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Interview mit Gorden Isler„EU-Staaten arbeiten mit den Libyern zusammen“

2 min
sey-eye-dpa

Gorden Isler ist Vorsitzender des Seenotrettungsvereins Sey-Eye.

Herr Isler, wie ist die Lage auf dem Mittelmeer zwischen Nordafrika und Europa derzeit?

Gorden Isler: Die Lage spitzt sich gerade wieder zu. Das liegt vor allem daran, dass wir jetzt in eine Jahreszeit kommen, in der die guten Wetterperioden mit stiller See länger dauern. Wir konnten in den letzten Jahren sehen, dass zwischen Mai und September viel mehr Menschen versuchen, Europa zu erreichen. Bereits in den vergangenen Monaten haben mehr Menschen die Überfahrt versucht als im Vorjahreszeitraum, und auch die Zahl der Toten ist angestiegen.

Was unternehmen die Anrainerstaaten und die EU dagegen?

Anstatt selbst etwas zu unternehmen, wollen die EU-Mitgliedsstaaten noch mehr mit Ländern wie Libyen und Tunesien zusammenarbeiten. Es scheint niemand etwas anderes zu wollen, als die Menschen von der Flucht abzuhalten. Und das gelingt in Libyen auch immer wieder. Allein an den zwei Tagen, an denen wir zuletzt 408 Menschen gerettet haben, hat die libysche Küstenwache über 800 Menschen vom Meer zurückgeholt.

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Die EU-Staaten arbeiten dabei mit den Libyern zusammen. Wir nutzen eine Software, die uns die Positionen von Schiffen und Flugzeugen anzeigt. Dadurch konnten wir mehrfach beobachten, wie Frontex-Flugzeuge über bestimmten Stellen im Meer kreisten, an denen sich offenbar Menschen in Seenot befanden. Als wir in einem dieser Fälle die Position erreicht hatten, sind wir nur noch auf ein verlassenes Boot mit abgebautem Motor gestoßen.

Sie glauben, dass die libysche Küstenwache die Menschen aufgenommen hat?

Exakt. Die Europäische Grenzschutzagentur informiert entweder die Rettungsleitstellen in Malta oder Rom, die in der libyschen Such-und-Rettungs-Zone nicht zuständig sind. Oder sie nimmt direkt Kontakt mit der libyschen Küstenwache auf und hilft ihr dadurch, Menschen von der Flucht abzuhalten. Das wäre völkerrechtswidrig. Für die Abgefangenen bedeutet das in der Regel Gefängnis in Libyen.

Schützt die Zusammenarbeit denn auch Menschen vor dem Ertrinken?

Nein, sie macht die Flucht sogar noch gefährlicher. Die Menschen rufen teils keine Hilfe mehr, wenn sie mit hochseeuntauglichen Booten auf dem Meer sind, aus Angst, abgefangen zu werden. Die Politik muss erkennen, dass die grausame Methode der Abschreckung nicht funktioniert. Die Menschen versuchen es trotzdem. Deshalb muss diese unmenschliche Strategie sofort beendet werden. Es müssen unverzüglich Rettungsschiffe der EU-Staaten geschickt werden, um viele Tote zu verhindern.