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FC-Trainer übt Generalkritik„Ab Platz zwei alles bodenlos“ – Kwasnioks Wort zum Sonntag

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Pressekonferenz, 1. FC Köln, 23.01.2026 Lukas Kwasniok 1. FC Köln, Cheftrainer während der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen SC Freiburg. Pressekonferenz, 1. FC Köln, 23.01.2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi video. *** Press conference, 1 FC Köln, 23.01.2026 Lukas Kwasniok 1 FC Köln, head coach during the press conference before the Bundesliga match against SC Freiburg Press conference, 1 FC Köln, 23.01.2026 DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Copyright: xBEAUTIFULxSPORTS/Buriakovx

FC-Trainer Lukas Kwasniok am Freitag

Der FC tritt Sonntag in Freiburg an. Kölns Trainer spricht nicht nur über das Spiel, sondern auch über Hysterie im Fußball und die Ruhe im Sturm.

Lukas Kwasniok, das wurde im ersten halben Jahr seines Wirkens als Cheftrainer des 1. FC Köln deutlich, ist grundsätzlich ein positiv denkender, lebensbejahender Mensch, der das Glas überall lieber halb voll als halb leer sieht. Der allerdings, wenn ihm etwas nicht passt, seine Stimme erhebt und deutlich und direkt werden kann. So wie am Freitag vor dem Spiel der Kölner am Sonntag (17.30 Uhr) beim SC Freiburg.

„Amen!“: Kwasnioks Wort zum Sonntag. Denn mit dem Gebetsabschluss schloss der Trainer seine Pressekonferenz. Der Coach nutzte die Gelegenheit nicht nur, um über verletzte Spieler oder die bevorstehende Partie zu sprechen, sondern er erteilte der vermeintlichen Hysterie im Fußball eine klare Absage. Die Bundesliga sei längst ein Umfeld, in dem Erfolge kaum gewürdigt, Krisen aber sofort dramatisiert würden. „Wo ist es denn positiv?“, fragte er rhetorisch und zählte auf: Leipzig, Dortmund, Leverkusen, Frankfurt – Teams, die sportlich solide arbeiten und trotzdem medial oft schlechtgeredet würden. „Die können wir ja komplett abmelden. In Frankfurt sind sie ja eigentlich schon abgestiegen – außer bei den Bayern wird ja alles niedergeschrieben.“

Ab Platz zwei ist ja gefühlt alles bodenlos. Alle sind unfassbar schlecht – und trotzdem sind die Stadien immer voll. Total lustig.
FC-Trainer Lukas Kwasniok über die Bundesliga

Für Kwasniok zeigt es, wie stark die Erwartungshaltung im deutschen Fußball angeblich verzerrt ist. Sie sei „bei den Menschen so extrem geworden, dass der zweite Platz nichts mehr wert ist. Und das ist ein Fehler im System.“ In einer Liga, in der realistisch nur ein Verein Meister werden kann – fast immer der FC Bayern –, würden alle anderen automatisch unter Druck geraten. „Es kann nur einer Erster werden – und normalerweise sind es die Bayern.“ Wer nicht auf dem ersten Platz stehe, werde sofort als gescheitert wahrgenommen, unabhängig von der tatsächlichen sportlichen Leistung. „Ab Platz zwei ist ja gefühlt alles bodenlos. Alle sind unfassbar schlecht – und trotzdem sind die Stadien immer voll. Total lustig.“ Der Trainer versuchte, sogar den ganz großen Bogen zu spannen: „Wenn du die politische Seite aufschlägst, hast du auch das Gefühl: Ganz, ganz schlimm – alles ist schlimm. Ich finde es okay.“

Gerade für einen Klub wie den 1. FC Köln empfindet Kwasniok diese Haltung als besonders unfair: „Für einen Aufsteiger waren wir die ganze Zeit in einer absolut ordentlichen Konstellation.“ Trotzdem lässt sich der Trainer nicht treiben. „Wir müssen uns immer auf das nächste Spiel konzentrieren und dürfen uns nicht von Tabellenplätzen oder externer Kritik verrückt machen lassen.“ Einzelne Spieler könnten nach Niederlagen unzufriedener sein als nach Siegen – „das liegt in der Natur der Sache“. Doch insgesamt gebe es keine interne Krise: „Im Gesamtumgang miteinander war da nie irgendwie ein Thema.“

Kwasniok zieht daraus ein klares Prinzip: Er will Ruhe bewahren, den Blick auf das Wesentliche richten und sich nicht treiben lassen. Sportlich sieht sich der FC trotz zwischenzeitlich acht Spielen ohne Sieg auf Kurs. Der 2:1-Erfolg gegen Mainz am vergangenen Wochenende war wie eine Erlösung, der auch den größten Druck von der Mannschaft und auch seinem zuvor in die Kritik geratenen Trainer genommen hat. „Wir wollen jetzt nachlegen“, sagte Kwasniok und betonte die Konzentration auf die bevorstehende Aufgabe. Ein Auswärtsspiel, das traditionell anspruchsvoll ist, zumal Freiburg zu Hause seit dem ersten Spieltag ungeschlagen ist – inklusive Europapokal. Der Trainer bleibt jedoch optimistisch: „Wenn wir die gleiche Energie auf den Platz bekommen wie gegen die Bayern oder Mainz, dann sind wir dort nicht chancenlos.“

Kwasniok begrüßt FC-Personalien auf der Führungsebene sehr

Kwasniok ist ein emotionaler Typ, der manchmal auch unberechenbar erscheint. Dennoch ist der 44-Jährige auch einer, der Konstanz und Kontinuität schätzt. Erst recht, wenn er mit gewissen Personen im Verein gerne und eng zusammenarbeitet. In dieser Woche bewies der FC – fast untypisch für diesen Klub in den vergangenen Jahrzehnten – Kontinuität, was sich in der Verkündung der Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Philipp Türoff bis 2029 und der Beförderung des bisherigen Sportdirektors Thomas Kessler zum Geschäftsführer Sport (Vertrag bis 2028) dokumentierte.

Kwasniok begrüßt die Personalien ausdrücklich, vor allem die von Kessler, ist er doch sein enger Mitstreiter in sportlichen Belangen. Und der 40-Jährige ist auch der Manager, der Kwasniok von Paderborn ans Geißbockheim geholt hatte. „Ich finde das absolut richtig und sehr gut – Thomas hat das verdient, und es ist eine wichtige Entscheidung für den Verein, für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Das ist gut für den Verein, gut für die Mannschaft, gut für die Fans – es gibt nur Gewinner.“ In Kwasnioks Augen sei die klare Struktur im Verein ein entscheidender Faktor für Stabilität: „Wenn die internen Abläufe stimmen und alle an einem Strang ziehen, dann profitiert die gesamte Mannschaft davon.“

Dass Kessler nach dem Heidenheim-Spiel explizit vor der Mannschaft gesprochen habe und allem Anschein nach auch deutliche Worte fand, sei weder ungewöhnlich noch problematisch. „Alles andere wäre doch ein Bananenverein, wenn Sportdirektor und Trainer nicht abgestimmt vor der Mannschaft sprechen würden.“ Zeitpunkt und Inhalt solcher Auftritte seien klar koordiniert. „Das passiert immer in Abstimmung mit mir.“ Kwasniok setzt auf enge Zusammenarbeit, Beständigkeit, Ruhe und Geduld. Und intern auf eine Art Wagenburg. Und so rundete er seine Wortmeldung mit einem Augenzwinkern und einem klaren Bekenntnis zur Gelassenheit ab: „Das ist ungefähr so sensationell wie das Amen am Ende des Gottesdienstes. Amen.“