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Petition und DemoWiderstand gegen drohendes Aus der Katholischen Hauptschule am Rhein

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Das Gebäude der Katholischen Hauptschule am Rhein in der Niederichstraße. 

Eltern und Kinder wenden sich mit einer Petition und einer Kundgebung gegen die Pläne der Stadt, die Einrichtung zu schließen.

Gegen die umstrittenen Pläne der Stadt, die Katholischen Hauptschule am Rhein zu schließen und das Gymnasium Neustadt-Nord an zwei Standorten in der Altstadt-Nord unterzubringen, regt sich Widerstand aus der Elternschaft. In einer gemeinsamen Petition fordern die Mütter und Väter unter anderem, die Katholische Hauptschule am Rhein am derzeitigen Standort zu sichern und das Gymnasium Neustadt-Nord an einem einzigen, gemeinsamen Standort unterzubringen. Zudem ist am kommenden Montag ab 14 Uhr eine Kundgebung vor dem Rathaus geplant, in dem anschließend der Schulausschuss des Rates stattfindet.

Stadt bricht Gespräch mit Investor ab

Nachdem ein Investor den Mietpreis für den anvisierten neuen Standort am Gladbacher Wall für das Gymnasium Neustadt-Nord, das derzeit im ehemaligen Rautenstrauch-Joest-Museum am Ubierring untergebracht ist, deutlich erhöhen wollte, hatte die Kommune die Gespräche abgebrochen. Neusten Plänen der Verwaltung zufolge soll das Gymnasium nun zwei Jahre länger am Ubierring verbleiben und anschließend zunächst an den Standort des Abendgymnasiums an der Gereonsmühlengasse und später auch an den Standort der Hauptschule ziehen. Während die Hauptschule 2031 schließen soll, soll das Abendgymnasium am derzeitigen Interimsstandort am Judenkirchhofsweg verbleiben. Eltern, Kinder und Schulleitung der Hauptschule sind empört über das drohende Aus ihrer Einrichtung.

Die Eltern von Hauptschule und Gymnasium üben nun den Schulterschluss. „Wir wollen niemanden verdrängen“, sagte die Vorsitzende der Schulpflegschaft des Gymnasiums Neustadt-Nord, Kristin Heller. Die Nachricht vom neuen Standort sei auch für das Gymnasium ein „Schock“ gewesen. „Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“ Der Plan, dass die Stadt die Einrichtung auf zwei Standorte verteilen will, kommt im Gymnasium nicht gut an. Denn der Weg zwischen den Standorten sei weit.

Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist herausragend
Vorsitzende der Schulpflegschaft der Katholischen Hauptschule, Manfred Siemon

Der Vorsitzende der Schulpflegschaft der Katholischen Hauptschule, Manfred Siemon, versteht die Entscheidung der Stadt nicht, die Schule zu schließen. „Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist herausragend.“ Nicht ohne Grund sei die Hauptschule in das Startchancenprogramm des Bundes aufgenommen worden, mit dem Schulen gefördert werden, die sich insbesondere um sozioökonomisch benachteiligte Schülerinnen und Schüler kümmern. Zudem sei die Schule Teil der Bildungslandschaft Altstadt-Nord, in dem sich mehrere Bildungseinrichtungen vernetzt haben. In der Schule werde Integration und Willkommenskultur gelebt, da hier viele Kinder mit Migrations- und Flüchtlingsgeschichte unterrichtet würden. „Und Handwerk und Industrie suchen händeringend Absolventen von Haupt- und Realschulen als Auszubildende.“

Es gibt tolle Lehrer mit guten Herzen. Ich habe mich nach einer Woche sofort wohlgefühlt
Klasse 5a der Katholischen Hauptschule am Rhein

Ähnlich ist der Tenor in zahlreichen Briefen, die die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule an Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) verfasst haben. „Die KHS ist für uns nicht nur einfach eine Schule, sie bedeutet für uns das wahre Leben“, schreibt eine Schülerin. Und die Klasse 5a schreibt: „Es gibt tolle Lehrer mit guten Herzen. Ich habe mich nach einer Woche sofort wohlgefühlt.“

Das Thema soll am kommenden Montag im Schulausschuss auf der Tagesordnung stehen. Dem Vernehmen nach werden die Politiker allerdings weiteren Beratungsbedarf anmelden und nicht abstimmen. „Ich habe noch keine abschließende Meinung“, sagt beispielsweise Constanze Aengevoort (CDU). Zunächst müsse die Stadt einige Fragen beantworten, die ihre Fraktion gestellt habe. Bärbel Hölzing (Grüne) bemängelt die spontane Entscheidung der Stadt. „Uns ging das zu schnell. Das ist kein guter Umgang mit der Schule.“

Die Kinder empfinden die Abschulung als Niederlage
Oliver Seeck, SPD

„Die Schule macht eine super Arbeit“, sagt Oliver Seeck (SPD). Andererseits hätten Hauptschulen seit Jahren mit geringen Anmeldezahlen in der Unterstufe zu kämpfen. Daher sei es eine Überlegung wert, ob man die Schule langfristig nicht als Gesamtschule aufstellen könne. Dann könnten Kinder innerhalb einer Einrichtung die Schulform wechseln – ohne das Gefühl zu haben, abgeschult zu werden. „Die Kinder empfinden die Abschulung als Niederlage.“ Zudem könnte das Gymnasium wohl mit drei statt vier Zügen pro Jahrgang und mit einem Standort auskommen.