Das Tatmotiv ist fast so erschütternd wie die Tat selbst. Die beiden Mordverdächtigen von Kusel wollten, so sieht es jetzt aus, lediglich ihre Jagdwilderei vertuschen. Dabei beträgt das Strafmaß auch in besonders schweren Fällen maximal fünf Jahre. Jetzt sind zwei Polizisten tot. Und die Verdächtigen werden mit ziemlicher Sicherheit nicht zu fünf Jahren, sondern zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Fataler geht es kaum.
Der mutmaßliche Doppelmord an einer jungen Polizistin, die noch in der Ausbildung war, und einem jungen Polizisten im rheinland-pfälzischen Kusel zeigt einmal mehr auf erschreckende Weise, wie hochgradig gefährlich dieser Beruf ist. Er hat deshalb mehr denn je Anerkennung verdient. Ja, angesichts des ebenso furchtbaren wie sinnlosen Verbrechens ist es Zeit, über die existenziellen Unwägbarkeiten zu sprechen, denen Beamtinnen und Beamte ausgesetzt sind, und das zunehmend.
Polizei in Deutschland: Arbeiten am Limit
Heute erleben wir zunächst die wachsende gesellschaftliche Polarisierung im Kontext der Corona-Krise. Einerseits müssen Polizisten Regeln durchsetzen, die nicht immer widerspruchsfrei sind und über deren Nutzen man auch streiten darf – wobei das für andere Regeln und Gesetze ebenfalls gilt. Andererseits sind sie bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen seit Monaten mit verbalen und physischen Angriffen konfrontiert, die mürbe machen – und kommen dabei, wie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) es formulierte, derzeit „kaum noch aus den Stiefeln“. Nicht selten sind dort Leute unterwegs, die seelische Betreuung bräuchten und bei denen Ordnungshüter an Grenzen stoßen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Da ist ferner die tägliche Gefahr in Alltagssituationen, die sich nicht kalkulieren lässt. Bei jeder Polizeikontrolle kann es zu einer Eskalation kommen – weil die Beamten unverhofft auf Kriminelle treffen oder bis dahin unauffällige Menschen die Kontrolle über sich selbst verlieren. In Kusel, wo Kriminelle am Werk waren, ist genau das geschehen, nachts um 4.20 Uhr auf einer Landstraße. Als es über den Polizeifunk hieß „Die schießen!“, war es schon zu spät. Ein 29-Jähriger und eine 24-Jährige – tot. Nein, so etwas passiert nicht alle Tage. Aber es kann passieren, jederzeit.
Polizei: Einfach mal Danke sagen
Man darf die Polizei bei anderer Gelegenheit auch kritisieren. Wie Vertreter vieler Berufsgruppen wissen die selbstkritischeren, wann Kritik angebracht ist und wann nicht. So oder so sollte man den rund 300.000 Polizisten aber mit Respekt begegnen und zuweilen einfach mal Danke sagen. Das hilft immer. Sie tragen ein Risiko, das sonst kaum eine Berufsgruppe trägt: Sie können – wenn es ernst ist – von einer Sekunde auf die andere mit dem Leben bezahlen. Dies wertzuschätzen, sollte einer menschlichen Gesellschaft selbstverständlich sein.


