Stürmer des 1. FC KölnBei Andersson besteht Mini-Hoffnung – bei Uth herrscht Ungewissheit

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Kölns Stürmer Sebastian Andersson lässt sich während des Banach-Gedächtnisspiels mit FC-Fans fotografieren.

Wieder da: Am Donnerstag während des Maurice-Banach-Gedächtnisspiels schrieb FC-Stürmer Sebastian Andersson (M.) Autogramme und stand für Fotos mit den Fans zur Verfügung.

Kölns Trainer Steffen Baumgart hofft, dass Stürmer Sebastian Andersson in den letzten Saisonspielen noch zu einer Option wird. Mark Uths Zukunft ist dagegen völlig ungewiss.

Das Gedenken und die Hilfe für die Familie des 1991 tödlich verunglückten FC-Stürmers Maurice Banach stand am Donnerstagabend im Testspiel des 1. FC Köln gegen den belgischen Erstligisten VV St. Truiden (0:1) natürlich im Vordergrund. Das unterstrich nach dem Abpfiff auch Steffen Baumgart, dennoch zählte für den FC-Trainer auch die sportliche Komponente des Abends.

Und man merkte Baumgart an, dass er nicht wirklich glücklich war mit der Vorstellung seiner Mannschaft, die wegen der vielen Länderspielabstellungen natürlich stark ersatzgeschwächt war. „Man hat gesehen, dass wir zwar talentierte Spieler haben, aber Männerfußball ist noch mal etwas anderes“, wurde Baumgart dann doch deutlich. Auch wenn dieser Test kein wirklicher Maßstab für das anstehende Bundesliga-Derby gegen Gladbach (2. April) ist, so zeigte sich erneut, dass dem in Abstiegsgefahr geratenen FC derzeit jegliche Durchschlagskraft und Torgefahr abgehen.

Rückkehr von Mark Uth völlig ungewiss

Über die Transfer-Politik des FC vor allem in der Offensive lässt sich trefflich diskutieren, man kann oder sollte sie sogar kritisieren, allerdings darf man dabei auch nicht vergessen, dass den Kölnern zwei erfahrene Kräfte in dieser Saison komplett fehlen. Mark Uth (31) zählt zu den Führungsspielern der Kölner, über den gleichaltrigen Sebastian Andersson lässt sich das nicht sagen. Doch während eine Rückkehr von Uth weiterhin überhaupt nicht absehbar ist, könnte Andersson, der Torjäger der traurigen Gestalt, im Saisonendspurt unverhofft doch noch zum Einsatz kommen. Das ließ Baumgart am Donnerstag durchblicken.

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„Nicht erschrecken, wenn Sebastian dabei ist“

Nach Anderssons umstrittener und vom Klub nicht befürworteten Knie-Operation schien die Saison für den Schweden bereits beendet und das Verhältnis zu den Verantwortlichen angespannt. Doch in dieser Woche kehrte der Stürmer nach Köln zurück, setzte sein Aufbauprogramm fort und stand auch am Geißbockheim auf dem Trainingsplatz.

„Was ich von Sebastian gesehen habe, sieht erst mal positiv aus. Er hatte nun wirklich keine einfache Zeit. Wenn man Licht am Ende des Tunnels sieht, ist das schön. Dabei werden wir ihn weiter unterstützen. Nicht erschrecken, wenn er nächste Woche schon das Aufwärmen mitmacht: Das Mannschaftstraining ist dann trotzdem noch weit weg“, sagte Baumgart und sprach – mit aller Vorsicht – schon von einem nicht mehr für möglich gehaltenen Comeback von Andersson im FC-Trikot: „Vielleicht haben wir sogar die Möglichkeit, ihn noch mal zu bringen. Und vielleicht macht er noch das ein oder andere entscheidende Tor für uns – wie in der Relegation vor anderthalb Jahren. Das würden wir uns alle wünschen.“ Der Weg sei zwar noch sehr lang, doch Andersson könne die letzten Hürden nehmen.

Steffen Baumart schätzt Anderssons Durchschlagskraft

Baumgart schätzt eigentlich die Qualitäten des Schweden insbesondere im gegnerischen Strafraum: dessen Durchsetzungsvermögen, Präsenz und Kopfballstärke. Doch die konnte Andersson im Gegensatz zu seinen Zeiten bei Union Berlin in Köln aus unterschiedlichen Gründen nie konstant abrufen. Sein bestes Spiel lieferte er 2021 in der Relegation ab, beim 5:1-Sieg in Kiel hatte er mit zwei Toren entscheidenden Anteil am Klassenerhalt. „Er ist ein Stürmer, den du von seiner Präsenz her durchaus einsetzen kannst“, sagte Baumgart und fügte selbst hinzu: „…wenn er fit und gesund ist.“ Und das war dieser fast nie.

Baumgart mahnt deshalb auch noch zur Geduld mit dem Angreifer, der im September 2020 für die stattliche Ablöse von 6,5 Millionen Euro nach Köln gewechselt war. Eine Summe, die er niemals mit seinen Leistungen rechtfertigen konnte. Der Schwede, so vermittelte er jedenfalls den Anschein, schien in Köln auch nie richtig angekommen und mit dem Verein warm geworden. Ob das wirklich so ist, weiß Andersson wohl nur selbst, denn er äußerte sich öffentlich so gut wie nie. Fakt ist, dass er zweimal einen Absprung aus Köln beabsichtigte: Im Sommer 2021 war Andersson bereits zu Transferverhandlungen in Antalya, im Jahr darauf platzte dann ein Wechsel zu Brondby.

Gegen Ende seiner Zeit in Köln könnte er plötzlich doch noch mal zu einem Faktor werden. Der Plan ist nun, dass der Angreifer in der kommenden Woche erste Übungen mit der Mannschaft absolvieren und peu à peu die Belastung steigern soll. „Eine Fußball- und Trainings-Belastung sieht dann schon noch anders aus, als das, was Sebastian gerade macht“, blieb Baumgart vorsichtig. Doch sollte das Knie keine neuerliche Reaktion zeigen, könnte Andersson Mitte April wieder komplett im Mannschaftstraining sein und wäre dann vielleicht doch noch eine Option im Bundesliga-Endspurt, in dem es für seine Noch-Mannschaft mittlerweile einzig um den Klassenerhalt geht. Ganz gleich, wie diese Saison für den FC auch ausgeht: Danach werden sich die Wege von Andersson, dessen Vertrag im Juni ausläuft, und den Kölnern nach knapp drei enttäuschenden Jahren trennen.

Bei Mark Uth sieht die Situation komplett anders aus. Der Verein setzt auf ihn. Anfang des Jahres gab der FC die vorzeitige Vertrags-Verlängerung bis 2025 mit dem technisch versierten Porzer bekannt. Doch im Gegensatz zu Andersson wird der 31-Jährige in dieser Saison definitiv nicht mehr für seinen Heimatklub auflaufen können. Mehr noch: Wann dies überhaupt wieder der Fall sein wird, ist komplett ungewiss. Uth kommt in dieser Saison einfach nicht auf die Beine. Im Dezember war er bereits zum zweiten Mal an der Leiste operiert worden. Doch der Eingriff brachte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Schmerzen, die eine Rückkehr verhindern, blieben jedenfalls.

„Mark ist nicht mal in der Nähe des Helfens“

Uth wird in dieser Saison auch nicht mehr ins Mannschaftstraining zurückkehren, es gibt keine Prognose für den Heilungsverlauf. „Wir können nicht genau sagen, wie lange es dauert. Mark will uns helfen, aber er ist nicht mal in der Nähe des Helfens. Sein Ausfall wiegt richtig schwer. Diese Position bekommst du nicht ersetzt“, sagte Baumgart mit Bedauern. Einen Zehner mit dem Können von Uth, finde man nicht in der Bundesliga. Baumgart hätte noch anfügen können: schon gar nicht der 1. FC Köln mit seinen arg limitierten finanziellen Mitteln.

Die Tatsache der ungewissen Rückkehr macht es für den FC auch schwierig bis unmöglich, Uth in die Planung für die kommende Saison mit einzubeziehen. Sollte er in der Vorbereitung wieder auf den Platz zurückkehren, hätte er elf Monate kein Fußball mehr gespielt. „Wir können ihn deshalb nicht von Beginn an als auf der Zehnerposition gesetzt einplanen“, so Baumgart.

Kein Kontakt bisher zu Immanuël-Johannes Pherai

Deshalb wird sich der Klub auf dem Transfermarkt auch nach einer Alternative zu Uth umgucken müssen. Gehandelt wurde bereits Immanuël-Johannes Pherai, ein technisch beschlagener, sehr wendiger offensiver Mittelfeldspieler von Eintracht Braunschweig. Beim Zweitligisten konnte sich der Niederländer mit sechs Toren und drei Torvorlagen in 19 Ligaspielen durchaus in den Vordergrund spielen, doch mit erst 21 Jahren konnte Pherai sein Vermögen auch noch nicht nachhaltig unter Beweis stellen.

Baumgart bezeichnete Pherai, der 2022 ablösefrei von Borussia Dortmund II nach Braunschweig gewechselt war und dort einen Vertrag (mit Ausstiegsklausel) bis 2024 unterschrieb, auf Nachfrage auch als „interessanten Spieler“. Doch was sollte der FC-Trainer auch anderes sagen? Dass dieser nichts kann? Bei Eintracht Braunschweig wurde bisher jedenfalls kein Interesse hinterlegt. Doch was nicht ist, kann ja möglicherweise noch werden.

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