- SPD und CDU haben sich jeweils – quälend – lange Verfahren zur Auswahl ihres Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl auferlegt.
- Nicht so die Grünen: Die verfahren gerade so, wie sie es früher den „Altparteien“ immer vorwarfen.
- Aber muss das schlecht sein? Ein Kommentar.
Wer die Geschichte der Grünen seit ihren Anfängen begleitet hat, der reibt sich verwundert die Augen. Früher war die Ökopartei zunächst auf Fundamentalopposition und später auf rot-grüne Bündnisse geeicht. Heute koalieren Grüne in Ländern mit Christdemokraten, die teilweise der AfD nahestehen.
Spitze der Grünen macht K-Frage unter sich aus
Auch personalpolitisch ist der Wandel fundamental. Während sich nach der SPD nun die CDU einen beinharten Wettkampf um den Vorsitz liefert, macht die Grünen-Spitze die Kanzlerkandidatur unter sich aus. Kein Parteitag wird gefragt, nicht mal ein Vorstand. Dabei soll die Entscheidung möglichst spät fallen – so wie bei der Union. Man schielt aufeinander.
Das alles ist für eine einst „basisdemokratische“ Partei erstaunlich. Der Erfolg hat sich als maßgebliches Kriterium durchgesetzt. Was noch erstaunlicher ist: Es gibt weit und breit keinen halbwegs bedeutenden Grünen mehr, der das Prozedere noch infrage stellen würde. Sie huldigen politisch dem Prinzip, das sie einst ökonomisch gegeißelt haben: dem Wachstum.
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Freilich wäre es falsch, dies zu beklagen. Denn die Grünen sind zwar in ihrem Gebaren längst bürgerlicher als jene Parteien, die sie ehedem „Altparteien“ nannten. Allerdings sind umgekehrt auch größere Teile der Gesellschaft von grünem Denken durchdrungen. Es handelt sich gewissermaßen um einen dialektischen Prozess. Außerdem sind die Grünen jetzt 40 Jahre alt; es wäre ein Wunder und weitaus problematischer, wenn sie sich nicht verändert hätten.
Baerbock hätte wohl bessere Chancen
Der Wahlkampf mit einer Kanzlerkandidatin oder einem Kanzlerkandidaten – Annalena Baerbock hätte als einzige Frau unter lauter männlichen Kandidaten wohl die besseren Chancen – wird die Grünen zu weiteren Anpassungen zwingen. Denn sie können unter gewissen Umständen zwar wirklich gewinnen. Nur hätte das wie alles im Leben seinen Preis.