In der Thüringer Kaiserstube bewahrt Familie Richter aus Chemnitz ihre Heimat. Wie aus einem Grillfahrrad ein Familienrestaurant wurde.
GastrotippThüringer Kaiserstube in Troisdorf – Ein Stück Heimat auf dem Teller

Aline und Thomas Richter betreiben die Thüringer Kaiserstube in Troisdorf. „Man kommt als Gast rein und geht als Freund raus“, sagt Aline Richter.
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Es ist 17 Uhr, Donnerstagabend. Vor der Thüringer Kaiserstube in Troisdorf bleiben Menschen stehen, winken und rufen, dass sie gleich vorbeikommen. Drinnen läuft der Service bereits auf Hochtouren. Teller klappern, aus der Küche zieht der Geruch von Bratwurst durch den Gastraum. Ein Stammgast betritt das Lokal. „Wieder der Männerteller wie letzte Woche?“, fragt Inhaberin Aline Richter. Der Mann nickt. Viel mehr muss nicht gesagt werden.
In der Thüringer Kaiserstube kennt man sich. „Man kommt als Gast rein und geht als Freund raus“, sagt Richter. Die 40-Jährige, geboren in Chemnitz, führt das Restaurant heute. Ihr Vater, Thomas Richter, steht in der Küche. Der gelernte Metzgermeister hat die Thüringer Kaiserstube aufgebaut. „Wir sind ein Familienbetrieb“, sagte er. Das zeigt sich auch bei dem Blick in die Speisekarte. Es gibt „Kerstins Rotkohl“, benannt nach Alines Mutter. „Oma Christas Sauerkraut“ erinnert an ihre Großmutter. Das Sauerkraut wird nach ihrem Rezept täglich frisch mit ausgelassenem Speck zubereitet.
Troisdorf: Soljanka, Klöße und Oma Christas Sauerkraut
Der „Burgschamane“, ein Schweinenackensteak, gefüllt mit Curry-Frischkäse sowie Ingwer, Aprikose, Mango und Pflaume, komme auch bei den Gästen gut an, sagt Aline Richter. Es sind Gerichte, mit denen die 40-Jährige aufgewachsen ist. „Ich weiß noch genau, wie meine Oma mit ihrer Schürze in der Küche stand und Kartoffeln gepellt hat.“ Heute ist sie selbst diejenige, die jeden Morgen zehn Kilogramm Kartoffeln schält. Von Oktober bis Ostern werden daraus selbst gemachte Klöße. Die Kartoffeln stammen vom Bauernhof Fritzen aus Troisdorf-Eschmar, der Kloßteig kommt aus Thüringen.

Ein Bestseller, das Thüringer Allerlei: kleine Thüringer Bratwurst, vier Bratwurst-Pralinen, Rostbrätel (marinierte Schweinenackensteaks, Gewürzmischung von Thomas Richter) mit Schmorzwiebeln, dazu Kartoffelstampf und Sauerkraut nach Oma Christas Rezept.
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Ebenfalls auf der Sommerkarte stehen aktuell Spareribs und ein Sommersalat mit Wassermelone. Ganzjährig beliebt sind das Thüringer Allerlei und die Soljanka, eine Suppe mit Letscho (Paprikagemüse), sauren Gurken, Wurststreifen und Kapern. „Bei uns gibt es einfache Küche und volle Teller. Ohne viel Schnickschnack“, sagt Thomas Richter. Ausgeschenkt wird dazu Altenburger Bier.
Dass die Bratwurst eines Tages zum Mittelpunkt der Familie werden sollte, begann mit einer Begegnung in Hennef. Dort probierte Thomas Richter bei einem Gastwirt eine Thüringer Rostbratwurst. „Ich habe mich sofort mit dem Hersteller aus Thüringen in Verbindung gesetzt.“
Mit dem Grillfahrrad vor Supermärkten in Troisdorf
Aus der Idee entstand zunächst ein „Grillfahrrad“: Vor Supermärkten verkaufte Thomas Richter seine Bratwürste. Es sprach sich herum, wo der Mann mit der Wurstkappe stand. „Es hat sich schnell eine Gemeinde aus Ostdeutschen gebildet.“ Später folgte der erste Versuch mit einem Lokal in Troisdorf, damals noch in der Weinstube Broel. „Es gab Pfeffi-Partys und gemeinsame Ausflüge“, erzählt Aline Richter. Seit 2011 gibt es die Thüringer Bratwurst am Wilhelm-Hamacher-Platz. Die Gewürzmischung für seine Rostbrätel, marinierte Schweinenackensteaks, mache er selbst, sagt Thomas Richter.
Bei uns gibt es einfache Küche und volle Teller. Ohne viel Schnickschnack.
50 Gäste finden im Innenraum Platz, draußen weitere 30. Holzbalken verleihen dem Gastraum eine rustikale Atmosphäre. Ein selbst gemaltes Bild der Cousine zeigt den Erfurter Dom, ein Motiv aus einem Ort in Chemnitz, wo Aline aufgewachsen ist, schmückt eine andere Wand. Zwischen persönlichen Familienfotos hängen die Meisterbriefe Thomas Richters. Ein DDR-Autokennzeichen erinnert an die Vergangenheit.

Thomas Richter, gelernter Metzgermeister, stand zuerst mit seinen Bratwürsten vor Supermärkten, dann eröffnete er ein Lokal, dass seine Tochter Aline Richter 2011 übernommen hat.
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Thomas Richter tüftelt immer wieder an neuen Rezeptideen. Die Bratwurst-Pralinen auf der Karte stammen von ihm. Dafür wird das Brät aus dem Naturdarm genommen, zu kleinen Kugeln geformt, paniert und frittiert. Auf die klassische Thüringer Rostbratwurst legt Richter besonderen Wert. „Sie wird in Thüringen hergestellt.“ Direkt nach der Produktion wird die ungebrühte, 150 Gramm schwere Wurst schockgefrostet und nach Troisdorf geliefert.
Das Geschäft laufe gut, sagt Richter. „Der Umsatz steigt sogar. Unsere Gerichte schmecken wie Heimat.“ Selbst der Labrador von Aline Richter trägt einen passenden Namen: Bratwurst. Auch er schaut regelmäßig im Lokal vorbei. In der Thüringer Kaiserstube füllen sich Gastraum und Terrasse schnell. Wieder ein Gast, wieder ein bekanntes Gesicht. Man merkt schnell, dass es hier nicht nur ums Essen geht, sondern um die Frage, was Heimat bedeutet, wenn man sie vor langer Zeit verlassen hat. Bei Aline und Thomas Richter liegt die Antwort auf dem Teller.
Thüringer Kaiserstube, Wilhelm-Hamacher-Platz 9, 53840 Troisdorf; Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 17 bis 22 Uhr, samstags zusätzlich 11.30 bis 14.30 Uhr; Reservierung unter 02241/2419678 oder online über die Webseite des Restaurants.