Köln – Das letzte Bundesliga-Spiel konnte der 1. FC Köln noch vor Zuschauern siegreich gestalten. Fast sieben Monate ist das her, am 6. März gewann der FC mit 2:1 in Paderborn. Danach folgten zwölf sieglose Geisterspiele für die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol. Und auch beim Derby am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach muss der FC voraussichtlich wieder auf Fans verzichten, da der entscheidende Corona-Inzidenzwert derzeit über der Grenze von 35 liegt (aktuell: 36,4). Eine Entscheidung wird allerdings erst am Freitag fallen.
„Wir wären vorbereitet“
Das beschäftigte am Donnerstagmittag auch die Verantwortlichen des 1. FC Köln. „Wenn der Wert so bleibt, haben wir keine Zuschauer, so einfach ist das. Wir haben intensiv an einem Hygienekonzept gearbeitet, das schon vor Wochen vom Gesundheitsamt für gut befunden und verabschiedet wurde. Wir würden uns natürlich wahnsinnig freuen, wenn der Wert noch mal fallen würde. Wir wären vorbereitet“, sagte Sportchef Horst Heldt. Gisdol betonte, dass Fans gerade seiner Mannschaft helfen könnten, ihr Wegbleiben aber auch kein Alibi für sie sein dürfe. „Wir leben ganz klar auch von der Verbundenheit zu unseren Fans, die uns tragen. Wenn keine Zuschauer da sein sollten, darf das aber auch keine Entschuldigung sein. Dann müssen wir für die Fans, die zu Hause mit uns fiebern, liefern.“
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Noch nicht für Samstag, aber für die kommenden Aufgaben darf der Trainer fast sicher mit einem weiteren Neuzugang rechnen. „Wir wollen versuchen, noch jemanden zu verpflichten, der uns weiterbringt. Wir sind in Gesprächen und haben die Position definiert“, erklärte Heldt. Kommen soll offenbar ein Spieler für linke Offensivseite, die Verhandlungen stehen angeblich vor dem Abschluss. Am Montag schließt das Transferfenster.
Meré und Jakobs fehlen gegen Gladbach
Nicht einsatzfähig sind am Samstag neben dem langzeitverletzten Florian Kainz auch Jorge Meré und Ismail Jakobs, die laut Gisdol in der kommenden Woche ins Mannschaftstraining zurückkehren sollen. Auch Anthony Modeste sei weiterhin kein Thema. „Er ist noch nicht so weit. Wir werden ihm die Zeit geben. Er war die ganze Vorbereitung raus, wir müssen ihn Stück für Stück aufbauen“, sagte Gisdol und erklärte, dass sich der einstige Torjäger in der kommenden Woche in München erneut einer Nachkontrolle, aber keinem Eingriff unterziehen wird. „Wir müssen akzeptieren, dass es ein langer Weg ist. Aber Tony kommt vorwärts“, sagte Gisdol, dem aber voraussichtlich wieder Rechtsverteidiger Benno Schmitz zur Verfügung steht. Äußerst fraglich ist der Einsatz von Kapitän Jonas Hector, der nach seiner Kopfverletzung aus dem Bielefeld-Spiel auch am Donnerstag noch nicht mit dem Team trainieren konnte. „Bei Jonas müssen wir abwarten, er hat noch Probleme.“
„Mannschaft hat Wut in den Knochen“
Während der 1. FC Köln mit null Punkten in die Saison gestartet ist, blieb auch Borussia mit einem Zähler bisher hinter den Erwartungen zurück. Gisdol könnte sich vorstellen, dass die Fohlenelf deshalb ebenfalls nicht mit der breitesten Brust in Köln antreten wird, unabhängig davon lobte der Coach aber den Gegner. „Gladbach hat eine tolle Mannschaft, spielt in der Champions League. Da wurde gute Arbeit geleistet. Wir wollen dagegenhalten, auch wenn der Gegner stark erscheint. Wir haben solche Gegner schon bezwungen, wir können das.“ Der Kölner Trainer zeigte sich überzeugt, dass seine Spieler am Samstag etwas geraderücken wollen. „Wir hätten in beiden Spielen punkten können, das ist ärgerlich. Die Mannschaft hat ein Stück weit Wut in den Knochen, weil wir null statt zwei Punkte haben. Die wollen wir uns zurückholen, egal gegen wen.“
Wie wird mit Reisewarnungen umgegangen?
Nach dem Derby werden zahlreiche Kölner Spieler zu den Länderspielen ihrer Nationalmannschaften abreisen – einige in so genannte Corona-Krisengebiete. Thematisiert wurde das am Geißbockheim bereits am Donnerstag. Sportchef Heldt erwähnte, dass der Weltverband Fifa die Klubs immer noch nicht informiert habe, wie mit Reisewarnungen umzugehen sei. In der Vergangenheit habe man keine Spieler für Reisen in Risikogebiete abstellen müssen. „Es ist ärgerlich, dass es noch keine Informationen gibt. Der Ablauf ist einfach nicht gut. Als Verein erwartet man Hilfe und Klarheit, und die bekommen wir aktuell nicht.“ Das sei für alle Beteiligten und den Fußball insgesamt schwierig. Heldt abschließend: „Ich bin dafür, Wettbewerbe durchzuführen, wenn man sich nicht gefährdet. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, muss man das aber auch akzeptieren.“



