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Sechste Muskelverletzung in 2026FC hat die Seuche und muss auch auf Joel Schmied verzichten

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Joel Schmied 1. FC Köln liegt verletzt am Boden waehrend des Spiels der Bundesliga zwischen 1. FC Köln und TSG Hoffenheim, RheinEnergieSTADION am 21. February 2026 in Köln, Deutschland. Foto von Oliver Kaelke/DeFodi Images  Joel Schmied 1. FC Köln injured on the ground during the Bundesliga match between 1. FC Köln and TSG Hoffenheim at RheinEnergieSTADION on February 21, 2026 in Köln, Germany. Photo by Oliver Kaelke/DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Photo by Oliver Kaelke/DeFodi Images - *** Joel Schmied 1 FC Köln injured on the ground during the Bundesliga match between 1 FC Köln and TSG Hoffenheim, RheinEnergieSTADION on February 21, 2026 in Köln, Germany Photo by Oliver Kaelke DeFodi Images Joel Schmied 1 FC Köln injured on the ground during the Bundesliga match between 1 FC Köln and TSG Hoffenheim at RheinEnergieSTADION on February 21, 2026 in Köln, Germany Photo by Oliver Kaelke DeFodi Images DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Photo by Oliver Kaelke DeFodi Images

Jahmai Simpson-Pusey (r.) vom 1. FC Köln kümmert sich im Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim um den angeschlagenen Teamkollegen Joel Schmied.

Die lange Liste der FC-Profis mit muskulären Problemen wächst weiter. Mit Pech alleine ist das kaum mehr zu begründen. Sorgen auch um El Mala.

Als der 1. FC Köln am Dienstagnachmittag das Training wieder aufnahm, fehlte einmal mehr ein Defensivspieler. Joel Schmied musste sich verletzungsbedingt abmelden. Wie der Bundesliga-Aufsteiger mitteilte, fällt auch der Schweizer wegen einer Muskelverletzung aus. Das ist das Ergebnis einer MRT-Untersuchung. Die ohnehin lange Liste der FC-Profis mit muskulären Problemen wächst damit weiter. Und sie trifft den Klub an einer besonders sensiblen Stelle: Trainer Lukas Kwasniok gehen die Optionen auf der rechten Abwehrseite aus. 

Schmied hatte am vergangenen Samstag beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim auf der rechten Seite begonnen. Bitter: Der Schweizer war erst gerade von einer schweren Muskelverletzung (mit Sehnenbeteiligung) zurückgekehrt. Für das Auswärtsspiel am Freitag (20.30 Uhr) beim FC Augsburg stehen Kwasniok dort gleich mehrere Alternativen nicht zur Verfügung: Neben Schmied fehlen auch Sebastian Sebulonsen, Jan Thielmann und Alessio Castro-Montes. Vier potenzielle Rechtsverteidiger oder rechte Schienenspieler – alle außer Gefecht. Alle mit Muskelverletzungen. Der Fluch der feinen Fasern.

El Mala steigt aus Einheit vorzeitig aus

Dazu kommt: Seit Dienstagnachmittag gibt es auch Sorgen um Said El Mala. Das Ausnahmetalent musste aufgrund von Oberschenkelproblemen vorzeitig aus der Einheit aussteigen. Weitere Untersuchungen folgen.

Die personelle Lage zwingt Kwasniok erneut zu Improvisationen. Möglich erscheint jetzt, dass Cenk Özkacar, Rav van den Berg und Jahmai Simpson-Pusey die Dreierkette bilden und Kwasniok Jakub Kaminski auf die rechte Schiene zurückbeordert. Linton Maina hat nach auskuriertem Rippenbruch zwar seine Rückkehr angekündigt, doch eine Startelf-Kandidat für eine Position, die ohnehin nicht für ihn prädestiniert erscheint, ist er wohl kaum. Zudem fehlte Maina am Dienstag auch krankheitsbedingt. U19-Rechtsverteidiger David Fürst spielte sich zwar zuletzt in den Vordergrund und war bereits in Stuttgart (1:2) Teil des Kaders, doch Bundesliga von Beginn an ist noch einmal eine andere Hausnummer.

Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler hatte zuletzt betont, die medizinische Abteilung nicht verantwortlich zu machen. Doch allein mit Verletzungspech lässt sich die Häufung kaum noch erklären. Vieles deutet darauf hin, dass die Mannschaft der hohen Intensität Tribut zollt, die Kwasnioks Spielidee verlangt. Der FC gehört ligaweit zu den laufstärksten Teams – ein Markenzeichen, das seinen Preis haben könnte.

Bereits vor Schmied hatten sich am Wochenende Thielmann und Sebulonsen abmelden müssen. Beide stehen dem Klub „vorerst“ nicht zur Verfügung, die Ausfallzeit dürfte mehrere Wochen betragen.

Am Geißbockheim wiederholt sich seit Wochen dasselbe Muster: Kaum kehrt ein Spieler zurück, meldet sich der nächste mit muskulären Problemen ab. Am vergangenen Wochenende wurde diese Entwicklung besonders deutlich. Während Jahmai Simpson-Pusey beim 2:2 gegen Hoffenheim sein Comeback in der Innenverteidigung gab, erwischte es Thielmann und Sebulonsen. Thielmann klagte bereits beim Aufwärmen über muskuläre Probleme, so dass Kwasniok seine Startelf kurzfristig umbauen musste. Sebulonsen wiederum musste Mitte der zweiten Halbzeit vom Platz – ein ungewohntes Bild für den Norweger, der sich im Defensivverbund zur festen Größe entwickelt hatte – auch wenn er gegen Hoffenheim nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Und dann angeschlagen raus musste. Für ihn kam nach 69 Minuten der 20-jährige Engländer Simpson-Pusey.

Rechte Seite eine Baustelle

MRT-Untersuchungen brachten bei beiden Spielern die gleiche Diagnose: strukturelle Muskelverletzungen. Damit ist die rechte Seite für die kommenden Wochen eine Baustelle. Und das zu einem Zeitpunkt, der für den Aufsteiger kaum ungünstiger sein könnte. Zwar tritt der FC beileibe nicht auf wie ein Absteiger und war nur ganz selten in einer Partie chancenlos, doch mit Beginn des letzten Saisondrittels befindet sich der Aufsteiger als Tabellenzwölfter dennoch mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Das Duell in Augsburg hat richtungsweisenden Charakter – auch mit Blick auf das darauffolgende Heimspiel gegen Borussia Dortmund und der zusammengerückten unteren Tabellenhälfte. Nach dem 2:1-Sieg des FC St. Pauli gegen Werder Bremen beträgt der Vorsprung der Kölner auf einen direkten Abstiegsplatz nur noch fünf Punkte.

Intern beschäftigt die Serie an Muskelverletzungen die Verantwortlichen schon länger. Der Fokus liegt dabei ausdrücklich nicht auf der medizinischen Abteilung. Kessler hatte deren Arbeit erst kürzlich gelobt und insbesondere Christian Osebold hervorgehoben. „Wir haben einen herausragenden leitenden Mitarbeiter in unserer medizinischen Abteilung. Auch die ärztliche Betreuung ist auf einem hohen Niveau“, sagte der Sportchef zuletzt dem „Express“. Verletzungen müsse man immer individuell betrachten, betonte Kessler – auch wenn sich solche Phasen niemand wünsche.

Sechs Muskelverletzungen in 2026

Von einer kurzen Phase kann jedoch kaum noch die Rede sein. Schmied, Thielmann und Sebulonsen sind bereits die FC-Profis Nummer vier, fünf und sechs, die im Jahr 2026 wegen Muskelproblemen nicht zu Verfügung stehen. Zuvor hatte es Dominique Heintz erwischt, der sich im Wintertrainingslager verletzte, zu früh zurückkehrte und seither noch kein Spiel bestreiten konnte. Seine letzte Partie bestritt der Routinier am 20. Dezember gegen Union Berlin (0:1). Auch Neuzugang Simpson-Pusey musste nach vier Einsätzen pausieren. Der 20-Jährige war ohne Spielpraxis von Manchester City gekommen und in der Englischen Woche sofort voll gefordert worden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Alessio Castro-Montes. Der Belgier spielte sich in der Wintervorbereitung in den Vordergrund, stand in vier von fünf Ligaspielen in der Startelf und überzeugte mit drei Vorlagen – bis auch ihn eine Muskelverletzung stoppte. Erst kurz zuvor war Schmied nach mehr als zweimonatiger Pause zurückgekehrt.

Kwasniok selbst sieht die Ursachen nicht primär in der Trainings- oder Belastungssteuerung. Vielmehr habe sich der Umgang mit Verletzungen im modernen Fußball verändert. „Heute nimmt man Spieler eher mal zwei, drei Wochen raus, damit nichts Schlimmeres passiert“, erklärte der Trainer zuletzt bereits. Zugleich räumte er ein, bei Simpson-Pusey und Castro-Montes bewusst ein Risiko eingegangen zu sein. Nach Monaten ohne Spielpraxis sei „die Summe der Spiele“ ausschlaggebend gewesen. „Die Spieler haben performt – deshalb möchte man sie auf dem Platz haben“, sagte Kwasniok. Der schmale Grat zwischen Leistungsanforderung und Verletzungsrisiko bleibt für den FC damit eine der zentralen Herausforderungen im Saisonendspurt. Moment geht der Schuss zumindest personell eher nach hinten los.