Ein Prozess vor dem Landgericht soll seit Dienstag klären, wer Said El Mala zum 1. FC Köln brachte. Einer der wichtigsten Zeugen kam verspätet: Ex-FC-Manager Christian Keller.
Gerichtsprozess enthülltDarum wäre der Wechsel von Said El Mala zum 1. FC Köln fast geplatzt

Christian Keller am Dienstag (14. April 2026) vor Gericht beim Prozess um Said El Mala.
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Am Dienstagvormittag machte sich Ratlosigkeit im Saal 117 des Kölner Landgerichts breit. Die Verhandlung über den Wechsel von Said El Mala zum 1. FC Köln war bereits in vollem Gange, doch vom wichtigsten Zeugen fehlte jede Spur. Eigentlich war Christian Keller für Punkt zehn Uhr zur Aussage geladen. Doch als der ehemalige FC-Sportchef an der Reihe sein sollte, war er zunächst nicht auffindbar.
„Das ist schade“, stellte der Richter betrübt fest und zog die Vernehmung eines anderen Zeugen vor. Als danach auch ein erneutes Ausrufen Kellers nicht den gewünschten Erfolg brachte, startete auf dem Flur die Suche nach ihm. Mit knapp zehn Minuten Verspätung betrat Keller schließlich den Saal. Offenbar war er an der Sicherheitsschleuse aufgehalten worden. „Lange Kontrolle am Eingang“, entschuldigte sich der 47-Jährige, der bei der Angabe seiner persönlichen Daten prompt für ein weiteres Schmunzeln beim Publikum sorgte. „Bis vor kurzem Fußball-Manager“, antwortete Keller auf die Frage nach seiner beruflichen Tätigkeit. Seit seiner Trennung vom FC im Mai 2025 ist der gebürtige Schwarzwälder ohne Anstellung.
Zehn Zeugen mussten vor Gericht antreten
Inzwischen lebt Keller wieder in seiner Heimat. Für den Gerichtstermin war er extra aus dem Süden angereist. Kein Vergnügen in Zeiten rasant steigender Spritpreise, doch Keller wird auf den Kosten nicht sitzenbleiben. Als einziger Zeuge nahm er das Angebot zur Erstattung der Fahrtkosten an. „Da die Anreise länger war“, wie der Ex-Manager fast schon entschuldigend anmerkte. Es war nur eine von vielen drolligen Anekdoten, die während der dreistündigen Verhandlung Erheiterung hervorriefen.
Mit seiner Klage gegen Said El Malas Ex-Klub FC Viktoria Köln sorgte der frühere Profi Abdenour Amachaibou (39) dafür, dass sich die lokale Fußball-Prominenz am Dienstag im Landgericht die Türklinke in die Hand gab. Nicht weniger als zehn Zeugen – darunter die Viktoria-Urgesteine Franz und Mike Wunderlich – mussten vor Gericht antreten. Für den FC war unter anderem Thomas Kessler als Zeuge geladen. Das jedoch dürfte den meisten Besuchern erst aufgefallen sein, als Kessler den Gerichtssaal betrat. Der FC-Sportchef hatte sich offenbar über einen Nebeneingang ins Gebäude geschlichen – und war so den im Foyer wartenden Fotografen aus dem Weg gegangen.
Nichts hat darauf hingewiesen, dass er für die Bundesliga-Mannschaft des FC taugen würde
Christian Kellers Schilderungen über die Abläufe bei der Verpflichtung von Said El Mala ließen die Arbeit der Scouting-Abteilung des FC derweil in keinem guten Licht erscheinen. Die Berichte der Talentspäher hätten „nicht suggeriert, dass wir den Spieler verpflichten müssen“, erklärte Keller. Demnach sei El Mala nach Einsätzen in der 3. Liga von den FC-Scouts zweimal mit „gut“ und einmal mit „befriedigend“ bewertet worden. „Nichts hat darauf hingewiesen, dass er für die Bundesliga-Mannschaft des FC taugen würde.“
Er selbst habe erst durch einen Anruf Amachaibous von El Mala gehört und daraufhin eine Verpflichtung in die Wege geleitet, berichtete Keller über ein Gespräch mit seinem früheren Spieler aus Regensburger Zeiten. Ein verblüffendes Bekenntnis, mit dem der damalige FC-Sportchef auch sich selbst kein rosiges Zeugnis ausstellte. Thomas Kessler erklärte, dass der FC die Brüder Said und Malek El Mala „schon länger im Blick“ gehabt habe. Es sei schließlich „kein Hexenwerk“, talentierte Spieler, die „vor der Haustür“ spielten, ausfindig zu machen. Dennoch sagte auch Kessler: „Den Ausschlag für die Verpflichtung hat Herr Keller gegeben.“
Landgericht will Urteil am 19. Mai verkünden
Nachwuchs-Chefscout Martin Bülles berichtete wiederum, dass Said El Mala schon seit 2017 in den Kölner Notizbüchern vermerkt gewesen sei. Damals habe der Stürmer noch im Nachwuchs des KFC Uerdingen gespielt. Am 19. Dezember 2023 habe Bülles sich dann mit der Familie El Mala in einer Pizzeria in Hürth getroffen, um den Wechsel des Brüderpaars ans Geißbockheim zu forcieren. Doch zwei Tage später wurde der FC von der Fifa zu einer einjährigen Transfersperre verurteilt. Bülles sei dennoch hartnäckig geblieben und habe El Mala aus eigenem Antrieb auch bei dessen erstem Drittligator für die Viktoria am Ostersonntag 2024 persönlich beobachtet. Dafür habe er die Ostereiersuche mit der Familie sausen lassen. „Meine Frau war davon nicht begeistert“, merkte der FC-Scout augenzwinkernd an.
Ein Urteil will das Gericht am 19. Mai verkünden. Die Chancen der Viktoria stehen gut, mit einem blauen Auge davonzukommen. Nach vorläufiger Einschätzung des Richters habe Amachaibous Hinweis an Keller zwar maßgeblich dazu beigetragen, dass der FC die Verpflichtung El Malas in die Wege geleitet habe. Doch offenbar war zwischen Amachaibou und der Viktoria kein wirksamer Vermittlungsvertrag zustande gekommen. Zuvor war eine außergerichtliche Einigung zwischen beiden Parteien gescheitert. Nach Informationen unserer Redaktion hatte das Gericht eine Zahlung in Höhe von 16.000 Euro an Amachaibou vorgeschlagen. Der frühere Profi fordert dagegen mehr als 40.000 Euro von der Viktoria.
