Bayer 04 Leverkusen hat sehr viele hochtalentierte Spieler. Doch wer nimmt die Rohdiamanten in der kommenden Saison an die Hand?
Führungskräfte-MangelBayer 04 sucht neue Anführer - auch auf dem Transfermarkt

Jonathan Tah (l.) hat Bayer 2025 verlassen, Edmond Tapsoba ist Kandidat fürs Kapitänsamt.
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Bayer 04 festigt in der aktuellen Transferphase weiter seinen Ruf als Ausbildungsklub für Top-Talente. Mit 21 Jahren ist Afonso Moreira der bisher älteste der vier Sommerzugänge. Ndjicoura Bomba (18), Aleksa Damjanovic (17) und Kennet Eichhorn (16) sind noch deutlich jünger.
Die große Frage lautet jedoch, wer die Leverkusener Talente in der kommenden Saison an die Hand nehmen wird. Schon in der abgelaufenen Spielzeit offenbarte die Werkself ein Führungsdefizit, das mitentscheidend zum Verpassen des Saisonziels Champions-League-Qualifikation beigetragen hat.
Im Sommer 2025 verließen Lukas Hradecky (36), Jonathan Tah (30), Piero Hincapie (24), Granit Xhaka (33) und Florian Wirtz (23) den Klub. Sie hinterließen nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine eine Lücke, die nicht gefüllt wurde. Simon Rolfes sagt: „Bei der Kaderplanung geht es nicht nur um die fußballerische, die physische oder die technische Komponente. Es geht darum, wie du eine Kabine ausbalancierst.“ Der Sport-Geschäftsführer von Bayer 04 habe aber in der ersten Trainingswoche schon das Gefühl gehabt, dass es ein anderer Start gewesen sei als im vergangenen Jahr. „Letztes Jahr war es schwierig. Viele Spieler waren am Anfang noch gar nicht da, viele Spieler standen vor dem Absprung. Diese Woche war schon ein anderes Teamgefühl da, eine andere Stimmung.“
Geht Robert Andrich zur Eintracht?
Inzwischen hat in Alejandro Grimaldo (30), die nächste Führungskraft, den Verein Richtung Atlético Madrid verlassen. Ein Wechsel von Robert Andrich (31), Kapitän der Vorsaison, ist zudem gut möglich. Andrich wartet ab, ob der neue Trainer Carles Martínez auf ihn setzt. Im zentralen Mittelfeld scheinen jedoch andere Spieler den Vorzug zu erhalten. Ein Wechsel nach dem Trainingslager, das am kommenden Samstag (1. bis 7. August in Blankenhain, Thüringen) beginnt, scheint möglich.
Ein Abgang Andrichs würde den Druck, neues Führungspersonal zu verpflichten, weiter erhöhen. Rolfes betont: „Wenn es um Erfahrung geht, ist das nicht zwingend vom Alter abhängig.“ Er sagt aber auch, dass das Teamgefüge weiterentwickelt werden müsse: „Das kommt natürlich auch, wenn erfahrene Spieler dazukommen. Wir müssen auf dem Transfermarkt schauen: Welche Möglichkeiten haben wir, das hinzuzufügen.“
Sollte Andrich gehen, schrumpft auch der Kreis der Kapitänsanwärter weiter. Patrik Schick (30) ist wohl keine echte Alternative. Der Tscheche hat nicht den Charakter eines Führungsspielers; er gilt als introvertiert, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Zudem ist fraglich, ob Martínez im Sturmzentrum häufiger auf den hochtalentierten Christian Kofane (19) setzen wird. Edmond Tapsoba (27) ist ebenfalls ein ruhiger, introvertierter Typ. Der Innenverteidiger hat sich jedoch zum Ziel gesetzt, mehr aus sich herauszukommen und mehr Verantwortung zu tragen. Erste Schritte hat der Burkiner bereits in der Vorsaison gemacht. Er ist ein Kandidat für die Kapitänsbinde.
Mark Flekken (33) ist derzeit jedoch der wahrscheinlichste Kandidat für das Spielführer-Amt. Der niederländische Nationalkeeper stabilisierte sich nach Anfangsschwierigkeiten und einer längeren Verletzungspause im Saisonendspurt. Sein Wort hat Gewicht. Mit Lukas Hradecky hat Leverkusen bereits gute Erfahrungen mit einem Torwart als Kapitän gemacht. Unter Xabi Alonso wurde Bayer 04 2024 mit der Binde am Arm von Hradecky Doublesieger.
Leverkusen plant in jedem Fall noch mehrere Transfers. Möglicherweise ist auch ein Kapitänskandidat darunter. Rolfes sagt: „Auf der Abgabenseite wird mit Sicherheit noch etwas passieren. Zudem geht es darum, wo wir uns mit der richtigen Spielidee noch verstärken können. Im vergangenen Jahr mussten wir das ganze Gerüst ein Stück weit neu bauen. Jetzt schauen wir punktuell, wo wir uns verstärken können.“
Als möglicher Wechselkandidat gilt weiterhin Kerim Alajbegovic (18). Neben Atalanta Bergamo und dem SSC Neapel bemüht sich aktuell auch der FC Chelsea um den bosnischen Nationalspieler. Nach Informationen unserer Redaktion gab es bisher jedoch keine Verhandlungen mit der Spielerseite. Chelsea hat sich bei Bayer 04 allerdings nach den Transferkonditionen erkundigt.

