Für die Zubereitung original neapolitanischer Pizza gelten strengste Regeln – Sinan Batur aus Siegburg beherrscht sie perfekt.
Gastro-TippDeutscher Meister der Neapolitanischen Pizza eröffnet Restaurant in Siegburg

In Siegburg eröffnet Sinan Batur das Restaurant „Casa Di Lucia“ mit Ehefrau Alruna Batur.
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100 Prozent italienische Tomaten in der Soße und ein Teig, der je nach Jahreszeit und Wetterlage anders zubereitet wird: Die Herstellung original neapolitanischer Pizza gleicht eher einer Wissenschaft als einem gewöhnlichen Kochrezept. Weil die Regeln so detailliert und komplex sind, gibt es sogar eine Weltmeisterschaft der Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) in Napoli. Als deutscher Meister wird hier im September der Siegburger Sinan Batur (42) antreten. Seine Pizza wird es ab dem 18. Juni auch in Siegburg geben: In der Kaiserstraße eröffnet der offiziell beste Bäcker neapolitanischer Pizza in Deutschland das Restaurant „Casa di Lucia“.
Sinan und Alruna Batur lernten sich in Cádiz kennen
Sinan Batur ist Kurde und in der Türkei aufgewachsen, im Alter von 15 Jahren zog er mit seiner Familie wegen der politischen Umstände ins Andalusische Cádiz. Dort arbeitete er schon in jungem Alter in verschiedenen Gastronomien, die seine Familie eröffnet hatte und leitete schon bald eigene Restaurants mit spanischer Küche. Seine heutige Ehefrau Alruna Batur lernte er kennen, als diese für ihr Erasmus-Semester nach Cádiz kam. Das Paar spricht untereinander spanisch. Auch Teile unseres Gespächs fanden auf spanisch statt, die entsprechenden Zitate sind übersetzt.
„Schon 2015 haben wir versucht, gemeinsam nach Deutschland zu ziehen, aber wegen der damaligen Flüchtlingskrise war es für ihn schwierig, Arbeit zu finden“, erzählt Alruna Batur. Für einige Jahre lebten die beiden dann gemeinsam in Madrid, 2021 zogen sie in die Schweiz, da sich dort für Alruna Batur berufliche Chancen ergaben.

Der Teig muss nach einer speziellen Art gedreht werden: Die Bewegung macht Tochter Lucia (2) bereits nach.
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Für die gemeinsamen Umzüge habe Sinan Batur seine Gastronomien immer geschlossen und neue aufgemacht. „Wir haben versucht, die Restaurants über die Distanz weiterzuführen, aber darunter hat leider die Qualität gelitten“, berichtet Alruna Batur. Sinan Batur sei es wichtig, selbst zu kochen. „Dann bin ich schwanger geworden, und wir haben uns entschieden, zurück nach Siegburg zu kommen.“ Die 36-Jährige ist in Windeck aufgewachsen, ihre Eltern und Schwestern leben alle im Rhein-Sieg-Kreis. „Hier wollen wir nun bleiben, jetzt, wo wir eine Tochter haben“, sagt Sinan Batur.
Es ist nicht nur ein Handwerk, sondern eine Kunst.
Nach ihrer Tochter Lucia ist auch das neue Restaurant benannt. Es ist sein erster Gastronomiebetrieb für Pizza, womit Sinan Batur sich einen großen Traum erfüllt. „Ich habe schon viele Restaurants geführt, aber nichts hat mich jemals so interessiert wie die neapolitanische Pizza“, erzählt Batur. „Es ist nicht nur ein Handwerk, sondern eine Kunst.“ Seine künstlerische Seite habe er schon als Jugendlicher entdeckt, als er lernte, Flamenco-Gitarre zu spielen. Seine Kreativität, seinen Ehrgeiz und sein Talent für Präzision könne er bei diesem Hobby gleichermaßen ausleben wie beim Pizzabacken, erzählt Batur.
Zuerst habe er sich etliche Youtube-Videos zur Zubereitung der Pizza angeschaut, sich dann einen speziellen Ofen angeschafft und sich immer weiter ausprobiert, erzählt Sinan Batur: „Jedes Mal wurde sie etwas besser.“ „Auf Familienfeiern musste er damals schon immer seinen Ofen mitschleppen und für alle Pizza machen“, erzählt Aruna Batur.

Im 450 Grad heißen Ofen ist die Pizza innerhalb weniger Minuten gar.
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Vor ihrem Umzug nach Siegburg zog die Familie für zwei Monate nach Napoli, wo Sinan Batur bei der AVPN seine Ausbildung zum neapolitanischen Pizzabäcker abschloss. Von den Zutaten bis zu den Namensherkünften der verschiedenen Pizzen werde hier alles sehr detailreich gelehrt, erzählt Sinan Batur. „Es ist die einzige international anerkannte Ausbildung für neapolitanische Pizza“, so der 42-Jährige. Der Teig muss 24 Stunden fermentieren, und auch für das Kneten des Teiges gibt es genauste Vorgaben. Sinan Batur rollt den Teig auf eine spezielle Art aus und dreht ihn über der Hand; eine Bewegung, die ihre zweijährige Tochter mittlerweile schon nachmache, erzählt Alruna Batur lachend. Im 450 Grad heißen Ofen ist die Pizza dann in wenigen Minuten gar.
Sinan Batur plant, in seinem Restaurant Pizza-Kurse anzubieten
„Die Ausbildung war sehr viel Arbeit – aber sie bei der AVPN abschließen zu dürfen, ist eine Ehre“, so Sinan Batur. Er habe schon in der Ausbildung das Feedback bekommen, dass seine Pizza wie die in Napoli schmecke, die als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt ist. „Die Jury dort sagt nie, dass eine Pizza gut wäre, wenn sie nicht wirklich gut ist“, erzählt Sinan Batur. Er selbst plant, in der „Casa de Lucia“ in Zukunft Kurse zum Pizzabacken anzubieten, da ihn die Ausbildung auch dazu befähigt.
Seine persönliche Lieblingspizza? „Margerita ist die beste Erfindung, die es gibt“, sagt Sinan Batur. Er hat aber auch eigene Pizza kreiert und ebenso wie sein Restaurant nach seiner Tochter benannt. Diese sei seine persönliche Lieblingspizza: Eine „Pizza Bianca“, also ohne Tomatensoße, sondern mit Ricottacreme bestrichen, auf die er mit derselben Creme gefüllte Zucchini-Blüten und Fior de Latte legt. Das Paar freut sich auf die baldige Eröffnung: „Wir hoffen, dass unsere Kunden in Siegburg merken, dass das hier nicht einfach nur eine neue Pizzeria ist, sondern sie hier eine ganz besondere Qualität bekommen“, sagt Alruna Batur.
