Ein klein wenig Erleichterung dürften wohl die meisten verspürt haben, als am Donnerstagmorgen die Nachricht kam, dass das Gas aus Russland wieder fließt. Der vollständige Lieferstopp und die ganz große Eskalation bleiben zumindest vorerst aus – immerhin.
Wir nehmen, was wir kriegen können, das gilt beim Gas wie bei den (halbwegs) guten Nachrichten. Pandemiejahre, Rekordinflation und der Krieg mitten in Europa haben Deutschland bescheiden gemacht.
So verständlich die Sehnsucht nach Zeichen der Hoffnung in diesen düsteren Zeiten auch ist, einer Illusion sollten wir uns hingeben: dass die Gaskrise nun vorbei ist. Die Wiederaufnahme der Lieferung bedeutet allenfalls eine kleine Verschnaufpause im Wirtschaftskrieg, mehr nicht. Zumal das Verwirrspiel des Kremls bereits munter weitergeht.
Schon das Hin und Her bei den angekündigten Lieferungen, den sogenannten Nominierungen, war eine Provokation. Hatte Gazprom zunächst Liefermengen in einer Größenordnung von rund 50 Prozent der Gesamtkapazität der Nord-Stream-Pipeline in Aussicht gestellt, wurde diese Zahl später auf etwa 30 Prozent reduziert. Die realen Gasflüsse deuteten dann darauf hin, dass am Ende des Tages eine Auslastung von etwa 40 Prozent erreicht werden würde – und damit exakt jenes Volumen, das Russland bereits vor der Wartung geliefert hatte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
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Gleichzeitig beklagten sich Offizielle in Moskau über angeblich fehlende Dokumente für die nun aus Kanada zurückgeschickte Gasturbine, während Russlands Präsident Wladimir Putin die anstehende Reparatur einer weiteren Turbine verkündet und über zusätzliche Drosselungen der Gasmenge fabuliert, falls man diese nicht zurückbekommen sollte.
Die Verbreitung von Desinformation, Unsicherheit und Chaos sind eine Disziplin, in der es Putin in den zurückliegenden Jahren zu einiger Größe gebracht hat. Derzeit liefert der Ex-KGB-Agent sein Meisterstück ab. Das aus deutscher Sicht Perfide ist, dass es nun allein an Putin liegt, wie die Sache weitergeht. Die Liefermengen werden steigen und sinken, ganz so, wie es dem Despoten gerade gefällt. Börsen, Politiker, Medien und Verbraucher im Westen werden jedes Mal verlässlich reagieren.
Es bleibt deshalb der einzig richtige Weg, so schnell wie irgendmöglich die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren. Selbst wenn die Lieferungen in den kommenden Wochen verlässlicher kommen sollten, darf Deutschland bei seinen Bemühungen nicht nachlassen.
Sich nicht kirre machen zu lassen kommt noch hinzu. Das Zittern um Gas wird weitergehen. Und trotzdem wäre Panik die denkbar schlechteste Reaktion. Das Beste zu hoffen, sich auf das Schlechteste vorzubereiten und einen kühlen Kopf zu bewahren, scheint in der aktuellen Lage die beste Strategie.



