- Auch bei in Deutschland lebenden Frauen wird das grausame Ritual vollzogen. Lesen Sie hier die Hintergründe.
Weltweit sind über 200 Millionen Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, drei Millionen Mädchen sind von ihr bedroht. Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung am Samstag hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zu stärkeren Anstrengungen aufgerufen, um das grausame Ritual zu beenden.
„Wir müssen diese frauenverachtende Praxis stoppen. Das ist eine schwere Menschenrechtsverletzung mit lebenslangen schwerwiegenden körperlichen und psychischen Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen. Sie kann zu Unfruchtbarkeit, Komplikationen bei der Geburt, schweren Depressionen bis hin zum Tod führen“, sagte Müller dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
Weibliche Genitalverstümmelung ist in etwa 30 afrikanischen Ländern besonders südlich der Sahara, in arabischen Ländern wie Oman und dem Jemen sowie im asiatischen Raum wie in Indonesien und Malaysia verbreitet. Aber auch in Deutschland lebende Mädchen können betroffen sein. „Schätzungen zufolge lebten 2020 über 67.000 Frauen in Deutschland, die beschnitten wurden. Das wird in Deutschland strafrechtlich verfolgt“, erklärte Minister Müller. „Viele der Mädchen und Frauen werden aber weiterhin bei Besuchen in ihren Herkunftsländern verstümmelt.“
Um diesem Vorgehen in Zukunft Einhalt zu gebieten, hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Freitag in Berlin einen Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgestellt. Dieser dokumentiere, dass Genitalverstümmelung in Deutschland ein eigener Straftatbestand ist, auch wenn sie im Ausland verübt wird. Es drohten bis zu 15 Jahren Haft. Der Schutzbrief, der in mehrere Sprachen übersetzt werden soll, sei ein Instrument zur Aufklärung und „ein Baustein im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung„, sagte Giffey.
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Dieser Kampf ging aus Sicht von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller schon vor der Corona-Krise „viel zu langsam voran“. Darüber hinaus habe sich die Situation durch die Pandemie noch zugespitzt: „Die Lockdowns verhindern wichtige Aufklärungsarbeit. Hinzu kommt eine dramatische Hunger- und Wirtschaftskrise: Eine Folge ist, dass Mädchen aufgrund von Armut vermehrt in Zwangs- oder Kinderehen gedrängt werden. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten aufgrund der Coronakrise bis zu 13 Millionen zusätzliche Kinder- und Zwangsehen bis 2030 geschlossen werden.“
Mit dem weltweiten Corona-Sofortprogramm setze die Bundesregierung dort an und unterstütze Familien in Krisen- und Konfliktgebieten mit Ernährungssicherung.Deutschland baue das Engagement gegen diese grausame Form von Gewalt gegen Frauen weiter aus, betonte Müller. Er habe im vergangenen Jahr mehrere Gemeinden im Sudan besucht, die gemeinsam beschlossen, die Genitalverstümmelung zu beenden.
„Diese Frauen sind Vorbild. Denn es erfordert großen Mut, sich gegen tiefverwurzelte Traditionen zu stellen„, sagte der Minister. Auch der Schutzbrief soll Familien die Entscheidung gegen die traditionelle Praxis erleichtern. „Das ist eine ganz klare Ansage mit dem Bundesadler vorne drauf“, dass die Bundesregierung dagegen vorgehen werde, sagte Giffey.



