Der 28-jährige Innenverteidiger kommt für rund vier Millionen Euro Ablöse aus Nürnberg und ist der erste externe Sommer-Transfer des FC.
Luka LochoshviliDer erste Neue des FC erinnert an Jeff Chabot

Luka Lochoshvili lief in der vergangenen Saison für den 1. FC Nürnberg auf.
Copyright: IMAGO/Zink
Der 1. FC Köln hat seinen ersten externen Sommer-Transfer perfekt gemacht. Am Donnerstag bestand Luka Lochoshvili den Medizincheck in der Mediapark-Klinik, wenig später unterschrieb der georgische Innenverteidiger am Geißbockheim seinen Dreijahresvertrag beim Bundesligisten. Nach mehr als sechs Wochen ohne externen Neuzugang ist die Transferflaute vorbei, Lochoshvili ist da. Die offizielle Verkündung soll noch am Donnerstagabend erfolgen.
Der 28-Jährige war am Mediapark bereits im neuen Adidas-Outfit zu sehen. Es war ein langer und besonderer Tag für einen Spieler, der beim 1. FC Nürnberg in der 2. Bundesliga überzeugen konnte und seinen Marktwert innerhalb einer Saison von 500.000 auf 2,5 Millionen Euro steigerte. Die Kölner zahlen nach Informationen dieser Zeitung etwas über vier Millionen Euro – viel Geld für einen Verteidiger, der bis auf 25 Serie-A- und 52 Bundesliga-Spiele in Österreich wenig Erstliga-Erfahrung auf höchstem Niveau sammelte. Aber der FC ist offenbar von Lochoshvili überzeugt, der Jeff-Chabot-Vibes versprüht, da er ähnliche Qualitäten wie der Ex-Kölner mitbringt: Mit 1,92 Metern ist der Georgier ebenfalls groß, spielt kompromisslos, ist kopfballstark, ist für einen Verteidiger torgefährlich und soll emotional und führungsstark sein – genau die Mentalität, die der FC braucht.
Lochoshvili erinnert an Chabot
FC ist seine siebte Auslands-Station Lochoshvili, wer? Das dürfte mancher FC-Fan gedacht haben. Doch der Georgier ist kein Unbekannter in Europa. Seine Karriere begann 2016 bei Dinamo Tiflis (22 Erstliga-Einsätze), führte ihn über Dynamo Kiew und Leihen zu Žilina schließlich 2020 zum Wolfsberger AC in Österreich, wo er sich etablierte und sogar in der Europa League auflief. Im Sommer 2022 folgte der Serie-A-Schritt zu US Cremonese (1,6 Millionen Euro Ablöse). Sein Debüt: 22. August 2022 gegen AS Rom. Nach dem Abstieg absolvierte er noch 22 Ligaspiele in der Serie B, wurde im Januar 2025 an Salernitana ausgeliehen (18 Einsätze, volle 180 Minuten in den Relegations-Playoffs gegen Sampdoria) – und erlebte einen zweiten Abstieg.
Im Juli 2025 wechselte er für rund eine Million Euro zum 1. FC Nürnberg. In der Saison 2025/26 bestritt er 33 Liga-Einsätze (2950 Minuten, fünf Tore, zwei Torvorlagen) und spielte sich damit ins Blickfeld der Kölner. Lochoshvili schließt beim FC die Planstelle des linken Innenverteidigers – eine Position, die seit dem Abschied von Routinier Dominique Heintz (zur Fortuna Düsseldorf) und der Entscheidung gegen eine Festverpflichtung von Leihspieler Cenk Özkacar verwaist ist. Der kampfeslustige Türke war dem FC im Paket offenbar zu teuer. Der georgische Nationalspieler (32 Einsätze) kann beide Innenverteidiger-Positionen übernehmen und hat auch als linker Verteidiger für Georgien gespielt. Im Aufbau werden ihm Schwächen nachgesagt, doch für die Kölner haben Stabilität, Zweikampfverhalten und mentale Stärke Priorität.

Verteidiger Jeff Chabot lief von Januar 2022 bis Sommer 2024 für den FC auf.
Copyright: Herbert Bucco
Der 1. FC Köln wird für Lochoshvili bereits der siebte Klub außerhalb der Heimat – viel Fluktuation für einen 28-Jährigen, aber auch viel Erfahrung. Und an der mangelt es beim FC: Rav van den Berg (21), Julian Pauli (20), Jahmai Simpson-Pusey (20) sind zwar alle talentiert, aber noch jung. Joel Schmied (27) und Timo Hübers (29) bringen Erfahrung mit, doch Ex-Kapitän Hübers wird noch bis zum Winter ausfallen. Lochoshvili soll der jungen Abwehr mit seiner Erfahrung und seiner Einstellung helfen.
Damit ist rund zwei Wochen vor dem Trainingsstart am 13. Juli eine zentrale Baustelle geschlossen. Die Verantwortlichen hatten zuvor lediglich die Leihspieler Tom Krauß, Jakub Kaminski und Jahmai Simpson-Pusey fest verpflichtet. Mit Lochoshvili beginnt nun die echte Sommer-Arbeit. Auch im Trainerteam ist die letzte offene Baustelle beseitigt.
Der FC gab am Donnerstag bekannt, dass Armin Reutershahn (66) bleibt und einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat. Der Co-Trainer komplettiert das Gespann um Chefcoach René Wagner. Zusammen mit Kevin McKenna und Evangelos Sbonias wird Reutershahn Wagner in der kommenden Saison zur Seite stehen. Von Reutershahns Ruhe und großer Erfahrung hatte das Kölner Team in den schwierigsten Phasen der Rückrunde profitiert – sagen die Verantwortlichen. „Ich habe ihn in der Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten sehr zu schätzen gelernt“, befand Wagner. „Armin hat uns in schwierigen Zeiten unheimlich geholfen und wird auch weiterhin ein wichtiger Ansprechpartner für mich sein.“ Sportchef Thomas Kessler ergänzte: „Mit seiner Erfahrung, Ruhe und seiner Art, mit Menschen umzugehen, bringt er jeden Tag einen großen Mehrwert ein.“
Reutershahn selbst freute sich: „Ich wurde hier von Beginn an super aufgenommen. Die Zusammenarbeit mit dem Trainerteam und der Mannschaft macht sehr viel Spaß. Gemeinsam konnten wir das Ziel Klassenerhalt erreichen. Nun möchte ich dabei helfen, dass wir uns weiterhin stabilisieren und die nächsten Schritte machen.“
Mein Punkt (von Lars Werner)
Die Ungeduld rund um den FC beim Thema Zugänge kannte zuletzt kaum Grenzen. Sportchef Kessler wurde in sozialen Medien für seine vermeintliche Untätigkeit verspottet. Doch das Transferfenster ist bis zum 1. September geöffnet, etwas mehr Vertrauen wäre angebracht. Klar ist: Lochoshvili darf nur der Anfang sein. Der FC benötigt weitere Verstärkungen, idealerweise bis zum Trainingslager Ende Juli. Gleichzeitig könnten Schlüsselspieler wie El Mala und Kaminski für etwa 70 Millionen Euro gehen – was die wirtschaftliche Lage des FC verbessern würde. Das Dilemma: Sollten die Verkäufe erst spät über die Bühne gehen, würden sich die weiteren Planungen verzögern.
