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Baujahr 1958Troisdorfer erweckte alten Traktor in liebevoller Handarbeit zu neuem Leben

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Bernd Lescrinier aus Troisdorf-Friedrich-Wihelms-Hütte hat in jahrelanger Arbeit einen Traktor aus dem Jahr 1958 restauriert

Bernd Lescrinier aus Troisdorf-Friedrich-Wihelms-Hütte hat in jahrelanger Arbeit einen Traktor aus dem Jahr 1958 restauriert

Rund 1000 Arbeitsstunden dürfte er investiert haben, erzählt Bernd Lescrinier. Das Wissen eignete er sich kontinuierlich an. 

„Porsche sind teuer“, weiß Bernd Lescrinier. „Und Ersatzteile kaum zu kriegen.“ Die Rede ist aber nicht von den Sportwagen aus Süddeutschland, sondern von Traktoren. Und zum Glück hatte Lescrinier nicht nur eine Marke im Sinn, als er vor 15 Jahren anfing, nach einem alten Trecker zu suchen: Ein Fahrzeug der Firma Eicher hat der Troisdorfer 2012 gekauft und von Grund auf restauriert.

Einen Ausgleich zum Beruf – bis zum Eintritt in den Ruhestand 2017 war er 16 Jahre bei der RSVG beschäftigt, zuletzt als deren Geschäftsführer –suchte er damals. „Ich war schon immer jeck auf Traktoren“, erzählt der heute 71-Jährige. Beim Werkeln in der Garage wollte er den Kopf frei bekommen. Nach einem Jahr Recherche vor allem im Internet stand er dann 2012 in Franken vor einem Eicher Typ L22 in Hellblau.

Mit Knopf für die Warnblinkanlage: das Armaturenbrett.

Mit Knopf für die Warnblinkanlage: das Armaturenbrett. Die Elektrik hat Bernd Lescrinier komplett erneuert.

Als „desolat“ beschreibt Lescrinier, der in Friedrich-Wilhelms-Hütte wohnt, den Zustand des Fahrzeugs. Der Traktor war auch nicht, wie er sich das ürsprünglich gewünscht hatte, aus seinem Geburtsjahr 1954, sondern war vier Jahre jünger. 3000 Euro bezahlte er dennoch, „ich bin eigentlich ein Risiko eingegangen“, erinnert er sich. „Aber wenn man schon mal da ist“. Außerdem war der Eicher noch „unverbastelt“, ohne entstellende Modernisierungsversuche.

Bernd Lescrinier aus Troisdorf Friedrich-Wilhelms-Hütte hat einen Eicher Traktion aus dem Baujahr 1958 komplett restauriert

Bernd Lescrinier aus Troisdorf Friedrich-Wilhelms-Hütte hat einen Eicher Traktion aus dem Baujahr 1958 komplett restauriert

Auf einem Hänger brachte er den nicht fahrbereiten Traktor nach Troisdorf. Nur einen Monat später konnte er den Oldie beim Straßenverkehrsamt in Siegburg vorführen: Schiere Notwendigkeit, wie er berichtet. Denn immer von der Hütte zum Sohn nach Sieglar zu fahren, wo der Trecker zunächst stand, war auf die Dauer doch zu beschwerlich. Dank der Zulassung konnte Lescrinier nun zwischen den beiden Standorten pendeln.

Ein alter Traktor im unrestaurierten Zustand.

Als "desolat" bezeichnet Bernd Lescrinier den Zustand des Traktors beim Kauf in Bayern.

„Das hat mir aber nicht gereicht“, erzählt Bernd Lescrinier von der Arbeit der folgenden zehn Jahre: Die Zugmaschine sollte im alten Glanz erstrahlen. „Der war schon so babyblau“, zunächst für die Haube ließ er die Farbe bei einem Bonner Spezialisten für Autolacke mischen. Eine Farbe, die in Nuancen vom Original abweicht: Silbergrau, Enzianblau und tiefschwarz bilden das Eicher Alpenblau, wie er nun weiß.

Während der insgesamt wohl 1000 Arbeitsstunden, die Lescrinier in sein Projekt investierte, kamen ihm seine handwerklichen Fähigkeiten zugute: „Das war mir in die Wiege gelegt“, der Familie gehörte die zweitälteste Schlosserei in Bonn. Die Familie wohnte über der Werkstatt und eigentlich sollte Sohn Bernd die Firma auch übernehmen.

Der aber entschied sich für eine kaufmännische Ausbildung, arbeitete lange im Personalwesen, wurde schließlich Geschäftsführer der kreiseigenen Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft. Damals gab er auch nach 15 Jahren sein Engagement für die CDU in der Lokalpolitik auf, wollte mögliche Interessenkonflikte ausschließen. Handwerklich blieb er stets aktiv, restaurierte das Haus in der Schwarzen Kolonie, die kurz nach 1900 für Mannstaedt-Mitarbeiter und ihre Familien gebaut worden war.

Bernd Lescrinier aus Troisdorf-Friedrich-Wihelms-Hütte hat in jahrelanger Arbeit einen Traktor aus dem Jahr 1958 restauriert

Bernd Lescrinier aus Troisdorf-Friedrich-Wihelms-Hütte hat in jahrelanger Arbeit einen Traktor aus dem Jahr 1958 restauriert

Komplett neu ist die Elektrik des Treckers, denn „mal ging der Blinker, mal ging er nicht“. Neue Kabel in der alten, zur Bauzeit des Eicher üblichen Farbgebung hat der Troisdorfer verbaut, die Kabelbäume erneuert und bei allen Arbeitsschritten „immer darauf geachtet, dass es die Originalteile sind."

Das gilt auch für den Sitz in rotem Kunstleder. Übernommen hat er den Eicher mit einem Gesundheitssitz, wie ihn die Berufsgenossenschaft vorschrieb. Doch der neue Besitzer ruhte nicht, bis er bei München das Originalteil aufgetrieben hatte. „Ist zwar nicht bequem,“ räumt er ein. „Aber original.“

Bernd Lescrinier aus Troisdorf-Friedrich-Wihelms-Hütte hat in jahrelanger Arbeit einen Traktor aus dem Jahr 1958 restauriert
der rote Sitz ist "nicht bequem, aber original"

Der rote Sitz ist "nicht bequem, aber original"

Als eine der letzten Aufgaben stand an, den Motor abzudichten. Eine Reparatur, für die es keine Originalteile mehr gibt. „Da muss man sich immer erst einmal schlaumachen", nur über Internetforen und Gespräche, gute Kontakte zu Nachbarn, Freunden und Verwandten gelang es auch, die Kosten im Rahmen zu halten: „1000 Euro“, lautet die spontane Antwort auf die zögernd gestellte Frage. Naja, vielleicht 2000, allein die Räder hätten davon die Hälfte gekostet.

Nicht nur für die Garage hat Bernd Lescrinier den Traktor restauriert, auch wenn er bislang noch nicht zu Oldtimertreffen gefahren ist: Im Karnevalszug konnte man ihn und sein Gefährt erst unlängst erleben, und auch im Arbeitseinsatz auf dem Land hat sich der Eicher schon bewährt. Und der Besitzer denkt nicht daran, die Hände in den Schoss gelegt: Aus der Auflösung einer bäuerlichen Scheune übernahm er einen schrottreifen Anhänger und einen Pflug, die inzwischen neu erstrahlen. Nun wartet noch der uralte, aber noch funktionstüchtige Kartoffelroder. „Vielleicht ist das das nächste Projekt“.