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Nach brutalem AngriffLebensgefährlich verletzter Troisdorfer Feuerwehrmann erhält Spende

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Horst Schöttler (l.) mit Familie Schiffbauer und Bürgermeister Alexander Biber.

Die Folgen der Attacke auf Nico Schiffbauer bewegten zahlreiche Menschen. Als versehrte Rettungskraft bekam er jetzt Unterstützung. 

Fast ein Jahr ist der brutale Angriff auf den Troisdorfer Feuerwehrmann Nico Schiffbauer her, doch der 41-Jährige leidet noch immer unter Folgen. Der Vorfall bewegten viele Menschen, auch über den Rhein-Sieg-Kreis hinaus. So wurde die Oberst Schöttler Versehrten-Stiftung auf Schiffbauer aufmerksam, die versehrte Soldaten und Rettungskräfte unterstützt. Sie waren aus Kaiserslautern nach Troisdorf gekommen und überreichten der Familie eine Spende von 12.100 Euro.

Für Nico Schiffbauer war es ein anstrengender Tag: „Mein Körper und ich sind nicht die besten Freunde, hinzu kommt gerade das heiße Wetter“, sagte er. Doch den 41-Jährigen stellen viele Alltagssituationen vor große Herausforderungen, seit er am 4. Juli vergangenen Jahres von zwei Heranwachsenden attackiert worden war.

An jenem Freitagabend war Schiffbauer als Rettungssanitäter an die Stadthalle gerufen worden, um eine junge Frau zu versorgen. Drinnen fand eine Schulabschlussfeier statt. Ein 18-Jähriger wollte sich an der Security vorbeidrängen, obwohl er keine Einladung dabei hatte. Er schlug auf den Türsteher ein, Schiffbauer lief herüber, um zu helfen. Er nahm den Schläger in einen Klammergriff, als ein weiterer 18-Jähriger auftauchte und ihm mit dem Fuß gegen den Kopf trat. Schiffbauer ging zu Boden, beide Täter traten weiter gegen seinen Schädel – mindestens zehnmal.

Troisdorfer Feuerwehrmann lag nach Angriff tagelang auf Intensivstation

Schiffbauer wurde lebensgefährlich verletzt, lag tagelang auf der Intensivstation. Er erlitt eine schwere Hirnschädigung, leidet noch heute unter Tinnitus, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Gedächtnisverlust und Schwindelanfällen. Einer der Täter erhielt eine Haftstrafe von drei Jahren, der zweite wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt (siehe unten).

Auf Online-Berichte zu dem Urteil wurde Horst Schöttler aufmerksam. Er ist Gründer der Oberst Schöttler Versehrten-Stiftung mit Sitz in Kaiserslautern. 2007 gegründet, hat es sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht, kriegsversehrte Soldatinnen und Soldaten zu unterstützen. „Mittlerweile liegt unser Hauptaugenmerk aber auf Mitgliedern von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk – und zwar in ganz Deutschland. Nico Schiffbauer ist jemand, dem wir nicht nur nach Satzung, sondern auch menschlich helfen müssen“, erklärte Schöttler.

„Was Ihnen passiert ist, ist die Verkommenheit unserer Gesellschaft: Man achtet nicht mehr auf die, die helfen und Ordnung schaffen wollen, man wird übergriffig und aggressiv, und genau das haben Sie erlebt“, sagte er an Schiffbauer gewandt, der mit seiner Frau Fabienne (38) und seinen Kindern Jolene (10) und Ben (14) gekommen war. Schöttlers Stiftung spendet insgesamt 12.100 Euro an die Familie. Sie setzen sich zusammen aus 2500 Euro Soforthilfe und 400 Euro, die zwei Jahre lang an die Kinder ausgezahlt werden sollen. Und damit die Soforthilfe auch sofort ankommt, übergab Schöttler Ehefrau Fabienne einen Umschlag mit der Summe in bar.

Aus Flugzeugen zu springen oder in brennende Häuser zu laufen, ist mein Traumberuf.
Nico Schiffbauer, Feuerwehrmann

Zugleich bot er neurologische und psychologische Hilfe des Bundeswehr-Krankenhauses in Berlin an, außerdem juristischen Beistand für Auseinandersetzungen mit Versicherungen und Versorgungsleistungen. „Alles auf unsere Kosten – wir wünschen uns, dass Herr Schiffbauer wieder auf die Beine kommt“, bekräftigte Schöttler.

Der Troisdorfer rang um Worte: „Wir sind mit großer Freude hierhin gekommen, ich möchte mich auch im Namen meiner Familie bedanken, aber auch für den Zuspruch, den wir in den vergangenen zwölf Monaten erhalten haben“, sagte er. Schiffbauer berichtete von großem Rückhalt aus der Blaulicht-Familie: „Ich war selbst Fallschirmjäger in Zweibrücken, danach bin ich zur Feuerwehr gegangen. Diese Kameradschaft und Loyalität sind für mich mehr Zuspruch als alles andere“, sagte er. Seine Frau arbeite bei der Polizei, plane ihre Dienstzeiten um seine Therapie- und Arzttermine herum. „Und selbst ihre Wache plant das entsprechend ein“, schilderte Schiffbauer.

Der Prozess der Heilung sei schwierig, aus neurologischer Sicht sei eher von Monaten und Jahren auszugehen. „Für mich stehen viel Behandlung und Therapie auf dem Programm, es gibt auch Rückschläge, ich bin dünnhäutiger als früher. Ich versuche, daraus Lehren zu ziehen, um einen Schritt nach vorne zu machen.“ Er wolle unbedingt in den Dienst zurückkehren. „Aus Flugzeugen zu springen oder in brennende Häuser zu laufen, ist mein Traumberuf.“

Sein Arbeitgeber ist die Stadt Troisdorf: „Unsere Personalabteilung hat viel Kontakt mit Herrn Schiffbauer. Wir tun für ihn, was wir können“, sagte Bürgermeister Alexander Biber. Lars Gödel, Leiter der Feuerwehr, ergänzte: „Das Geschehene hat uns alle sehr belastet. Wir haben ein Netzwerk, das wir versuchen zu nutzen. Wir haben eine Kontaktperson, damit nicht alles von allen Seiten auf ihn einprasselt. Ich freue mich, wie positiv er an Dinge herangeht.“


Das Urteil

Als Konsequenz der Tat verurteilte das Landgericht Bonn Ende Februar einen heute 18-Jährigen zu drei Jahren Jugendhaft, unter anderem wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie Widerstands gegen Polizeibeamte – er hatte sich seiner Festnahme widersetzt. Sein 19 Jahre alter Freund, der bei der Tat am 4. Juli 2025 in der Stadthalle dabei war, kam mit einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung davon; er war nicht vorbestraft. Die Angeklagten hatten sich kurz vor der Urteilsverkündung der Jugendkammer bereit erklärt, dem 40-jährigen Opfer je 8000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Das Geld haben den Beschuldigten der Vater beziehungsweise ein Bruder geliehen. Beide hatten während des Prozesses erklärt, sich kaum an die Tat erinnern zu können; sie seien zu betrunken gewesen. Die Kammer attestierte ihnen „schädliche Neigungen“ sowie „ein hohes Maß an Aggressivität und Rücksichtslosigkeit“. (dbr)