Der neue Vorstand des 1. FC Köln ist 100 Tage im Amt. Vizepräsident Ulf Sobek spricht über erste Erfahrungen, Personalien, den Kader und Ziele des Klubs
Vorstand 100 Tage im AmtFC-Vize Sobek: „Im Idealfall jedes Jahr ein, zwei Plätze nach vorne“

FC-Vizepräsident Ulf Sobek im Trainingslager der Kölner in La Nucia, Spanien
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Der neue Vorstand des 1. FC Köln ist 100 Tage im Amt – Vizepräsident Ulf Sobek (53) spricht im Trainingslager des 1. FC Köln in La Nucia an der Costa Blanca über erste Erfahrungen, die Geschäftsführer, den Kader, Ausnahmetalent Said El Mala und zukünftige Ziele des Klubs.
Herr Sobek, in der Politik gelten 100 Tage im Amt als erste Wegmarke. Jetzt ist es auch bei Ihnen so weit. Wie blicken Sie auf diese Anfangsphase zurück?
Vor allem mit großer Zufriedenheit. Uns war von Beginn an wichtig, dass wir als Vorstandsteam gut beim FC ankommen – und das ist uns gelungen. Der Empfang am Geißbockheim war extrem offen und wertschätzend. Wir haben in den ersten Wochen sehr viel zugehört, sehr viel reingehört in die unterschiedlichen Bereiche des Vereins. Diese Offenheit hat uns den Einstieg enorm erleichtert.
Sie verantworten unter anderem Mitgliederwesen, Fankultur und den gesamten sportlichen Bereich. Wie sind Sie an diese Aufgaben herangegangen?
Zunächst einmal mit Gesprächen. Ich wollte wissen: Wo stehen wir? Was läuft gut? Wo gibt es Herausforderungen? Auch wenn ich vor der Wahl schon viele Kontakte hatte, ist die Perspektive im Vorstand eine andere. Man bekommt Informationen auf einer ganz neuen Ebene. Eine große Hilfe ist bei der Vielzahl an Themen auch, dass wir mit Philipp Herpel inzwischen jemanden dazugewonnen haben, der das Vorstandsbüro leitet. Insgesamt war das eine sehr intensive, aber auch sehr positive Zeit – nicht nur für mich, sondern für uns alle.
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Wie belastend ist der zeitliche Aufwand?
Es ist genau so umfangreich, wie ich es erwartet habe – nämlich extrem. Bei mir sind es teilweise über 80 Stunden pro Woche, mit fünf bis sieben Terminen am Tag, dazu feste Abstimmungen im Vorstand. Das sind fremdbestimmte Zeiten, aber ich empfinde das nicht als Arbeit. Ich habe bewusst andere Tätigkeiten wie beim DFB abgegeben, um mich voll auf den FC zu konzentrieren.
Sie waren auch vorher kein Unbekannter im FC-Umfeld, stehen nun aber deutlich stärker im Fokus. Wie erleben Sie diese neue Öffentlichkeit?
Die Verantwortung spürt man sofort – auch emotional. Man schaut anders auf Spiele, fühlt sich verantwortlich, obwohl man nicht auf dem Platz steht. Und ja, die Aufmerksamkeit im Alltag hat zugenommen. Wenn ich mit meiner Frau essen gehe, werde ich neuerdings viel öfter erkannt und angesprochen. Das gehört dazu damit habe ich kein Problem. Gleichzeitig muss man lernen, Worte sorgfältiger zu wählen, denn dein Wort hat plötzlich mehr Gewicht. Der Fan in mir ist noch da – aber die Rolle ist eben eine andere.
Ich wollte immer noch einmal etwas für den FC erreichen. Der Verein begleitet mich mein ganzes Leben, meine Mutter hat mir meinen ersten Schal gestrickt. Ich hatte nie das Gefühl, hier fertig zu sein.
Es war Ihr dritter Anlauf ins Präsidium. Erfüllt sich für Sie gerade ein Lebenstraum?
Absolut. Ich wollte immer noch einmal etwas für den FC erreichen. Der Verein begleitet mich mein ganzes Leben, meine Mutter hat mir meinen ersten Schal gestrickt. Ich hatte nie das Gefühl, hier fertig zu sein. Jetzt habe ich die Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen – und darauf habe ich große Lust. Von daher kann man schon sagen, dass ich mir einen Lebenstraum erfüllt habe.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit im Vorstandstrio mit Jörn Stobbe und Jörg Alvermann?
Menschlich, fachlich und privat hervorragend. Wir sind unterschiedliche Charaktere, alle mit Führungsanspruch, aber auch mit der Fähigkeit zuzuhören. Intern diskutieren wir intensiv, nach außen treten wir geschlossen auf. Dieses Vertrauen ist die Basis unserer Arbeit. Entscheidungen werden gemeinsam vorbereitet und getragen.
Gab es in den ersten Monaten auch schwierige Momente?
Der Wahlkampf war eine gute Schule. Man lernt schnell, wie sensibel Aussagen, Auftritte oder Social-Media-Beiträge wahrgenommen werden. Insgesamt aber ist der Verein genau so komplex und groß, wie ich es mir vorgestellt habe. Wirklich herausfordernd ist vor allem die emotionale Verantwortung – etwa nach Niederlagen.
Wie gehen Sie mit Meinungsverschiedenheiten im Vorstand um?
Ganz pragmatisch: drei Personen, Mehrheitsentscheidung. Es gibt 2:1-Entscheidungen, in den meisten Fällen sind wir uns aber einig. Es geht immer um eins: Was ist das Beste für den FC. Niemand ist immer dafür oder immer dagegen – das wechselt je nach Thema.
Der FC befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Wie haben Sie die Stimmung im Klub wahrgenommen?
Überraschend offen. Viele Mitarbeitende haben sich gefreut, dass ihnen wirklich zugehört wird. Uns war wichtig, nicht mit fertigen Antworten zu kommen, sondern erst einmal Verständnis zu entwickeln. Das hat Vertrauen geschaffen. Ich denke, wir können es schaffen, dass wir Leute mit unserer Vision und unserer Idee für unseren FC vereinigen können. Das beziehe ich jetzt nicht nur auf den FC, sondern auch auf die Politik. Jetzt geht es darum, aus dem Gehörten konkrete Schlüsse zu ziehen – und Entscheidungen zu treffen.
Fühlen Sie sich nach diesen ersten 100 Tagen angekommen?
Ja. Und gleichzeitig ist mir bewusst, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnt. Wir haben viel Vertrauen gespürt. Dieses Vertrauen wollen wir rechtfertigen – mit klarer Haltung, Offenheit und Entscheidungen im Sinne des 1. FC Köln.
Sie haben sportliche Expertise. Wie eng arbeiten Sie mit Sportdirektor Thomas Kessler zusammen?
Sehr eng – und auf Augenhöhe. Ich rede ihm nicht rein, wir reden miteinander. Am Anfang ging es ums Kennenlernen, ums Zuhören. Daraus ist eine echte Partnerschaft entstanden, mit regelmäßigen und inzwischen sehr häufigen Abstimmungen. Am Ende entscheidet in sportlichen Fragen Thomas – und genau so soll es sein.
Was ist der Stand der Dinge bei der Beförderung von Thomas Kessler zum Geschäftsführer, die der neue Vorstand im Wahlkampf angekündigt hatte?
Wir sind in einem guten Austausch. Im Augenblick liegt der absolute Schwerpunkt auf der Kaderplanung für die zweite Halbserie.

Für den Sport verantwortlich: Thomas Kessler (l.), Sportdirektor des 1. FC Köln, und FC-Vizepräsident Ulf Sobek auf dem Trainingsplatz an der Costa Blanca
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Was fehlt denn noch für eine Beförderung?
Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den vertraulichen Gesprächen keine Wasserstandsmeldungen abgeben kann.
Wird Thomas Kessler denn neuer Sport-Geschäftsführer?
Genau dazu befinden wir uns in den eben genannten Gesprächen.
Kann das auch jemand anderes sein als Kessler?
Theoretisch natürlich ja. Die Frage stellt sich aber derzeit nicht.
Der Vertrag von Finanz-Geschäftsführer Philipp Türoff läuft in diesem Jahr aus. Wie bewerten Sie seine Arbeit?
Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit von Philipp Türoff. Auch bei ihm ist es unser Ziel, möglichst langfristig zusammenzuarbeiten. Er hält den Laden extrem gut zusammen. Er bringt durch seine Erfahrung Seniorität in eine recht junge Geschäftsleitung mit ein. Er arbeitet sich immer stärker in die Fußballbranche rein und hat viel dazugelernt. Das ist extrem angenehm.
Setzt der neue Vorstand künftig verstärkt auf interne Beförderungen?
Ziel ist tatsächlich eigene Leistung und Befähigung. Wir schauen erstmal in den eigenen Reihen – so wie ich es mir auch bei Spielern wünsche. Das heißt: Wenn wir einen passenden Kandidaten bereits in unserem Klub haben, würden wir ihn zuerst anhören.
Welche Rolle spielt Stefan Müller-Römer unter dem neuen Vorstand?
Stefan ist Mitglied in der Satzungs- und Strukturkommission, weil er ein Gründungsvater der aktuellen Satzung war. Ich kenne ihn schon sehr lange, es ist seit jeher ein vertrauensvoller Austausch mit ihm. Er hat unglaublich viele Kenntnisse über den Verein. Es wäre fahrlässig, das nicht zu nutzen.
Wir finden es gut, wenn es nicht nur Leute gibt, die uns auf die Schulter klopfen, sondern auch mal eine andere Position einnehmen und uns herausfordern. Das schätze ich sehr an ihm.
Auf der anderen Seite ist Müller-Römer als streitbarer Geist bekannt.
Er hat immer noch eine klare Meinung, das finden wir auch total wichtig. Wir finden es gut, wenn es nicht nur Leute gibt, die uns auf die Schulter klopfen, sondern auch mal eine andere Position einnehmen und uns herausfordern. Das schätze ich sehr an ihm.
Kommen wir zum Sport. Wie bewerten Sie die aktuelle Sieglosserie?
Natürlich nervt es, dass wir mehrere Spiele hintereinander nicht gewonnen haben. Ich möchte die Situation auch nicht schönreden. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass wir keine Ideen und kein Konzept haben. Jetzt liegt es am Trainerteam und der Mannschaft, Lösungen zu finden, gerade gegen tiefstehende Mannschaften.
Ist der Kader aus Ihrer Sicht stark genug für den Klassenerhalt?
Ich finde schon, dass wir insgesamt einen guten Kader haben. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass es Spieler gibt, die am Anfang über ihren Möglichkeiten agiert haben und gerade eine schwächere Phase erleben. Der Trend ist im Moment nicht schön, dennoch hätte vor der Saison Platz elf zur Winterpause jeder unterschrieben.
Sind die Transferaktivitäten für den Winter mit der Verpflichtung von Jahmai Simpson-Pusey beendet?
Ich gehe nicht davon aus, dass wir bis Heidenheim noch weitere Spieler aus dem Hut zaubern werden. Es ist unheimlich schwer, im Winter Spieler zu holen. Wir haben aber noch bis Ende Januar Zeit zu handeln. Da bieten sich oft nochmal Optionen, die aktuell noch gar nicht bestehen. Ob der Bedarf dann gedeckt ist, müssen der Trainer und der Sportdirektor entscheiden. Ich hoffe, dass wir bis dahin einige positive Ergebnisse eingespielt haben. Ohnehin sollten wir sowieso den Jungs, die hier sind, unser Vertrauen aussprechen.
War Ihnen bewusst, wie kompliziert das Transferfenster im Winter ist?
Es war mir durch meine Tätigkeiten beim DFB bewusst, wie schwer das ist. Die Lehrgänge waren meist im November, also genau in der Phase, wo sich Spieler Gedanken machen. Da habe ich öfter mal mitbekommen, wie Spieler gesagt haben, dass sie bereits mit neuen Vereinen einig waren, der Deal am Ende aber doch noch geplatzt ist. Von daher war mir bewusst, dass bei weitem nicht immer alles glatt läuft. Man weiß es zwar, aber es ist dennoch sehr frustrierend, wenn man dann mal selber davon betroffen ist.
Es fällt auf, dass es bei Leihen nur noch solche mit Kaufoption gibt. Ist das ein spezieller Wunsch des Vorstands?
Wir möchten nichts mehr auf Pump machen. Wir wollen nicht die finanzielle Sicherheit und Stabilität des Klubs gefährden. Daher ziehen wir vor allem Modelle in Betracht, die die Liquidität nicht so stark beeinträchtigen. Das ist wichtig, weil die Situation, gelinde gesagt, in der jüngeren Vergangenheit nicht so rosig war. Das möchten wir auf alle Fälle verhindern. Und zum Thema Kaufoptionen: Es ist immer unser Ziel, einen Daumen drauf zu haben, aber es lässt sich nicht immer umsetzen. Man muss immer den Einzelfall betrachten und manchmal auch Kompromisse eingehen.
Meine Idealvorstellung wäre es, immer ein oder zwei Plätze besser dazustehen als im Jahr davor.
Wie wollen Sie den FC während Ihrer Amtszeit sportlich entwickeln?
Die Kluft zwischen Mittelfeld und Tabellenende sind rund 30 bis 40 Millionen Euro Kaderwert. Wir wollen sehen, dass wir über gutes Scouting eine sukzessive Kaderwert-Steigerung erzielen. Unsere beiden Geschäftsführer arbeiten unter Hochdruck daran, dass sie uns mehr Geld zur Verfügung stellen können, um damit zu arbeiten. Das Geld kann man dann entweder in Spieler investieren oder in die Struktur. Denn wir wollen und müssen unser Scouting-System ausbauen und optimieren. So erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass wir durch Transfererlöse mehr Geld als bisher generieren können. Konkret wollen wir uns mit besseren Rahmenbedingungen und höheren Erlösen sportlich immer weiter verbessern. Meine Idealvorstellung wäre es, immer ein oder zwei Plätze besser dazustehen als im Jahr davor.
Am liebsten hätte ich aber ohnehin, dass Said noch sehr lange bei uns bleibt und uns noch eine Menge Freude bereitet.
Was würde ein möglicher Transfer von Said El Mala über kolportierte 50 Millionen Euro den FC verändern?
Man muss erstmal den richtigen Zeitpunkt für so einen Transfer finden. Wenn wir ihn jetzt für 50 Millionen Euro verkaufen würden, müssten wir erstmals einen hohen Anteil an Steuern zahlen. Es ist also nicht immer nur der absolute Wert, man muss auch immer einen Schritt weiterdenken. Wichtig ist, was unter dem Strich für uns rauskommt, wenn man mal eine Perle versilbern möchte. Am liebsten hätte ich aber ohnehin, dass Said noch sehr lange bei uns bleibt und uns noch eine Menge Freude bereitet. Ich würden ihn gerne mal in einer Doppelspitze mit seinem Bruder Malek sehen, auf den ich auch echt große Stücke halte. Aber eins ist auch klar: Wenn ein Spieler 50 Millionen Euro wert ist, will er auch ein entsprechendes Gehalt haben. Dann muss man schauen, wie die Gehaltsstruktur im Verein ist.
Was würden Sie persönlich El Mala raten?
Ich bin nicht in der Position, ihm etwas zu raten. Ich will einfach nur, dass er einfach weiter jeden Tag Gas gibt und versucht, jeden Tag besser zu werden. Das ist das Einzige, was er beeinflussen kann, der Rest kommt von ganz alleine. Die Jungs, die das beherzigen, sind diejenigen, die am Ende oben ankommen und vor allem auch langfristig bleiben.
In der Bundesliga herrscht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Kann der FC da in den nächsten Jahren noch mal oben reinrutschen?
Die Chance sehe ich schon. Es gibt immer wieder Vereine, die mit einer guten Saison oben angeklopft haben. Dazu muss man vielleicht mal den DFB-Pokal gewinnen, was aufgrund der geringen Anzahl an Spielen nicht total unrealistisch ist. Oder dass wir mit einem guten Lauf mal wieder international spielen, das haben wir unter Steffen Baumgart zuletzt auch geschafft. Wenn man darauf dann vernünftig aufbaut, dann kann man sich vielleicht längerfristig an die ersten Sechs oder Sieben ranrobben. Aber im hier und jetzt geht es für uns nur um die drei Punkte am Samstag in Heidenheim.

