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KommentarWir fürchten den Sturm, aber tun zu wenig fürs Klima – warum nur?

3 min
Sturmflut Hamburg

Überschwemmung in Hamburg zum Sturmtief „Ylenia“

Es gibt zwei Arten von Grusel in Deutschland, wenn es um Orkanwarnungen geht: Das unheimliche Gefühl, wenn der Sturm an den Fensterläden rüttelt, Züge liegenbleiben und Bäume auf Autos kippen, durchleiden wir gerade: Extremwetter weckt im Menschen stets kindliche Urängste - zu Recht: Wenn sich bundesweit wütende Orkane häufen, summieren sich menschliches Leid und Milliardenkosten. Allein das Hochwasser vom vorigen Sommer kostete in Deutschland mehr als 180 Menschen das Leben und richteten Schäden von 33 Milliarden Euro an.

Der andere Grusel kommt bei Windstille und Normalpegel auf, wenn von der „Kostenfalle Klimaschutz“ die Rede ist und gefragt wird, „was auf Mieter und Eigentümer zukommt“, falls ernst gemacht würde beim Klimaschutz.

Folgen des Klimawandels erreichen Europa

Die Pointe überrascht keinen mehr: Wir müssen uns für eins der beiden Grauen entscheiden. Häufung und Heftigkeit der Unwetter zeigen: Die Folgen des Klimawandels erreichen nun auch die gemäßigten Breitengrade Europas. Der Zusammenhang ist klar: Mit der Erderwärmung steigen Ozean-Temperatur und Verdunstung, das verstärkt die Tiefdruckgebiete und damit Intensität und Zahl von Hurrikanen, Orkanen und mit ihnen Regen und Überflutungen.

Die Jugend kann sich schon mal daran gewöhnen, dass Gruselwetter in Frühjahr und Herbst künftig normal wird wie die Hurrikan-Saison in Florida. Denn selbst wenn der CO2-Ausstoß sofort gestoppt würde, ist genug Schaden angerichtet, damit die globale Temperatur zunächst steigt. Besser wird es nie mehr werden, höchstens schlimmer. Wer sich das klarmacht, sieht ein: Klimaschutz wird teuer. Aber Nichtstun wird teurer.

Wir fürchten den Sturm, aber tun nichts fürs Klima

Leider wissen wir auch, dass selbst wohlwollende Regierungen wie die deutsche Ampel sich zu wenig vorgenommen haben, um ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und da wird es wirklich interessant: Woran liegt es, dass die Wähler den Sturm fürchten, aber die Priorisierung des Klimaschutzes scheuen? Findet man für echten Klimaschutz überhaupt Mehrheiten?

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Die Antwort darauf weiß nicht allein der Wind: Wirtschaftsinteressen und Lobbyeinfluss, die Angst vor Veränderung, Verzicht und Überforderung spielen eine Rolle. Aber entscheidender ist, dass manche Klage berechtigt ist. Und wo es das gibt, findet sich stets jemand, der die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Orkanschäden kleinredet - und die Sorgen vor dem Umsteuern zum Proteststurm aufbläst, bis die Politik konsequentes Handeln scheut.

Umbau der Gesellschaft gibt es nicht gratis

Also hilft nur, die Sorgen ernst zu nehmen - und Zumutungen zu verkleinern. Den Umbau der Gesellschaft gibt es nicht gratis. Aber die Kosten dürfen nicht denen übergeholfen werden, bei denen das Geld ohnehin knapp ist.

Da ist es gut, dass die Ampel-Koalition mit einem Klimageld für sozialen Ausgleich zur klimapolitisch erwünschten CO2-Verteuerung plant. Der Zufall wollte es, dass mehrere Umweltverbände gerade in dieser stürmischen Woche eine Studie vorstellten, derzufolge der Staat die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung bürokratiearm, kosteneffizient und rechtssicher an die Bevölkerung zurückgeben kann.

Das wird zwar nicht ohne Umverteilung und nicht ohne Widerstände gehen. Den Klimaschutz müssen die Spitzen- und Besserverdiener zahlen, oder es wird keinen geben. Aber im Zeitalter des Weltraumtourismus sollte so viel Weltrettung durchsetzbar sein.

Darauf kommt es nun an: Nicht mit Weltuntergangsstimmung, sondern mit Innovationen lassen sich Alternativen zum heutigen Wirtschaften entwickeln. Gefragt sind neue Energiequellen, Alternativen zur Massentierhaltung, zur Zersiedlung, zum Individualverkehr - und eine Politik, die die Zunahme von Orkanen bekämpft und zugleich Proteststürmen vorbeugt, die den Klimaschutz stoppen können, solange er noch wirkt.