Acht Millionen Euro zahlte der FC für Rav van den Berg, doch zuletzt kam der Niederländer nur auf wenig Spielzeit – Gegen Hoffenheim zeigte er, warum sich das nun nachhaltig ändern könnte
Rav van den Berg überzeugtDer Chef meldet sich zum Dienst

Rav van den Berg zeigte beim 2:2 gegen die TSG Hoffenheim eine starke Partie.
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Rav van den Bergs erste Saison in Köln verlief bislang nicht nach Wunsch. Erst vier Tage vor dem ersten Pflichtspiel im Pokal in Regensburg stieß der Niederländer zum Kader – für einen erhofften Abwehrchef ein ungünstiger Zeitpunkt. Hinzu kam, dass der FC für den Kapitän der niederländischen U21-Nationalmannschaft viel Geld zahlte. Die rund acht Millionen Euro bedeuteten für den Aufsteiger eine Investition, die dem jungen Verteidiger auch eine Last aufbürdete.
Dennoch startete van den Berg am zweiten Bundesliga-Spieltag zwar verspätet, aber aussichtsreich in seine Kölner Zeit. Beim 4:1 gegen Freiburg deutete er die Mischung aus Eleganz, Spielverständnis und Zweikampfgeschick an, die Thomas Kessler bewogen hatte, die große Summe an den englischen Zweitligisten FC Middlesbrough zu überweisen.
Doch der Rückschlag folgte bald: Bereits in seinem zweiten Einsatz für den FC, beim VfL Wolfsburg, erlitt van den Berg eine schwere Schulterverletzung, musste operiert werden und verpasste mehr als zwei Monate – nur um im letzten Spiel der Hinserie gegen Union Berlin eine unglückliche Rote Karte wegen eines Handspiels zu sehen. Während der Winterpause war also klar, dass er die beiden Auftaktspiele ins neue Jahr verpassen würde. Lukas Kwasniok hatte demnach wochenlang Zeit, ohne den 21-Jährigen zu planen.
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In den ersten sieben Spielen des neuen Jahres kam van den Berg insgesamt fünfmal nicht zum Einsatz, obwohl er nach starken Trainingsleistungen vor der Partie gegen Stuttgart nahe daran schien. Doch Kwasniok entschied sich für den gerade erst von einer langwierigen Muskelverletzung genesenen Joel Schmied. Die Begründung dürfte bei van den Berg ernsthafte Bedenken ausgelöst haben. Gegen ein Spitzenteam wolle er die „physisch stärkste Mannschaft auf dem Platz“ haben, erklärte der Kölner Trainer und verwies auf Schmieds Qualitäten beim „Rausbeschleunigen und Zupacken“: Der Schweizer habe eine „unglaubliche Power“. Weil er außerdem Cenk Özkacars starken linken Fuß brauche und Eric Martels „aufopferungsvolle“ Spielweise, habe er sich gegen van den Berg entschieden.
Man hätte daraufhin die Frage stellen können: Was soll das für ein Königstransfer sein, der gegen Spitzenmannschaften nicht spielen kann, weil ihm Power, linker Fuß und Opferbereitschaft fehlen? Doch Kwasniok hatte eine Tür offengelassen: Seine Festlegungen seien jederzeit durch Trainingseifer zu revidieren. Zumal es ihm eher darum gehe, aus welchen Gründen er andere Spieler aufstelle – und nicht, warum er van den Berg nicht aufstelle. Mehrfach honorierte Kwasniok van den Bergs Einsatz. Er habe „das Gefühl gehabt, dass er es mir zeigen will. Die Jungs haben immer die Möglichkeit, sich reinzuarbeiten“, sagte der Coach. Und hielt sein Versprechen: Beim 2:2 gegen Hoffenheim am Samstag spielte der Niederländer von Beginn an – und rechtfertigte seinen Einsatz vollends.
Sein Trainer skizzierte hinterher noch einmal die jüngste Entwicklung des Spielers. „Er war schon vor Stuttgart auf einem guten Weg, das hat er zuletzt bestätigt. Ich habe einen anderen Rav wahrgenommen, der sehr fokussiert war“, lobte Kwasniok.
Zweimal erwähnte er nach dem Spiel die jüngste Arbeit am Verteidigen gegnerischer Standards. Eric Martel habe sich in der Woche vor dem Spiel dabei hervorgetan, daher habe er sich spontan für Martel in der Startelf entschieden, als Jan Thielmann wegen einer Muskelverletzung kurzfristig ausgefallen war. Auch van den Berg sei ein Faktor gewesen auf dem Kölner Weg zu größerer Standfestigkeit bei Eckbällen und Freistößen von der Seite. „Wir haben an Standards gearbeitet, auch da war Rav ein Dominator. Das hat er heute auch im Spiel gezeigt“, sagte Kwasniok.
Ich habe einen anderen Rav wahrgenommen, der sehr fokussiert war
Es war ein grundsolider Auftritt des Niederländers. Kein Kölner gewann so viele Kopfballduelle in der Defensive wie van den Berg, der zudem die mit Abstand beste Passquote der Kölner Abwehrkette verzeichnete. Weil nach Jan Thielmann auch Sebastian Sebulonsen wegen einer Muskelverletzung vorerst ausfällt, haben die Kölner auf der rechten Seite zwar ein neues Problem. Für van den Berg bedeutet die Malaise aber immerhin, dass er weniger Konkurrenz um einen Platz in der Startelf hat. Lukas Kwasniok jedenfalls stellte ihm weitere Einsätze in Aussicht. „Er war heute ein Fels in der Brandung, hat sehr souverän agiert. Das war ein guter Beginn, um in den nächsten Spielen ein ganz wichtiger Bestandteil der Mannschaft sein zu können.“
Freitagabend in Augsburg
Am Freitagabend (20.30 Uhr) spielen die Kölner beim FC Augsburg. Alessio Castro-Montes dürfte gegen die Schwaben erneut ausfallen. Weil Jahmai Simpson-Pusey nach seiner Einwechslung in der 69. Minute einen bemerkenswerten Eindruck hinterlassen hatte, könnte der junge Engländer zum Kandidaten für die Startelf werden. Gegen Hoffenheim rückte er in die Innenverteidigung, um Schmied abzulösen, der auf Sebulonsens rechte Seite wechselte.
Mit vier Innenverteidigern auf dem Platz ließen die Kölner kaum noch etwas zu. Schmied gewann sogar Laufduelle mit Hoffenheims schnellem Ivorer Bazoumana Touré. So könnte Kwasniok am Ende alle Komponenten auf den Rasen bekommen: Özkaçars linken Fuß, Schmieds Power, Martels Opferbereitschaft – und Van den Bergs spielerische Eleganz.

