FCH-Rekordspieler Marc SchnattererDarum hat Heidenheim gegen den 1. FC Köln nichts zu verschenken

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Marc Schnatterer leitet ein Training der U19 des 1. FC Heidenheim.

Heidenheims Rekordspieler Marc Schnatterer ist heute Co-Trainer der U19 des Klubs und ist zudem Markenbotschafter.

Heidenheims Rekordspieler Marc Schnatterer spricht über das spannende Duell gegen den FC, das Erfolgsrezept seines Klubs und Sympathien für Köln.

Er bestritt für den 1. FC Heidenheim 457 Pflichtspiele, in denen er 121 Tore erzielte und 128 Treffer vorbereitete. Marc Schnatterer darf man getrost als Legende des Klubs von der Schwäbischen Alb bezeichnen. Nach seiner aktiven Karriere ist der 38-Jährige in das Trainergeschäft eingestiegen und sammelt erste Erfahrungen als Co-Trainer der U19 des FCH. Zudem ist der frühere Linksaußen Marken-Botschafter des Klubs.

Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ spricht Schnatterer über das Duell am Samstag (15.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln, der sich retten und den Bundesliga-Klassenerhalt schaffen will. Diesen hat der Bundesliga-Aufsteiger längst perfekt gemacht. Zudem spricht Heidenheims Rekordspieler über das Fehlen von Erfolgscoach Frank Schmidt, den Aufstieg seines Vereins in den vergangenen Jahren, seinen Werdegang und den 1. FC Köln, für den er selbst gerne mal gespielt hätte.

Frank Schmidt steht seit 17 Jahren wie kein anderer für den 1. FC Heidenheim. Am Samstag fehlt der Trainer wegen einer schon länger geplanten Sprunggelenks-OP. Ist das ein Nachteil für die Mannschaft?

Marc Schnatterer: Es wird sicherlich ungewohnt sein, Frank nicht am Spielfeldrand zu sehen. Aber ein wirklicher Nachteil ist das aus meiner Sicht nicht. Das Trainerteam ist absolut eingespielt. Fast jede Eventualität wird vorab besprochen worden sein, jeder weiß also genau, was er zu tun hat. Frank und sein Co-Trainer Bernhard Raab arbeiten seit sechs Jahren zusammen, da gibt es ein blindes Verständnis und volles Vertrauen. Auch ohne Frank will bei uns ohnehin jeder, dass diese tolle Saison zum Abschluss mit einem starken Auftritt und hoffentlich einem Sieg vor den eigenen Fans gekrönt wird. Die Spieler sind heiß auf einen weiteren Sieg. Und die Mannschaft ist so gefestigt, dass es nicht unbedingt auf die letzten Worte in der Kabine ankommen wird.

Folglich kann sich der 1. FC Köln zum Abschluss auf einen top-motivierten Gegner gefasst machen?

Ja, davon gehe ich schwer aus. Von den Spielern wird keiner schon gedanklich im Urlaub sein. Auch wenn ich grundsätzlich Sympathie für den FC empfinde: Unsere Mannschaft will es den Kölnern so unangenehm wie möglich machen und unsere Fans werden sie in nach vorne peitschen. Wir können keine Rücksicht auf den FC nehmen. Aus Gründen der Integrität des Wettbewerbs, aber natürlich auch, weil wir noch ein eigenes Ziel haben, nämlich die bestmögliche Abschlussplatzierung in unserer Bundesliga-Premierensaison. Mit einem Sieg haben wir sogar vielleicht noch Chancen auf einen Platz in der Conference League. Der wäre das i-Tüpfelchen auf diese grandiose Saison. Wir beschränken uns vom Kopf her auf keinen Fall.

Ich hätte in meiner Karriere selbst mal gerne für den 1. FC Köln gespielt, leider gab es nicht die entsprechende Möglichkeit
Marc Schnatterer über den 1. FC Köln

Sie sprachen gerade von Sympathien gegenüber dem FC. Woher rühren diese?

Wenn ich ehrlich bin: Ich hätte in meiner Karriere selbst mal gerne für den 1. FC Köln gespielt, leider gab es nicht die entsprechende Möglichkeit (lacht). Ich war privat schon gelegentlich mit Freunden in Köln und mag die Stadt, die lockere Art der Menschen, die offene Stimmung. Und ich feiere gerne auch mal Karneval – auch wenn der bei uns im Süden anders heißt. Ich komme gut mit Marco Höger klar, mit dem ich am Ende meiner Karriere bei Waldhof Mannheim noch zusammengespielt habe. Högi verkörpert ja Köln und den FC. Der Verein hat natürlich nicht nur viel Tradition, sondern auch eine große Wucht und Strahlkraft. Es ist ein bisschen schade, dass das sportliche Abschneiden des FC in den vergangenen Jahren dem einer Sinuskurve gleicht. Man weiß wirklich nie, was einem beim FC erwartet – wahrscheinlich wissen das der Klub und seine vielen Fans auch nie ganz genau (lacht). Aber warum das so ist, da steht mir aus der Ferne kein Urteil zu.

Ihr Klub hat einen stringenten Aufstieg in den vergangenen Jahren hinter sich. Lange wurde der 1. FC Heidenheim chronisch unterschätzt. Das macht wohl jedoch keiner mehr, oder?

Natürlich sind wir immer noch ein Außenseiter in der Bundesliga. Aber man darf durchaus selbstbewusst sagen: Wer uns immer noch absolut unterschätzt, der hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Der FCH hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, ist gewachsen. Wir waren schon in der 2. Bundesliga fast immer oben dabei. Der Aufstieg letzte Saison war kein Zufallsprodukt – auch wenn das Zustandekommen mit dem dramatischen Sieg in der Nachspielzeit am letzten Spieltag in Regensburg natürlich verrückt war.

Wer uns immer noch absolut unterschätzt, der hat seine Hausaufgaben nicht gemacht
Schnatterer über die Entwicklung des 1. FC Heidenheim

Wie lautet das Erfolgsrezept des 1. FC Heidenheim?

Insbesondere Kontinuität im Verein. Und natürlich auch Kontinuität auf der Trainerbank. Frank Schmidt hat der Mannschaft eine Identität gegeben. Ich kenne und schätze ihn seit 16 Jahren. Er ist einer der wichtigen Bausteine des Erfolgs. Darüber hinaus hat der FCH eine gute, passende Philosophie entwickelt. Die Verantwortlichen wissen genau, wie sie eine funktionierende Mannschaft zusammenstellen müssen. Sie wissen, welche Typen wir brauchen. Da geht es nicht nur um die fußballerische Qualität, sondern auch um die charakterlichen Eigenschaften und den Hunger auf Erfolg. Das Mannschaftsgefüge und ein guter Teamgeist sind unser Faustpfand. Auf dem Platz weiß das Team, was seine Stärken und auch seine Defizite sind. Und was es machen oder eben lassen muss, um auch gegen besser besetzte Mannschaften eine Chance zu haben. Dazu kommt, dass sich natürlich auch das Umfeld des Klubs weiterentwickelt hat. Viele mittelständische, aber auch größere Unternehmen aus der Region bilden das Gerüst – insgesamt sind es über 500 Partner und Sponsoren. Dabei wissen wir auch, dass wir nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investieren müssen. Die Voith-Arena beispielsweise soll in den nächsten Jahren auf 25.000 Plätze ausgebaut werden. Wir müssen insgesamt weiter kreativ sein und wollen den unseren Heidenheimer Weg so fortführen.

Könnte Frank Schmidt auch bei einem anderen Klub funktionieren?

Eine spannende Frage, zutrauen würde ich es ihm auf jeden Fall. Frank hat in Heidenheim aber einen Vertrag bis 2027. Und so, wie wir ihn alle kennen, wird er diesen zu 100 Prozent erfüllen.

Mal Hand aufs Herz: Schmerzt es Sie, den Heidenheimer Rekordspieler, beim bisherigen Höhepunkt der Klubgeschichte nicht mehr auf dem Platz dabei zu sein?

Ich bin jetzt 38 – nein, das würde nicht mehr funktionieren. Ich bin echt dankbar, dass ich im hohen Fußballeralter noch auf ziemlich hohen Niveau spielen konnte und erst mit 37 Jahren meine Karriere beendet habe. Ich bin mit Heidenheim von der Regionalliga bis in die vorderen Regionen der 2. Bundesliga vorgedrungen. Ich bin froh, dass ich ein Teil der Erfolgsgeschichte dieses Klubs war. Und jetzt bin ich ins Trainergeschäft eingestiegen und arbeite weiter für diesen tollen Verein (Co-Trainer der U19-Junioren und Markenbotschafter, d. Red.). Ich habe mittlerweile – wie Marco Höger – den B-Plus-Trainerschein erworben. Und nehme demnächst den A-Schein in Angriff. Ich sehe jetzt alles mal aus einem anderen Blickwinkel. Und auch das ist sehr spannend und reizvoll.

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