Im vergangenen Jahr waren mehr Menschen als jemals zuvor auf der Flucht vor Gewalt und Verfolgung. Und das trotz aller Appelle, in der Corona-Pandemie kriegerische Auseinandersetzungen wenigstens vorübergehend einzustellen.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat am Freitag dramatische Zahlen vorgelegt. 82,4 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr weltweit auf der Flucht. Es ist erschütternd, wie sehr wir uns in Europa an solche Zahlen gewöhnt haben. Die Einzelschicksale hinter der Statistik nehmen wir nicht mehr wahr. Sie sind uns egal.
Im vergangenen Jahr kam noch erschwerend dazu, dass die meisten Staaten ihre Grenzen aus Furcht vor dem Virus geschlossen hielten. Flüchtlinge wurden noch mehr als in den Jahren zuvor als eine Bedrohung angesehen. Das muss sich schleunigst ändern. Gerade die EU könnte sehr schnell dem Drama wenigstens ein bisschen von seiner Schärfe nehmen. Im Vergleich zu Entwicklungsländern, die 86 Prozent der Flüchtlinge aufgenommen haben, ist die Zahl der Flüchtlinge in Europa lächerlich klein.Doch es fehlt der politische Wille in der EU, eine humane Migrationspolitik zu betreiben. Das ist der eigentliche Skandal.
Die EU-Mitgliedsstaaten streiten in Brüssel wie die Kesselflicker über abwegige Details eines gemeinsamen Asylkonzeptes, das – wenn es so weitergeht – auch in einem Jahrzehnt noch nicht in Kraft treten wird.
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Derweil bleibt alles, wie es seit vielen Jahren ist: Im Mittelmeer ertrinken die Menschen. Und wir schauen einfach weg. Es ist eine Schande.


