Der Befund ist alarmierend. Viertklässler in Deutschland schneiden in Sachen Lesekompetenz deutlich schlechter ab als vorherige Jahrgänge aus der Zeit vor Corona, wie eine repräsentative Studie belegt.
Die Ergebnisse sind gleich in doppelter Hinsicht deprimierend. Tatsächlich sind alle Schülergruppen dieses Alters im Schnitt schlechter im Lesen geworden: Mädchen wie Jungs, diejenigen mit vielen Büchern im Kinderzimmer und diejenigen, bei denen es fast gar keine Bücher gibt. Gleichzeitig haben aber diejenigen, die zu Hause noch nicht einmal einen richtigen Platz zum Lernen haben und dort auch sonst nicht so gut gefördert werden können, natürlich besonders unter dem Unterrichtsausfall in der Pandemie gelitten.
Lesen ist eine Schlüsselkompetenz. Wenn es hier hapert, führt das nicht nur zu Problemen im Deutschunterricht, sondern in fast allen Fächern. Und der durch die Pandemie entstandene Rückstand ist bei vielen so groß, dass er nebenbei nicht durch ein paar Nachhilfestunden aufgeholt werden kann. Wenn nichts geschieht, werden ganze Bildungskarrieren dauerhaft Schaden nehmen.
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Für die Politik bedeutet das alles: Das bisherige Nachholprogramm, das bei der Aufarbeitung von Lernlücken helfen soll, reicht nicht aus. Bund und Länder müssen auf jeden Fall noch einmal nachlegen. Zudem ist es eine Überlegung wert, auf welche Schlenker im Lehrplan man ausnahmsweise verzichten kann, um den Schülern lieber mehr Zeit und Gelegenheit zu geben, bei grundlegenden Kompetenzen nachzuschärfen.
Grundlegend besser werden muss auch das deutsche Bildungssystem. In der Pandemie sind lange bekannte Probleme – etwa die fehlende Bildungsgerechtigkeit – nur noch deutlicher zutage getreten. Wenn jemand, der ein lahmes Bein hat, hinfällt, reicht es nicht, wenn ihm kurz jemand hochhilft. Er braucht intensive Behandlung.

