Die Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden wird bis zum 12. Dezember saniert. Wir haben den Schienenersatzverkehr bis Königswinter getestet.
Sperrung bis DezemberSo läuft der Schienenersatzverkehr zwischen Troisdorf und Königswinter

Bahnhof Königswinter: Die SEV-Busse leuchten in violett.
Copyright: Lilian von Storch
Die nächste große Generalsanierung der Deutschen Bahn hat begonnen: Seit Freitagabend, 10. Juli, ist die rechtsrheinische Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden voll gesperrt. Gleise, Weichen, Oberleitungen, Signaltechnik, Tunnel, Brücken und mehrere Bahnhöfe werden modernisiert. Im Abschnitt zwischen Troisdorf und Königswinter fahren für volle fünf Monate bis zum 12. Dezember weder die RE 8 noch die RB 27, dafür ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Ich habe die Strecke getestet und mich am Montagmorgen, 13. Juli, gegen 8 Uhr von Troisdorf auf den Weg nach Königswinter begeben.
Der Ersatzverkehr sei am Freitagabend ruhig und stabil angelaufen, teilt eine Bahnsprecherin am Montagmorgen mit. „Auch der erste Berufsverkehr läuft aktuell nach Plan.“ Die Ersatzbusverbindungen würden gut angenommen, und die Umstiege zwschen Bus und Bahn funktionierten gut, so die Sprecherin. Insgesamt seien 13 Buslinien im Schienenersatzverkehr eingesetzt. Auch die S19 ist wegen der Sanierungsarbeiten zwischen Blankenberg (Sieg) und Au (Sieg) von Teilausfällen betroffen.
Theoretisch fährt der Bus in 38 Minuten von Troisdorf nach Königswinter
Der Bahnsteig am Troisdorfer Bahnhof ist am Montagmorgen – wie zu erwarten – leergefegt. Dafür tummeln sich schon viele Fahrgäste am Bussteig für den Schienenersatzverkehr: Eine Schulklasse ist für einen Ausflug nach Königswinter unterwegs, ansonsten steht eine Handvoll Pendlerinnen und Pendler am Ersatzbussteig. Ich warte auf den Bus RE8, der bis nach Königswinter eigentlich 38 Minuten fahren soll, mit Halt in Bonn-Ramersdorf und Oberdollendorf.
Auch Nelson Q. wartet auf den Bus RE8, er hatte am frühen Morgen einen Termin in Troisdorf und fährt nun nach Bonn zurück. Ebenso wie alle weiteren Passagiere, die in diesem Artikel zu Wort kommen, möchte er seinen vollständigen Namen nicht nennen. „Zwischen Troisdorf und Bonn gibt es viele Alternativen zum Schienenersatzverkehr - Straßenbahn und Busse. Die, die bis nach Koblenz müssen, haben es sicher schwer.“ In Bonn-Ramersdorf sei es wegen fehlender Beschilderungen schwierig gewesen, den richtigen Abfahrtsort für den Bus nach Troisdorf zu finden, erzählt der 29-Jährige.
Mit Schienenersatzverkehr ist es immer dasselbe: man wird leider nicht richtig informiert
In Troisdorf ist glücklicherweise alles gut ausgeschildert: In leuchtendem Violett sind Streifen auf den Boden geklebt, die den Weg vom Bahnsteig zu den ebenfalls violetten Ersatzbusssteigen zeigen. Ein 28-jähriger Troisdorfer, der in Bonn-Beuel arbeitet, wartet hier auf den Bus RB27. Noch zeigt er sich zuversichtlich, dass in den kommenden Monaten alles gut funktionieren werde: „Ich sollte sogar ungefähr gleich lang zur Arbeit brauchen wie sonst auch, also in etwa eine Stunde.“

Am Bahnhof Troisdorf ist der Weg zum Schienenersatz ausgeschildert.
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Eine 23-jährige Troisdorferin, die nach Bonn-Dottendorf pendelt, ist dagegen weniger optimistisch. „Mit Schienenersatzverkehr ist es immer dasselbe: Man wird leider nicht richtig informiert. Manchmal steht da, der Bus würde kommen, und dann kommt er nicht. Einmal hatte ich es auch, dass der Bus ganz woanders hingefahren ist, als es angezeigt war, das war dann natürlich auch ein Problem.“
Sie nimmt den Bus RE8 und steigt in Bonn-Ramersdorf um. Normalerweise braucht sie zur Arbeit eine Dreiviertelstunde, jetzt mehr als eine Stunde. Dass es heute wahrscheinlich doppelt solange dauern wird, weiß sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Heftiger Stau wegen Unfall vor Bonn-Ramersdorf
Der Bus RE8 kommt um 8.21 Uhr mit nur wenigen Minuten Verspätung, aber das hält nicht lange an. Auf der A59 in Höhe von Bonn-Kündighofen beginnt der Stau. Auslöser war ein Unfall gegen 8.20 Uhr auf der Konrad-Adenauer-Brücke, ebenfalls durch Stau ausgelöst, wie später ein Sprecher des Kölner Polizeipräsidiums mitteilt. Ein Lkw habe am Stauende nicht rechtzeitig abbremsen können und zwei Pkw touchiert, die Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden.
Die Verspätung steigt auf 20 Minuten, dann werden es 30, 40, 50. „Wir werden nie in Königswinter ankommen“, ist aus der Schulklasse zu hören. Bonn-Ramersdorf erreicht der Bus schließlich mit einer Verspätung von anderthalb Stunden. Die Schulklasse entscheidet sich, dort in die Straßenbahn umzusteigen, statt bis nach Königswinter mit dem Bus zu fahren.
Jetzt sieht es wohl so aus, dass ich bis Dezember zuhause arbeite.
Einige der Passagiere im Bus vermuten, dass es in den kommenden Monaten auch durch die Sperrung der Bonner Nordbrücke immer wieder Staus auf der Strecke geben wird. „Normalerweise fahre ich echt gerne Bahn, weil ich das entspannter finde als Autofahren“, sagt eine 38-jährige Kölnerin, die nach Bonn-Ramersdorf pendelt. Sie fahre normalerweise zweimal pro Woche ins Büro, „aber jetzt sieht es wohl so aus, dass ich bis Dezember zu Hause arbeite. Drei Stunden Fahrt am Tag sind einfach zu viel“.
Sophie K. hat an diesem Montag anderthalb Stunden in Bonn-Ramersdorf auf den Bus RE8 gewartet. Sie hat hier ihre Großeltern besucht und fährt nun zurück nach Neuwied, wo sie lebt. „Ehrlich gesagt ist es mit dem RE8 oder der RB27 auch nicht besser, die fallen auch ständig aus oder kommen zu spät“, sagt die 20-Jährige. „Jedes Jahr ist irgendwas Neues, ich hab das Gefühl, die werden nie fertig mit den ganzen Baustellen.“
Busse entfallen ohne Ankündigung
Auch Stefanie T. aus Oberkassel ist in Ramersdorf zugestiegen, mit ihrer fünfjährigen Tochter ist sie auf dem Weg nach Unkel. „Wir haben es zum Glück nicht eilig, aber für Pendler muss es schlimm sein. Und auch für die Busfahrer, die kriegen den Frust ja dann ab“, vermutet die 33-Jährige. Immerhin seien die Busse klimatisiert. Eigentlich wollten sie und ihre Tochter den Bus RE8X mit kürzerer Fahrzeit nehmen, der sei jedoch ohne Ankündigung entfallen. „Da stand sogar jemand mit lila Weste am Bahnsteig, der war zuständig für den Schienenersatzverkehr – sehr nett, aber der konnte uns leider dann auch nur das sagen, was in der App steht.“

Normalerweise fahren hier der RE8 und RB27: Gleis 6 am Troisdorfer Bahnhof ist ausgestorben.
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Kurz vor Königswinter verfährt sich die Busfahrerin, auf der neuen Strecke kenne sie sich noch nicht besonders gut aus, entschuldigt sie sich. Mehrere Passagiere eilen zu Hilfe und eruieren gemeinsam mit der Fahrerin, wie wir nun am besten den Königswinterer Bahnhof erreichen. Leider sind mehrere Straßen im Ort zu eng für den Bus. Da ich die Einzige bin, die in Königswinter aussteigen möchte, überlegen wir kurz, ob ich das Stück bis zum Bahnhof einfach laufe und der Bus weiterfährt.
Da aber in Königswinter ja eventuell noch Leute zusteigen wollen, nehmen wir die Tour zum Bahnhof doch auf uns. Nach ein paar spannenden Momenten in engen Straßen und der Absprache mit einem entgegenkommenden Busfahrer kommen wir gegen 10.30 Uhr endlich an unser Ziel. Die anderen Fahrgäste und die Busfahrerin verabschieden mich herzlich – für etwas mehr als zwei Stunden waren wir eine kleine Leidensgemeinschaft.
In Königswinter ist der Schienenersatzverkehr weniger gut ausgeschildert als in Troisdorf. Glücklicherweise kommt aber direkt um 10.41 der RE8-Bus Richtung Troisdorf. Die Rückfahrt verläuft unspektakulär, nur die Anzeigetafeln im Bus funktionieren nicht. Um 11.21 Uhr, mit einer kleinen Verspätung von etwa fünf Minuten, kommt der Bus in Troisdorf an. Auch eine fünfköpfige Familie aus Kanada ist mitgefahren, die gerade auf Europareise ist. Ihr Ziel ist Aachen, in Troisdorf steigen sie um. „Hier in Troisdorf sind viele Schilder, die zeigen, wo der Bus fährt – aber in Bad Honnef war gar nichts ausgeschildert. Nicht mal ein Hinweis, dass keine Bahn fährt“, sagt der Familienvater. „Das war für uns natürlich schwierig – ich glaube, selbst wenn man Deutsch spricht und sich auskennt, hat man Probleme, den Weg zu finden.“
