war der Wahnbachtalsperrenverband. Für eine Wiederherstellung der Kreuzigungsgruppe kamen viele Spenden zusammen.

