Der Gründer des Reitsportzentrums Haus Rott in Troisdorf ist nach Afrika ausgewandert. Mit der Zentrumsübergabe endete ein Kapitel der Stadt.
Antilopen statt ReithalleLukas Blatzheim tauscht Troisdorf gegen den Süden Afrikas

Lukas Blatzheim hat sich vorübergehend in Swakopmund niedergelassen.
Copyright: Lukas Blatzheim
Wenn Lukas Blatzheim heute aus dem Fenster blickt, sieht er keine Reithalle und kein Dressurviereck mehr. Stattdessen ziehen Antilopen durch die Savanne, und hinter der nächsten Kurve kann jederzeit eine Elefantenherde auftauchen. Der gebürtige Troisdorfer hat seine Zelte in der Heimat abgebrochen und ist nach Afrika ausgewandert. Mit der Übergabe des Pferdesportzentrums Haus Rott endete zugleich ein Kapitel, das den internationalen Dressursport in der Aggerstadt über Jahre geprägt hat.
„Eigentlich war mein Ziel Stellenbosch in Südafrika. Dort habe ich bereits vor zwei Jahren ein Haus gekauft. Meine Auswanderung war also keine überraschende Aktion, sondern von langer Hand geplant. Seit Mai dieses Jahres habe ich meine Zelte endgültig in Troisdorf abgebaut“, berichtet der 36-Jährige im Videotelefonat aus Swakopmund in Namibia, das vorübergehend sein Aufenthaltsort geworden ist.
In der neuen Heimat des Troisdorfers wird auch Karneval gefeiert
Die Küstenstadt mit ihren rund 76.000 Einwohnern erinnert Blatzheim in mancher Hinsicht an seine Heimat. „Hier gibt es eine große deutsche Community. Es werden sogar ein Oktoberfest und Karneval gefeiert“, erzählt er. Doch die Faszination für den Kontinent reicht weit zurück. „Schon seit meiner Kindheit habe ich meinen Eltern gesagt, dass ich irgendwann in Afrika sein werde. Ich habe Dokumentationen gesehen, und das hat mich so fasziniert, dass ich eines Tages auch ein Wildreservat haben möchte.“
Deshalb hatte Blatzheim zunächst auch ganz andere Pläne. „Ursprünglich wollte ich Zoologie studieren und in die Feldforschung gehen. Aber das ist brotlose Kunst. Ich musste also einen Umweg gehen und erst einmal Geld verdienen, um mir meinen Lebenstraum zu erfüllen“, sagt der Dressurreiter.
In Troisdorf schuf er einen Treffpunkt des internationalen Dressursports
Zu diesem Umweg gehörte auch das Pferdesportzentrum Haus Rott. Anfang 2019 übernahm Blatzheim die traditionsreiche Anlage an der Kriegsdorfer Straße und entwickelte sie in kurzer Zeit zu einem Treffpunkt des internationalen Dressursports. Das erstmals 2021 ausgetragene CDI Troisdorf etablierte sich schnell im Kalender des Weltreiterverbands FEI. Reiterinnen und Reiter aus dem In- und Ausland schätzten die familiäre Atmosphäre und die besondere Kulisse des historischen Anwesens.
Doch inzwischen hat ein neues Kapitel begonnen. „Isabell Weißenfels hat den Betrieb übernommen. Sie ist prädestiniert dafür, denn sie ist Kundin und Einstellerin seit dem ersten Tag gewesen. Wir sind eng befreundet und haben die Organisation der Turniere gemeinsam gemacht“, sagt Blatzheim. Gemeinsam mit dem langjährigen Wegbegleiter Marco Wieland werde Weißenfels die Anlage „in ähnlicher Philosophie und mit viel Engagement weiterführen“.
Ganz verabschieden wird sich Blatzheim vom Pferdesport ohnehin nicht. Bereits im August soll sein erstes Pferd nach Afrika gebracht werden. „Der Reitsport wird weiter ein Thema bleiben. Ich bin hier in Gesprächen, eine kleine Turnierserie zu starten“, verrät der 36-Jährige. Dabei gehe es ihm weniger darum, etwas völlig Neues zu schaffen, sondern bestehende Veranstaltungen miteinander zu verknüpfen und weiterzuentwickeln. „Wer hier Pferdesport betreibt, hat den nötigen finanziellen Hintergrund. Ich mache mir keine Sorgen, die passenden Sponsoren zu finden.“
Auch persönlich fühlt sich der Troisdorfer in seiner neuen Heimat angekommen. „Ich bin hier wegen meiner Faszination für Land, Leute und Natur. Es ist keine Seltenheit, dass nach der nächsten Kurve plötzlich hundert Antilopen oder eine Elefantenherde vor dir stehen.“ Eine Begegnung im Etosha-Nationalpark wird ihm dabei besonders in Erinnerung bleiben: „Plötzlich standen zwei Elefantenbullen mit aufgestellten Ohren vor mir auf dem Weg. Ich habe schnell den Rückwärtsgang eingelegt und alles ist glimpflich ausgegangen.“

Lukas Blatzheim, Gründer des Pferdesportzentrums Haus Rott, ist nach Afrika ausgewandert
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Trotz der Tausende Kilometer Entfernung bleiben die Verbindungen in die alte Heimat bestehen. „Ich habe noch gute Kontakte nach Deutschland und werde auch bei der Organisation des Turniers im Oktober mithelfen“, sagt Blatzheim. Sein Fazit nach den ersten Monaten fällt eindeutig aus: „Es gibt für mich überhaupt nichts Negatives. Eigentlich ist es sogar noch positiver, als ich es mir vorgestellt habe.“
