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Transfers, Mitarbeiter, SpielideeKeller-Erbe beim 1. FC Köln wird weiter abgewickelt

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20.04.2025, xjpx, Fussball 2.Bundesliga, 1.FC Koeln - Preußen Muenster v.l. Nach Spielende in der Diskussion - Der Sportliche Leiter der Lizenzspielerabteilung, des 1. FC Koeln - Thomas Kessler Koeln - links und Geschäftsführer des 1.FC Koeln - Christian Keller Koeln DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO Koeln *** 20 04 2025, xjpx, Fußball 2 Bundesliga, 1 FC Koeln Preußen Muenster v l After the end of the match in the discussion The sporting director of the licensed player department, 1 FC Koeln Thomas Kessler Koeln left and managing director sports of 1 FC Koeln Christian Keller Koeln DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Koeln

FC-Sportdirektor Thomas Kessler (l.) diskutiert mit dem früheren Kölner Sport-Geschäftsführer Christian Keller

Etliche Entscheidungen des früheren Sportgeschäftsführers des 1. FC Köln sind bereits wieder rückgängig gemacht worden.

Als die Mannschaft des 1. FC Köln am Freitagnachmittag mit der ersten Einheit im Estadi Olímpic Camilo Cano in La Nucia an der Costa Blanca die Vorbereitung auf den zweiten Teil der Bundesliga-Saison aufnahm, fehlte wie erwartet Jusuf Gazibegovic, der stattdessen fast zeitgleich an alter Wirkungsstätte auf dem Platz stand.

Bekanntlich hatte der Bundesliga-Aufsteiger vor Weihnachten bekanntgegeben, dass der beim FC unter Trainer Lukas Kwasniok chancenlose Rechtsverteidiger an seinen früheren Klub Sturm Graz bis Saisonende ausgeliehen wird.

Beinahe untergegangen war am 30. Dezember die Meldung, dass die Leihe von Chilohem Onuoha abgebrochen wird. Der 20-jährige Stürmer war nach seiner Verpflichtung im Sommer 2024 vom FC, der damals noch von einem Registrierungsverbot aufgrund der Fifa-Transfersperre betroffen war, umgehend an den Drittligisten SC Verl ausgeliehen worden. Für die Ostwestfalen erzielte Onuoha zwar in 39 Pflichtspielen immerhin zwölf Tore, dennoch gehörte das Talent nie zum Stammpersonal. Und hatte überhaupt keine FC-Perspektive. Nun schlägt der gebürtige Berliner einen neuen Weg ein und wird dem Vernehmen nach zum portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora wechseln – fest.

16 Spieler haben FC schon wieder verlassen

Gazibegovic und Onuoha sind nur zwei Beispiele dafür, dass vieles aus der Ära des früheren Kölner Sportgeschäftsführer Christian Keller, von dem sich der FC am 5. Mai 2025 zwei Spieltage vor Ende der Zweitliga-Saison getrennt hatte, wieder abgewickelt wird. Das gilt für Spieler-Transfers, aber auch für einige Mitarbeiter. Und sogar auch für die eigentlich fest implementierte Spielidee im Klub. 16 Profis, die seit Beginn der Amtszeit von Keller am 1. April 2022 verpflichtet worden waren, tragen mittlerweile nicht mehr das Trikot mit dem Geißbock auf der Brust. Sie sind entweder verkauft oder verliehen worden.

In Kellers erster Saison 2022/23, deren Sommer-Transfers er aber aufgrund des Zeitpunkts seines Amtsübernahme nicht alleine zu verantworten hatte, sind dies Steffen Tigges, Nikola Soldo, Davie Selke, Kristian Pedersen. Die 2023/24 geholten Leart Pacarada, Faride Alidou, Jacob Christensen, Jeff Chabot, Rasmus Carstensen, Jonas Nickisch und Philipp Pentke haben ebenfalls den FC wieder verlassen. Immerhin brachte Chabot, der sich dem VfB Stuttgart anschloss, dem FC noch eine Ablöse von rund vier Millionen Euro ein.

Im vergangenen Winter verpflichtete der FC gleich vier Spieler – ein Jahr später ist nur noch einer davon Teil des Kaders. Torwart Anthony Racioppi spielte keine Rolle, seine Leihe endete im Sommer. Der für rund 1,5 Millionen Ablöse aus Lodz geholte und mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattete Stürmer Imad Rondic wurde an Raków Częstochowa ausgeliehen, enttäuscht aber auch beim polnischen Erstligisten. Der 26-Jährige hat in 18 Spielen noch nicht getroffen, deshalb werden ein vorzeitiges Ende der Leihe oder ein weiterer Wechsel diskutiert. Gazibegovic ist zurück in Graz. Lediglich Schmied (kam für 2,5 Millionen Euro vom FC Sion), der sich nach seiner Verletzung noch im Aufbautraining befindet, aber mit nach Spanien gereist ist, hat sich am Geißbockheim durchgesetzt.

Möglicherweise wären es noch mehr Spieler gewesen, die mittlerweile schon wieder FC-Geschichte sind, wären die Kölner nicht von Anfang Januar 2024 bis Ende Dezember 2024 von der Transfersperre betroffen gewesen.

Allerdings gelang Keller auch ein Volltreffer auf dem Transfermarkt, der mit dem Ex-Sportchef in Verbindung bleiben wird, da das Ausnahmetalent Said El Mala (19) aller Voraussicht nach irgendwann der Rekordtransfer der Vereinsgeschichte werden wird. Auch wenn insbesondere Nachwuchs-Chefscout Martin Bülles und der einstige Profi-Chefscout das Talent im Auge behielten und auch während der Transfersperre den Kontakt suchten, so war letztlich entscheidend für den FC-Wechsel ein Treffen in einer Loge im Rhein-Energie-Stadion im Sommer 2024, an dem Keller und der heutige Sportdirektor Thomas Kessler teilgenommen hatten. Am 25. Juni 2024 machten die Kölner offiziell, dass Said und sein Bruder Malek El Mala (20) ans Geißbockheim wechseln und vorerst an Viktoria Köln ausgeliehen werden.

Auch Schulz wieder für den FC tätig

Anfang April 2025 gab der FC zudem bekannt, dass sich der Klub von eben jenem Chefscout Schulz trennt. Keller teilte die Entscheidung dem langjährigen und geschätzten FC-Mitarbeiter mit, die bei vielen auf Unverständnis stieß. Gabor Ruhr, der bereits von 2015 bis 2018 als Spielanalyst für den FC tätig war und nach seiner Zeit in selber Funktion bei Eintracht Frankfurt und darauf als Chefanalytiker bei Hertha BSC im Februar 2024 zum FC zurückgekehrt war, wurde als Nachfolger von Schulz vorgestellt. Man wolle die Leitung des Scoutings neu aufzustellen, hieß es vonseiten des FC, Ruhr wurde neuer Koordinator Scouting & Kaderplanung.

Nach dem Keller-Aus wurde allerdings auch die Personalie Schulz schnell wieder einkassiert. Auch wenn es offiziell nie kommuniziert wurde, ist Schulz bereits seit einigen Monaten wieder für den Verein tätig – jetzt als Scout/Koordinator Livescouting.

Mitte Juli machte der FC dann aber zwei weitere Personalien öffentlich: So musste Kevin Izzadeen den Klub verlassen. Der war zuvor als Koordinator Fußball-Administration am Geißbockheim tätig und galt als Vertrauter von Christian Keller. Izzadeen, so heißt es, soll sich Hoffnungen auf den Posten des Technischen Direktors gemacht haben, den dann aber Lukas Berg übernahm. Berg, 32, arbeitet nun noch enger mit Kessler zusammen. Zudem stellte der FC mit Markus Halfmann einen neuen Leiter der FC-Akademie vor, der wieder die Nachfolge des beförderten Berg antrat. Halfmann wird unterstützt von U19-Erfolgstrainer Stefan Ruthenbeck und Matthias Borst (Koordinator Spielidee/Ausbildung).

Spielidee nicht mehr in Stein gemeißelt

Aber es gibt noch weitere Änderungen in der Post-Keller-Ära. Unter dem 47-Jährigen war beim FC eine neue Spielidee eingeführt worden, die von den jüngsten Jugendteams bis hin zu den Profis implementiert wurde. Auch im Nachwuchs sollte unter anderem konsequent in der 4-3-3-Grundordung gespielt werden, dazu gab es viele Leitplanken und Prinzipien hinsichtlich des Spieler-Scoutings, der Verpflichtung und der Spieler-Ausbildung. Keller wählte beispielsweise im Januar 2024 in Timo Schultz einen neuen Cheftrainer aus, der konsequent so spielen ließ, den Bundesliga-Abstieg aber auch nicht verhindern konnte.

Nun ist auch die Spielidee nicht mehr in Stein gemeißelt. Bereits Schultz-Nachfolger Gerhard Struber, von dem sich der FC im vergangenen Mai ebenfalls trennte, hatte in der Krise des Profi-Teams auf eine Dreierabwehrkette umgestellt, sein Nachfolger Kwasniok favorisiert diese ebenfalls. Aber auch U21-Trainer Evangelos Sbonias machte gegenüber dem „geissblog“ deutlich, dass man beim FC zwar grundsätzlich in der Viererkette ausbilde, aber eben auch „etwas flexibler“ geworden sei und „nicht starr im 4-3-3“ spiele.

Kessler-Beförderung steht bevor

Und seit Ende September hat der FC zudem einen neuen Vorstand, in dem mit Ulf Sobek ein Vizepräsident im Amt ist, der die Trainer-A-Lizenz besitzt und viele Jahre beim DFB Mitglied im Trainerteam der Nachwuchsmannschaften war. Sobek verkündete beim Mitglieder-Stammtisch im Dezember bereits Veränderungen. Man wolle zwar an einige Grundprinzipien festhalten und ernte bereits einige Früchte der „strukturierten Nachwuchsarbeit“, was die Erfolge der U17 und der U19 zeigten, doch auch Sobek sprach davon, dass man beim FC „flexibler“ werden müsse.

Als neuen starken Mann im sportlichen Bereich sieht sich allerdings Kessler. Der wartet weiterhin auf seine vom neuen Vorstand im Wahlkampf versprochene Beförderung zum Sport-Geschäftsführer. Kessler hat seine eigenen konkreten Vorstellungen. Ihm geht es auch um Kompetenzen, Verantwortlichkeiten die klar geregelt sein müssen. Immerhin, so war zu erfahren, sollen sich beide Seiten angenähert haben, so dass die Beförderung in Kürze tatsächlich Realität werden dürfte.