Pfiffe waren die logische Quittung für einen uninspirierten Auftritt des FC beim 1:3 gegen Heidenheim. Der Verein verabschiedet ein Spieler-Trio.
Bei Abschied eines TriosDer 1. FC Köln ist einen ganzen Tag im Tiefschlaf

Es war manchmal kaum zum Hingucken: Der 1. FC Köln um Torschütze Marius Bülter verlor gegen das bisherige Schlusslicht Heidenheim mit 1:3.
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So tritt keine Mannschaft auf, die ihren Trainer unbedingt behalten will: Der 1. FC Köln hat wieder einmal bewiesen, dass er keine Spiele gewinnen kann, in denen es für ihn um nicht mehr viel geht. Der Bundesliga-Aufsteiger, der seit Samstag den Klassenerhalt sicher hatte, verlor am Sonntag nach einem über weiten Strecken schwachen Auftritt mit abenteuerlichem Abwehrverhalten gegen den FC Heidenheim mit 1:3. Als um 19.25 Uhr der Abpfiff ertönte, waren Pfiffe die logische Quittung für einen uninspirierten Auftritt.
Damit verharrt der FC nach 33 Spieltagen mit 32 Punkten auf Platz 14. Es war das sechste Spiel unter Interimstrainer René Wagner. Die Bilanz ist mittlerweile dürftig: ein Sieg, drei Unentschieden, zwei Niederlagen. Am Donnerstag hatte sich Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler noch öffentlich zu Wagner bekannt. Nimmt man allerdings die Leistung von Sonntag zur Hand, lieferte seine Mannschaft keine Argumente für eine Weiterbeschäftigung. Der Gast dagegen schöpft durch den Sieg neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt – und ist nicht mehr Letzter, hat St. Pauli in der Tabelle überholt. Am letzten Spieltag kommt es zum direkten Duell zwischen St. Pauli und Wolfsburg; die Heidenheimer empfangen daheim Mainz. „Lothar Matthäus hat gestern gesagt: Wolfsburg 60 Prozent, St. Pauli 30 Prozent, wir 10 Prozent. Ich würde dem Lothar nie widersprechen. Aber 10 Prozent sind 1000 Prozent mehr als noch vor ein paar Wochen“, sagte Heidenheims Trainer Frank Schmidt.
Wagner wollte allerdings mit seiner Mannschaft nicht zu hart ins Gericht gehen und befand: „Wir hatten nach dem Ausgleich eine gute Struktur und auch zwei, drei Chancen. Da waren wir nicht effizient genug in der Phase. Wir wollten nach der Pause energisch auf den Ausgleich spielen. Es ist immer schwer, gegen eine tiefstehende Mannschaft, die gut kontern kann. Wir haben es nicht geschafft, im letzten Drittel noch mehr Druck auf das Tor zu bekommen. Wir wollten mit viel Fußball gefährlich werden, waren bei zwei, drei Abschlüssen auch zu ungenau. Deswegen haben wir mit 1:3 verloren.“
Simpson-Pusey fliegt aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader
Den ersten Aufreger hatte es schon weit vor dem Anpfiff gegeben: Jahmai Simpson-Pusey stand weder in der Startelf noch im Kader, weil er zu spät zum sogenannten Anschwitzen erschienen war. René Wagner verzichtete deshalb aus disziplinarischen Gründen auf den Innenverteidiger, der FC kommunizierte das erstaunlich offen. „Wir haben die ganze Woche darüber gesprochen, dass das Spiel für uns wichtig ist. Dann müssen wir Haltung zeigen. Wenn ein Spieler zu spät ist, muss es Konsequenzen geben und die Mannschaft es zu spüren bekommen“, erklärte Wagner vor dem Spiel bereits bei „Dazn“.
Simpson-Pusey, von Manchester City ausgeliehen und eigentlich für rund acht Millionen Euro per Kaufoption fest einzuplanen, absolvierte in dieser Saison wegen Verletzung, Rotsperre und Sonderurlaub nur insgesamt zehn Pflichtspiele. In die Innenverteidigung neben Cenk Özkacar rückte Joel Schmied. Für Rav van den Berg, den teuersten Neuzugang des vergangenen Sommers, blieb wieder einmal nur ein Platz auf der Bank. Für den gesperrten Eric Martel und Luca Waldschmidt kamen Isak Johannesson und Linton Maina in die Startelf. Im Kader standen auch die altgedienten FC-Profis Florian Kainz und Dominique Heintz, die ihre Karriere beenden (Kainz) beziehungsweise an anderer Stelle fortsetzen werden (Heintz).
Es entwickelte sich zu Beginn eine muntere, allerdings fehlerbehaftete Begegnung. Aus Kölner Sicht begann sie mit einem groben Patzer von Cenk Özkacar, der einen haarsträubenden Fehlpass in die Beine von Arijon Ibrahimovic spielte. Der schaltete gedankenschnell, zog an die Grundlinie und bediente Jan Schöppner, der aus kurzer Distanz zur Führung der Gäste einköpfte (8.). Der FC schlug postwendend zurück: Nach einem feinen Steckpass von Tom Krauß narrte Marius Bülter Torhüter Frank Feller und zog frech ins kurze Eck – 1:1 (10.). Allerdings blieb das Abwehrverhalten der Hausherren abenteuerlich. Gleich mehrere Kölner griffen Dinkci nur alibimäßig an, der zum freistehenden Ibrahimovic spielte. Beim anschließenden Klärungsversuch beförderte Kristoffer Lund die Kugel in die eigenen Maschen – 1:2 (28.). Der FC hatte danach zwar durch Bülter (31.) und Said El Mala (38.) weitere Chancen, doch in der Abwehr präsentierten sich die Kölner noch schläfriger als Simpson-Pusey. Die Quittung: Pfiffe bereits beim Halbzeitpfiff.
Emotionaler Abschied von Kainz, Heintz und Kilian
Besser wurde es nach dem Wechsel nicht. Die Kölner hatten Glück, dass Schöppner einen Schuss nicht verwandelte (62.) und Schwäbe kurz darauf stark gegen Ibrahimovic parierte. In der 71. Minute brandete Applaus auf – mit dem Spiel hatte das nichts zu tun: Wagner wechselte Kainz zu seinem letzten Einsatz in Müngersdorf ein. Und der miterlebte, wie Dinkci auf Schöppner zurücklegte, der zum 3:1 traf (73.). Auch Heintz kam noch ins Spiel (89.) – das war es allerdings auch mit dem Positiven. Die beiden Routiniers sowie Luca Kilian wurden nach dem Partie noch von der Vereinsführung verabschiedet, einige Fans hatten allerdings Müngersdorf da schon verlassen. Sie waren gefrustet.

Emotionale Szenen: Luca Kilian (v.l.), Dominique Heintz und Florian Kainz verabschieden sich von den Fans des 1. FC Köln
Copyright: Emotionale Szenen: Luca Kilian (v.l.), Dominique Heintz und Florian Kainz verabschieden sich von den Fans des 1. FC Köln
„Man will sich nicht mit einer Niederlage im letzten Heimspiel verabschieden“, sagte Kainz. Er sei froh gewesen, noch seine Minuten bekommen zu haben, habe versucht, sich „nochmal in die Hose zu setzen“. Doch das Ergebnis blieb enttäuschend.
Was den Abend dennoch zu etwas Besonderem machte, war die Zeremonie nach dem Schlusspfiff. Als die Videosequenzen für Luca Kilian und Jonas Hector über die Leinwand liefen, wartete Kainz auf seinen eigenen Moment. „Wenn man die Videos von Kili und von Heintzi sieht, mit denen man so viel erlebt hat, und dann das eigene noch sieht und verabschiedet wird – das ist schon sehr emotional.“
Dass er seinen Abschied in der Bundesliga feiern kann, war Kainz nach eigenen Worten sehr wichtig – gerade nach dem Abstieg, den er als Kapitän mitverantwortet hatte. „Das habe ich in Interviews immer wieder betont. Ich bin sehr froh, dass wir die Klasse gehalten haben. Ich muss meine Karriere nicht als Absteiger beenden.“
