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16 neue Stelen am MichaelsbergNaherholung und ein Blick auf die Geschichte in Siegburg

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Das Johannistürmchen auf dem Michaelsberg in Siegburg.

Das Johannistürmchen auf dem Michaelsberg in Siegburg.

Kleinod, aber oho: Siegburg ist stolz auf seinen Michaelsberg. Ein Rundweg mit 16 neuen Stelen bietet ganz viel Hintergrund-Informationen.

Klostergarten, Johannistürmchen, Rosengarten: Von ihrer räumlichen Ausdehnung ist Siegburg zwar die kleinste der 19 Städte und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis, aber mitten in ihrem Stadtgebiet hat sie einen ganz besonderen Trumpf. Das weiß, schon von Amts wegen, keiner besser als der Bürgermeister. „Der Michaelsberg“, sagt Stefan Rosemann, sei nicht nur das „Wahrzeichen. Er ist auch ein ganz wichtiger Naherholungs- und Begegnungsort.“

Um dieses Alleinstellungsmerkmal noch besser zu würdigen und um Besucherinnen und Besuchern die wechselvolle Geschichte als Standort von Kloster, Heilanstalt und Zuchthaus nahezubringen, hat die Stadt jetzt 16 Stelen neu aufgestellt. Sie bilden einen zwei Kilometer langen Rundweg um den 55 Meter über der Stadt aufragenden Basaltkegel.

Das Siegwerk spendiert die Stelen anlässlich seines 200. Geburtstages

Die Informationstafeln, auf denen Gäste ebenso wie Einheimische ihre Kenntnisse Weiß auf Schwarz überprüfen und vertiefen können, sehen keineswegs billig aus, und sie waren es mit 30.000 Euro auch nicht. Gespendet hat das Geld ein prominenter Nachbar: Das Siegwerk gab anlässlich seines 200-jährigen Bestehens im Jahre 2004 dafür 30.000 Euro aus.

Bürgermeister Stefan Rosemann (l.) und Siegwerk-Eigentümer Alfred Keller bei der Enthüllung einer der 16 vom Siegwerk gestifteten Stelen rund um den Michaelsberg.

Bürgermeister Stefan Rosemann (l.) und Siegwerk-Eigentümer Alfred Keller bei der Enthüllung einer der 16 vom Siegwerk gestifteten Stelen rund um den Michaelsberg.

Die 16 einheitlich gestylten Stelen bringen laut Rosemann „Geschichte, Gegenwart und die Aufenthaltsqualität zusammen“. Sie sorgen zudem dafür, dass „auch weniger bekannte Orte und Bezeichnungen wie die Bastionswiese oder der Felsengarten erklärt werden“. Auch Persönlichkeiten wie der Komponist Engelbert Humperdinck (1854-1921) oder Maximilian Jacobi (1775-1858), einer der Begründer der modernen Psychiatrie, finden Erwähnung. Oder der große Spielplatz, die Hundewiese, der Rundweg und das wirtschaftliche und soziale Wirken des Siegwerks und seiner Eigentümerfamilie.

QR-Codes verbinden die reale Siegburger Welt mit der digitalen

Der Clou: Auf jeder Stele finden sich nicht nur Texte und Fotos, sondern auch jeweils ein QR-Code, der die reale Welt mit der digitalen, in diesem Fall dem Internet-Informationsangebot der Stadt, verbindet. Das Projekt ist mit seinem Informationsangebot nicht nur für Touristen interessant, sondern auch für Neubürger, die nicht schon von Kindesbeinen an die Stadtgeschichte kennengelernt haben, sondern die erst später gekommen sind und, von Schiene und Straße aus betrachtet, zwischen Frankfurt, Bonn, Köln und Düsseldorf ihre neue Heimat gefunden haben.

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Apropos Heimat: Auch der Spender, Ehrenbürger Alfred Keller, legte bei der offiziellen Präsentation der neuen Stelen ein Herzensbekenntnis ab: „Siegburg ist eine schöne Stadt. Hier wohnen wir gerne.“ Die Stelen-Idee habe ihm ebenso gefallen wie das Skript, das vorab zu lesen er Gelegenheit gehabt habe. Er hoffe allerdings, dass die neuen Tafeln nicht schon bald so aussehen würden wie der extrem durch Graffiti verschmierte Schaltkasten direkt neben dem Ort der Präsentation, der Stele an der Abzweigung vom Rundweg zum Siegwerk. Er hoffe auf „Respekt“.

Richtung Siegwerk begleitet ein überwucherter Schienenstrang den Rundweg. Es handelt sich um Überbleibsel der stillgelegten Aggertalbahn. Die Trasse soll zukünftig Fahrräder anstelle von Lokomotiven aufnehmen.

Richtung Siegwerk begleitet ein überwucherter Schienenstrang den Rundweg. Es handelt sich um Überbleibsel der stillgelegten Aggertalbahn. Die Trasse soll zukünftig Fahrräder anstelle von Lokomotiven aufnehmen.

Stadtverwaltung und Politik haben gesagt: Das ist super. Wenn das Erzbistum etwas tut, dann sollten wir vielleicht auch etwas tun.
Stephan Marks, Technischer Beigeordneter

Auf diese öffentlich eher im Nebensatz vorgetragene Stadtbild-Kritik reagierte Verwaltungschef Rosemann unmittelbar: Die Stadt kümmere sich „sehr intensiv“ um Vandalismus-Schäden. Auch sein Kollege, der Technische Beigeordneter Stephan Marks, zog seinen Hut vor den „Kollegen in Orange“, die ständig rund um den Michaelsberg im Einsatz seien.  Sodann skizzierte er in Gegenwart von Siegwerk-Inhaber Keller, Tochter Maria Keller, Siegwerk-CEO Dr. Nicolas Wiedmann und der Presse kurz die neue Erfolgsgeschichte von Berg und Klostergebäude.

Alte Postkarte mit Motiv des Michaelsbergs, wo die alte seilbahn sichtbar ist.

Wie beinahe überall, wo man am Michaelsberg arbeitet, trat bei der Instandsetzung Historisches zutage. Die Kolonne stieß auf das Fundament der Seilbahn, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die damals im Abteigebäude untergebrachten Gefängnisinsassen versorgte. Sowohl die Seilbahnpfosten als auch der Trakt mit Zellen, den man an das Kloster angebaut hatte, sind längst verschwunden.

Die begann, als das Erzbistum Köln beschloss, anlässlich des Auszugs des Benediktinerordens noch einmal in die Vollen zu gehen. 40 Millionen Euro nahm die Kirche in die Hand, investierte, modernisierte und erweiterte und brachte das Katholisch-Soziale Institut (KSI) auf den Berg. Der Elan war ansteckend. Marks: „Stadtverwaltung und Politik haben gesagt: Das ist super. Wenn das Erzbistum etwas tut, dann sollten wir vielleicht auch etwas tun.“ Bis dahin habe der Berg „ein bisschen schwierig ausgesehen“. Mittlerweile habe die von Bund und Land geförderte Gestaltung die Kommune „ein bisschen über sieben Millionen Euro gekostet. Das ist gut investiertes Geld.“

Bürgermeister Rosemann räumte abschließend ein, dass nicht alles habe wiederhergestellt werden können. „Dafür war zu viel Geschichte.“ Weinbau beispielsweise gibt es heute nicht mehr. Aber so, wie der Berg jetzt sei, erfülle er seinen Zweck: „Er ist Naherholung mitten in der Stadt und er ist ein Blick auf die eigene Geschichte.“

Eintauchen in die Geschichte: Am Michaelsberg informieren die Stelen über Historisches und Wissenswertes.

Eintauchen in die Geschichte: Am Michaelsberg informieren die Stelen über Historisches und Wissenswertes.

Der Weg mit den 16 Stelen führt einmal um (und auf) den Michaelsberg. Der Einstieg ist überall möglich. Interessierten mit Herz-Kreislauf-Problemen sei die Nutzung eines E-Bikes oder E-Tretrollers empfohlen.