Der frühere FC-Profi spricht im Interview auch darüber, warum der Auftakt für die deutsche Nationalmannschaft so wichtig ist.
Kölner WeltmeisterDas sagt Podolski über die deutschen WM-Chancen, alte Weggefährten und El Mala

Lukas Podolski (r.) und Bastian Schweinsteiger 2014 in Rio mit dem WM-Pokal
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Lukas Podolski absolvierte nicht nur 130 Länderspiele, sondern der Kölner nahm an drei Fußball-Weltmeisterschaften teil und wurde mit der deutschen Nationalmannschaft 2014 Weltmeister. Der frühere FC-Profi weiß also aus eigener Erfahrung, worauf es im Turnier ankommt.
Im ersten Teil des Interviews spricht der 41-Jährige über die Mammut-WM, den deutschen Auftakt, was jetzt wichtig ist, alte Weggefährten und FC-Jungstar Said El Mala.
Herr Podolski, 48 Mannschaften, 5,5 Wochen, 104 Spiele – wie stehen Sie dieser Mammut-WM gegenüber?
Lukas Podolski: Ich habe mir kein Ziel gesetzt, wie viele Spiele ich gucken will. Wenn es passt, passt es. Klar ist das ein geiles Ereignis, WM ist immer noch eine WM – auch mit 48 Mannschaften. Das System mit weniger Teams, so wie ich es gespielt habe, finde ich besser. Aber lasst die WM starten, lasst die Jungs spielen und lasst am Ende den Besten das Ding gewinnen.
Besteht nicht die Gefahr, dass das sportlich verwässert?
Warum? Jeder hat die gleichen Bedingungen, jeder weiß, um was es geht. Ich verstehe die Diskussionen drumherum nicht – auch dieses ewige Politische. Lass die Jungs spielen. Natürlich sind einige Umstände nicht gut, aber du kannst es nicht mehr ändern. Jeder wusste seit Jahren, was kommt.
Sind die Diskussionen typisch deutsch?
Ja, typisch deutsch.
Wie groß schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?
Das Ziel für Deutschland ist immer Weltmeister – egal was ist. Die Möglichkeiten hat man, die Voraussetzungen hat man. Ob man der absolute Favorit ist, ist nicht das Entscheidende. Man muss ja nicht aus der Favoritenrolle Weltmeister werden.
Was sind die Stärken des Teams, wo sehen Sie Schwachstellen?
Ich bin zu weit raus für Details. Aber die Qualität im Kader ist da – individuelle Klasse, Spieler auf Champions-League-Niveau. Die Frage ist immer, ob das als Mannschaft auf den Platz kommt.
Der Ausfall von Bayern-Jungstar Lennart Karl – eine spürbare Schwächung?
Keine extreme. Klar hätte er der Mannschaft ein anderes Profil gegeben – das ist für ihn brutal. Aber man muss ihn ersetzen, andere müssen einspringen. Das wird gelingen.
Anscheinend mag Nagelsmann den Spieler nicht, den Spielstil nicht, oder er findet den 1. FC Köln unattraktiv – was auch immer. Rein sportlich hat der Junge es sich verdient.
Und das bringt uns zu Said El Mala von Ihrem langjährigen Klub 1. FC Köln, der für viele Fans der logische Nachrücker gewesen wäre. Wie sehen Sie seine Nicht-Nominierung?
Ich finde es nicht fair. Der Junge hat eine gute Saison gespielt – konstant, auf hohem Niveau. Er hat es verdient, dabei zu sein. Und dann fällt Karl aus – und trotzdem kommt El Mala nicht nach. Das verstehe ich nicht. Man kann einem Spieler mitgeben: Bleib fit, bleib bereit. Anscheinend mag Nagelsmann den Spieler nicht, den Spielstil nicht, oder er findet den 1. FC Köln unattraktiv – was auch immer. Rein sportlich hat der Junge es sich verdient.
Wie nehmen Sie Bundestrainer Julian Nagelsmann generell wahr?
Ich habe mit ihm nie trainiert, nie etwas groß zu tun gehabt. Ein abschließendes Urteil will ich nicht fällen. Aber in der Kommunikation nach außen finde ich ihn ein bisschen unglücklich. Das Thema El Mala ist ein Beispiel dafür. Da wäre mehr Klarheit in der Kommunikation hilfreich gewesen – für alle Beteiligten. Am Ende aber kann es der Trainer nicht allen recht machen.
Manuel Neuer ist mit 40 Jahren zurückgekehrt ins deutsche Tor. Hat Sie das überrascht?
Ein bisschen, weil er eigentlich weg war. Aber Manuel hat noch mal eine neue Luft gespürt, ist fünf Jahre jünger geworden und hat geil gespielt beim FC Bayern. Rein sportlich kann er der Mannschaft auf jeden Fall helfen – auch wenn es für die Torhüter, die auf ihn gewartet haben, schwierig ist. Manchmal gibt das Leben Überraschungen her.
Ist er mit 40 Jahren immer noch der beste Torhüter der Welt?
Einer der besten, gar keine Frage. Für Torhüter ist das Alter zweitrangig. Und allein durch seine Präsenz in der Kabine, im Trainingslager – diese Erfahrung, diese Ruhe, diese Ausstrahlung. Das hat einen Wert, der auf dem Papier nicht steht.
2006 standen Sie als junger Spieler bei Ihrer ersten WM auf dem Platz – damals auch dabei: Cristiano Ronaldo und Messi. Beide sind 20 Jahre später immer noch Teil einer WM. Was geht Ihnen durch den Kopf?
Großartige Spieler, die wahrscheinlich ihr letztes großes Turnier spielen. Man sollte froh sein, dass man sie noch mal auf der höchsten Bühne sieht. Ich habe großen Respekt vor beiden – vor dem, was sie über Jahrzehnte geleistet haben und noch immer leisten. Dann müssen wir alle Hüte ziehen und uns verneigen, dass man solche Spieler in unserer Generation erleben durfte. Das ist etwas ganz Besonderes.
Noch Kontakt zu den beiden?
Man sieht sich ab und zu bei Werbedrehs oder Veranstaltungen, aber ständigen Kontakt gibt es nicht.
Es ist wichtig, nicht nur zu gewinnen, sondern überzeugend aufzutreten. Dieses erste Spiel setzt den Ton für alles, was danach kommt.
Deutschland startet am Sonntag gegen Curacao. Ihr Tipp?
Sieg, egal wie. Ich sage 3:0.
Wie wichtig ist das Auftaktspiel aus eigener Erfahrung?
Enorm wichtig – ich habe das mehrmals selbst erlebt. Gerade für die, die das erste Mal bei einer WM sind: Du bist nervös, hast Druck, hast Erwartungen von dir selbst, den Fans, der ganzen Nation. Mit einem Sieg lässt dieser Druck los. Du merkst: Ich kann das. Wir können das. Das gibt Energie und Selbstvertrauen für das ganze Turnier. Mit einer Niederlage hingegen schleppt du das mit – im Kopf, in den Beinen. Darum ist es wichtig, nicht nur zu gewinnen, sondern überzeugend aufzutreten. Dieses erste Spiel setzt den Ton für alles, was danach kommt.
Im zweiten Teil des Interviews spricht Podolski über die „richtig schwere“ Entscheidung, jetzt seine Karriere zu beenden, seine Pläne unter anderem als Klubbesitzer von Gornik Zabrze und sein Verhältnis zum 1. FC Köln.
