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1. FC Köln vor dem SaisonfinaleWagner wartet weiter – und hofft auf München

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1. FC Köln vs. 1. FC Heidenheim, 33. Spieltag, 10-05.2026, 17.30 Uhr, Rene Wagner, Thomas Kessler (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler (l.) und FC-Trainer René Wagner nach dem Heimspiel gegen Heidenheim (1:3)

Beim 1. FC Köln ist die Trainerfrage weiter offen. Die Verantwortlichen stehen zwar hinter René Wagner, doch der Coach hat noch keine Zusage.

Es war, für seine Verhältnisse, am Donnerstagmittag fast ein ungewohnter Redefluss. René Wagner, der Mann, der seine Antworten sonst gerne knapp und präzise hält, zog an Christi Himmelfahrt etwas länger Bilanz. Der 37-Jährige sprach über Fehler, über Erwartungen, über Hoffnungen – und über eine Zukunft, die er selbst noch nicht kennt. Wer Wagner kennt, weiß: Das ist nicht selbstverständlich. Diesmal war er fast gesprächig.

Dabei hat der Interimstrainer des 1. FC Köln Grund zur Zurückhaltung. Denn auf die eine Frage, die ihn und den gesamten Verein seit Wochen beschäftigt, gibt es noch immer keine Antwort – zumindest keine definitive für die Öffentlichkeit. Wer steht nächste Saison als Trainer an der Seitenlinie des FC? Wagner weiß es nicht. Und er gab zu, das selbst ein bisschen falsch eingeschätzt zu haben.

Vor dem Heidenheim-Spiel hatte der Interimstrainer und Nachfolger von Lukas Kwasniok noch Bemerkenswertes gesagt: „Ich gehe mal davon aus, dass wir ab morgen mehr wissen werden.“ Ein Satz, der aufhorchen ließ – vielleicht auch etwas unbedacht formuliert – und der sich als voreilig herausstellte. Denn nach der blamablen 1:3-Heimniederlage gegen Heidenheim wussten weder Wagner noch irgendjemand sonst mehr als zuvor. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler fing die Aussage seines Trainers noch im Stadion ein: Er habe am Montag „keinen Termin mit Wagner im Kalender“, ließ er im TV-Interview wissen. Punkt.

Da habe ich vielleicht selbst ein wenig spekuliert. Ich hoffe, dass aus Spekulation ein Feedback wird. Denn was meine Zukunft angeht, habe ich das noch nicht bekommen.

An diesem Schwebezustand hat sich in der Folgewoche nichts verändert. „Ich gebe zu, da habe ich selbst vielleicht ein bisschen spekuliert“, räumte Wagner zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel beim FC Bayern (Samstag, 15.30 Uhr) offen ein. Und ergänzte nüchtern: „Aktuell habe ich noch nichts gehört.“ Dann, nach kurzem Innehalten: „Ich hoffe, dass aus Spekulation ein Feedback wird. Denn was meine Zukunft angeht, habe ich das noch nicht bekommen.“ Wagner wartet. Auf ein Gespräch, auf ein Signal, auf eine Ansage von Kessler.

Dabei ist die Grundhaltung auf Vereinsseite nicht ohne Wohlwollen für den Coach. Aus dem Umfeld der Vereinsverantwortlichen ist zu vernehmen, dass man gerne mit dem 37-Jährigen in die neue Saison gehen und ihn vom Interims- zum Cheftrainer machen würde. Die FC-Bosse halten viel vom gebürtigen Dresdner – vor allem fachlich. Die Rückendeckung, die Wagner intern genießt, ist real.

Niemand verkörpert diese Haltung mehr als Kessler selbst. Der Sport-Geschäftsführer hat Wagner erst zum FC zurückgeholt und ihn dann Ende März aus der Co-Trainer-Rolle an die Spitze befördert – und er hat seither nicht aufgehört, an ihn zu glauben. Wagner ist, in gewissem Sinne, sein Trainer. Er hat ihn in dieser Funktion praktisch erfunden, hat ihm die Bühne gegeben, und er will ihn nun gerne und mit Überzeugung an den Verein binden.

Doch selbst die größte persönliche Überzeugung eines Funktionärs muss sich an der Realität messen. Und die Realität ist: Ein Cheftraineramt beim 1. FC Köln ist kein gewöhnlicher Job. Es geht nicht nur um taktisches Können, Trainingslehre oder Spielanalyse. Es geht auch um Außenwirkung. Um Charisma. Um die Fähigkeit, an einem emotional aufgeladenen und historisch gewichtigen Standort wie Köln Hoffnung zu transportieren, Tiefe zu vermitteln, Intelligenz auszustrahlen – in guten wie in schlechten Momenten. Der FC ist kein Klub, bei dem ein Trainer im Verborgenen wirkt. Er verkörpert den Klub.

Dass Wagner an genau diesem Punkt noch Überzeugungsarbeit zu leisten und Nachholbedarf hat, ist offensichtlich. Vor allem die Niederlage gegen Heidenheim, aber auch einige andere ernüchternde Auftritte – wie das 1:1 beim Schlusslicht St. Pauli – haben ihre Spuren hinterlassen: beim Anhang, bei den Gremien, bei all jenen, die den FC auch in der nächsten Saison in der Bundesliga sehen wollen. „Logischerweise war es nicht so, dass ich durch die Stadt getragen worden bin“, sagte Wagner trocken.

Auf seine Bilanz als Interimstrainer darf man zu Recht mit einem kritischen Blick schauen: Sechs Punkte aus sieben Spielen – eine Ausbeute, die Fragen aufwirft. Immerhin hat er den FC anfangs so stabilisiert, dass der Klassenerhalt auch dank der Schwäche der Konkurrenz bereits seit zwei Wochen feststeht. Doch eine deftige Niederlage in München würde den Ballast weiter vergrößern, mit dem Wagner in eine mögliche neue Saison starten würde. Die Verantwortlichen erwarten nach dem Heidenheim-Desaster eine Reaktion. Und die Fans erst recht. Ungünstig nur, dass ausgerechnet der letzte Gegner der FC Bayern ist – das Nonplusultra der Liga.

Dennoch: Ein überzeugender Auftritt in der Allianz-Arena würde vieles erleichtern – vor allem atmosphärisch. München bietet die Kulisse, die einem Trainer helfen kann, wenn er sie nutzt. Wenn Wagner seine Mannschaft organisiert, mutig und mit klarer Idee auftreten lässt, wenn der FC mehr ist als die Randerscheinung einer Meisterfeier, dann wäre das auch Werbung in eigener Sache. „Danach spekuliere ich vielleicht wieder“, sagte Wagner mit einem leichten Lächeln, als er gefragt wurde, wann er seine Zukunft klären möchte. Und dann, ernst: „Ich möchte bis dahin ruhig bleiben. Wenn es so kommt, freue ich mich über das Vertrauen im Verein.“ Selbst die Möglichkeit, in die Co-Trainer-Rolle zurückzukehren, schloss er nicht aus. „Denkbar ist erst mal alles“, sagte Wagner. Aber man merkte: Das ist gewiss nicht sein Plan. Er will Cheftrainer bleiben, hat erkennbar Lust an diesem Job – bei diesem Verein, in dieser Stadt.

Krauß fällt aus, Martel wieder dabei

Personell muss Wagner bei Bayern auf Tom Krauß verzichten, der wegen anhaltender Knieprobleme passen muss. Für ihn rückt der zuletzt gelbgesperrte Eric Martel zurück auf die Doppelsechs. Außerdem darf sich Jahmai Simpson-Pusey Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Der 20-jährige Engländer hatte gegen Heidenheim einen unrühmlichen Platz auf der Tribüne, nachdem er ein Anschwitzen verpasst hatte. „Jahmai war bislang pünktlich“, sagte Wagner milde – und gab zu verstehen, dass der Verteidiger eine zweite Chance verdient hat. Die Einstellung seiner Mannschaft wollte Wagner nicht grundsätzlich in Frage stellen, aber: „Es ging weniger um den Charakter, sondern den absoluten Fokus. Die Jungs wollten, haben aber die eine oder andere Entscheidung nicht gut getroffen. Das muss besser werden.“

In München muss vieles besser werden. Für den FC. Und für René Wagner.