„Sprachbarrieren münden in Aggression“Immer mehr Ausländer in NRW-Gefängnissen

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Zwei Beamte öffnen Zellen in der JVA Düsseldorf

Zwei Beamte öffnen Zellen in der JVA Düsseldorf

  • Die Ausländer-Quote in den NRW-Gefängnissen ist in den vergangenen Jahren um fast fünf Prozent gestiegen. In der U-Haft liegt die Quote sogar noch höher.
  • Der Bund der Strafvollzugsbediensteten beklagt, eine Kommunikation zwischen den Angestellten und Häftlingen sei zunehmend nicht mehr möglich.
  • Das hat gravierende Folgen – auf mehreren Ebenen. Wie das Land NRW gegensteuern will.

Düsseldorf – Die Quote der Ausländer in den NRW-Gefängnissen ist den vergangen vier Jahren von 31,2 auf 36,1 Prozent angestiegen. Das geht aus einer Statistik des NRW-Justizministeriums hervor, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Von den derzeit rund 15.880 Strafgefangenen sind danach 5740 Ausländer beziehungsweise Staatenlose. NRW-Justizminister Peter Biesenbach sagte: „Ein nicht unerheblicher Teil der Gefangenen in unseren Justizvollzugsanstalten ist ausländischer Herkunft. Darauf müssen wir uns einstellen.“

Der CDU-Politiker erklärte, in den Haftanstalten seien Integrationsbeauftragte installiert worden, „um die Bediensteten zu beraten und um Konflikte zu lösen, die ihren Ursprung in Differenzen aufgrund kultureller Unterschiede haben.“ Außerdem seien zusätzliche Haushaltsmittel für Dolmetscher bereitgestellt worden. „Denn miteinander zu sprechen und sich zu verstehen ist der Grundstein für ein friedliches Zusammenleben“, sagte Biesenbach.

Bund der Strafvollzugsbediensteten kritisiert NRW

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) in NRW kritisierte, dass die Arbeitsbedingungen für das Gefängnispersonal wegen der Verständigungsprobleme schwieriger geworden seien. Vor allem mit den arabisch-sprechenden Häftlingen sei eine vernünftige Kommunikation oft gar nicht möglich. „Die fast unüberwindbare Sprachbarriere mündet oft in Aggressionen, die zum Teil in körperlichen Angriffen auf die Mitarbeiter enden“, sagt Peter Brock, Landesvorsitzender des BSBD.

In der JVA Köln sind derzeit 980 Gefangene inhaftiert. Nach Angaben der Anstaltsleitung sind darunter 479 Ausländer. Zu den Herkunftsländern, die häufig vertreten sind, gehören die Türkei, Polen, Marokko, Rumänien, Algerien, Italien und die Niederlande. Von den rund 360 Beschäftigten im allgemeinen Vollzugsdienst sind 26 im Ausland geboren. „Die erweiterte Sprachkompetenz ist ein angenehmer Nebeneffekt, wenn Bewerber insgesamt geeignet sind“, sagt Vize-Anstaltschef Wolfgang Schriever.

Land NRW hat Schwierigkeiten, qualifizierten Nachwuchs zu rekrutieren

Genau an dem Punkt liegt das Problem. Der Strafvollzug in NRW hat große Mühe, qualifizierten Nachwuchs zu rekrutieren. „Wenn wir Glück haben, schaffen von zehn Bewerbern zwei den Einstellungstest“, sagt Andreas Schürholz, Mitglied im Hauptpersonalrat des Justizministeriums und Verdi-Landesfachsprecher. Für Bewerber mit Migrationshintergrund sei das Verfahren eine besonders schwere Herausforderung.

Die meisten Anwärter scheitern bislang am Diktat. „Deswegen plant die Hausspitze jetzt, den Test zu verändern“, weiß Schürholz. Statt des Diktats solle künftig ein Aufsatz geschrieben werden, wie es auch schon bei den Tests für den Höheren Dienst üblich sei. „Man geht davon aus, dass die Bewerber weniger Fehler machen, wenn sie Wörter aus ihrem eigenen Sprachgebrauch verwenden können“, erklärt der Personalrat. So könnte zum Beispiel das Wort „Spaghetti“ durch „lange dünne Nudel“ ersetzt werden.

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Im Strafvollzug von NRW arbeiten rund 6500 Mitarbeiter im allgemeinen Vollzugsdienst. Bislang wurden jedes Jahr 250 neue Anwärter eingestellt, demnächst soll die Zahl auf 350 steigen.

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