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Europas „andere“ GeflüchteteMigrationsforscher erklärt große Offenheit für Ukrainer

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Die Szenen erinnern an die Ankunft der Geflüchteten aus Syrien vor sieben Jahren: Die aus der Ukraine Fliehenden werden mit offenen Armen empfangen. Nur: So viele Privatquartiere wie heute wurden damals nicht angeboten. Und gegenüber Flüchtenden aus Syrien, Nahost und Afrika ist die Distanz inzwischen gewachsen.

Auch in Polen, das derzeit mit Abstand die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer aufnimmt, ist das Engagement der Bevölkerung und des Staates groß. Dabei ist es erst wenige Monate her, dass die Regierung an der Grenze zu Belarus Zehntausende Polizisten und Soldaten aufmarschieren ließ, um Flüchtende aus dem Nahen Osten zu stoppen. Und auch jetzt gibt es Berichte, wonach aus der Ukraine flüchtende Afrikanerinnen und Afrikaner, meist Studierende, aus rassistischen Gründen beim Grenzübertritt behindert werden.

„Unschuldige Opfer eines brutalen Diktators“

Warum fällt es den Europäern offensichtlich leichter, Ukrainer aufzunehmen als Menschen aus anderen Regionen?

Albert Scherr, Leiter des Instituts für Soziologie an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, hat eine Erklärung: „Sie werden als unschuldige Opfer eines brutalen Diktators wahrgenommen“, sagt Scherr, der seit Jahrzehnten zu Migration, Diskriminierung und Rassismus forscht. „Dazu kommen Geschlechterstereotype: Die ankommenden Kinder sind sowieso unschuldig, und die Frauen sind verletzlich und haben einen besonderen Schutzanspruch.“

Den Umschwung in Polen erklärt er mit gefühlter Nähe. „Die vorherrschende Meinung ist, das sind Europäer wie wir, das sind Menschen, die uns kulturell affiner sind, was zum Beispiel die Frage der Religion betrifft. Aus diesem Grund fühlen wir uns ihnen gegenüber anders verantwortlich als gegenüber Afrikanern.“

Auch die Geflüchteten aus Syrien seien zunächst als Opfer einer Diktatur wahrgenommen worden. Doch mit der Zeit änderte sich die Stimmung: „Der politische Diskurs verschob sich dahin, wer die vermeintlich echten Flüchtlinge sind und wer die Situation aus unterschiedlichen Gründen ausnutzt.“

Silvesternacht in Köln hat „das Bild gekippt“

Parallel entstand ein Streit darüber, ob Deutschland bald an die Grenze seiner Belastbarkeit kommt. „Der dritte Punkt war die Kölner Silvesternacht 2015. Da ist das Bild gekippt“, sagt Scherr. „Es entstand die Figur eines bedrohlichen jungen Mannes, der sich hier gar nicht integrieren will.“ Diese Bilder würden bei Menschen aus der Ukraine nicht greifen.

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Schließlich verweist Scherr auf einen psychologischen Effekt. Bilder von ertrunkenen Geflüchteten im Mittelmeer schockierten: „Aber dann ist sehr bald eine Gewöhnung eingetreten, weil solche Momente des Erschreckens sich nicht auf Dauer erstellen lassen.“