NRW testet bei fast fünfhundert Schulen freiwillige Lernstandserhebungen für Fünftklässler. Ziel ist eine individuellere Förderung.
Neues Schuljahr beginntNRW testet Lernstandserhebungen bei Fünftklässlern

Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU)
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Für fast 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW geht nächste Woche wieder die Schule los. Das neue Schuljahr bringt einige Änderungen: Die Landesregierung will den Leistungsstand von Fünftklässlern prüfen und das Schülerfeedback ausweiten.
Die Lernstandserhebungen starten zunächst nur als Pilotphase mit freiwilliger Teilnahme. Bisher haben fast 500 Schulen Interesse bekundet, die Anmeldefrist läuft noch bis Mittwoch (3. September). Die teilnehmenden Schulen führen die Erhebung laut Ministerium von Mitte September bis Anfang Oktober mit ihrem gesamten fünften Jahrgang durch. Fünftklässler bearbeiten dabei in ganz NRW einheitliche Aufgaben zum Leseverständnis und grundlegenden Mathekompetenzen. So könnten Lehrkräfte den Leistungsstand einzelner Schüler „schnell und unkompliziert“ erfassen und ihren Unterricht darauf abstimmen, sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf. „Wichtig ist, dass wir die Schülerinnen und Schüler individueller in den Blick nehmen“, so Feller. Nach der Pilotphase wird die Lernstandserhebung Pflicht – womöglich bereits im kommenden Schuljahr. Bis 2030 sollen weitere Lernstandserhebungen in den Klassen zwei und sieben eingeführt werden. Als ein Vorbild für dieses Modell gilt Hamburg.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW verweist auf den Personalmangel. „Es ist richtig, genau hinzuschauen, was Schülerinnen und Schüler können und wo sie Unterstützung brauchen“, sagt Landesvorsitzende Anne Deimel. Aber: „Wenn aus den Ergebnissen individuelle Förderung entstehen soll, müssen Schulen auch die Möglichkeit haben, diese Förderung zu leisten. Dafür brauchen wir kleinere Klassen und mehr Fachkräfte.“
„Stift zur Hand“: Grundschüler sollen besser Schreiben
Das Schülerfeedback wird ausgeweitet. Im zweiten Halbjahr 2026/27 sind erneut alle Schulen eingeladen, das Schülerfeedback mit einem erweiterten Fragenkatalog zu testen, unter anderem mit Fragen zur Unterrichtsqualität. Es gehe hierbei nicht um eine Bewertung einzelner Lehrkräfte, betont Feller. Sie selbst habe auch keinen Einblick in die Ergebnisse. Für das Schuljahr 2027/2028 ist eine verpflichtende Teilnahme aller Schulen am Zentralen Schülerfeedback geplant.
Unter dem Motto „Stift zur Hand“ will das Ministerium außerdem die Schreibförderung an Grundschulen verbessern. „Viele Lehrkräfte berichten, dass die Kinder zwar tippen und wischen, aber einen Stift nicht richtig halten können, wenn sie zur Schule kommen“, so die Ministerin. Künftig sollen die Kinder wieder mehr mit der Hand schreiben. Alle Grundschulen sollen eine Checkliste bekommen, die nach dem Stellenwert der Rechtschreibung und Schreibgelegenheiten in allen Fächern fragt.
Die Opposition kritisiert die zusätzlichen Aufgaben für Schulen und Lehrkräfte. „Schulen wissen längst, dass Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen aus der Grundschule kommen“, sagt Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD‑Fraktion. „Was ihnen fehlt, ist nicht noch ein Testergebnis. Es fehlen Zeit und Personal, um daraus eine individuelle Förderung zu machen.“
Mit dem neuen Schuljahr greifen zudem längst beschlossene Reformen. Seit dem 1. August gilt bundesweit ein Rechtsanspruch auf einen Platz im offenen Ganztag, zunächst für Erstklässler. Er wird jährlich ausgeweitet und umfasst ab dem Schuljahr 2029/2030 die gesamte Grundschule. Auch die Rückkehr zu G9 ist abgeschlossen: An den Gymnasien in NRW werden künftig wieder neun statt acht Jahrgänge unterrichtet.

